Handlungsrahmen 2019-2024

Handlungsrahmen für die IHK-Arbeit 2019-2024

#GemeinsamFitFürMorgen

Aktive Unternehmerinnnen und Unternehmer aus dem IHK-Ehrenamt sowie Mitarbeiter der IHK haben die wichtigen Themen für die regionale Wirtschaft erarbeitet.

Diese prägen den IHK-Handlungsrahmen von 2019-2024.

Als strategische Orientierung setzt der Handlungsrahmen Prioritäten. Er fasst aus Sicht der regionalen Wirtschaft, die zentralen Aufgabenstellungen zu den relevanten Themen zusammen, in denen sich die IHK mit ihrer Interessenvertretung im politischen Raum und mit ihrem Dienstleistungsportfolio gegenüber den Unternehmen positionieren wird..


#GemeinsamFitFürMorgen

Handlungsrahmen für die Arbeit der IHK Offenbach am Main 2019 – 2024

Gemeinsam haben Ehrenamt und Mitarbeiter der Industrie- und Handelskammer Offenbach am Main sowie weitere interessierte IHK-Mitglieder aufgrund der skizzierten Megatrends vorliegenden Handlungsrahmen für die Legislaturperiode 2019 bis 2024 der IHK-Vollversammlung erarbeitet.

Ziel der IHK-Arbeit ist, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und des Standortes zu stärken.

Wir fördern die Wirtschaftsregion Stadt und Kreis Offenbach und die Weiterentwicklung zu einem attraktiven Standort im Rhein-Main-Gebiet, indem wir die Interessen der Unternehmen gegenüber der Politik und Verwaltung aktiv vertreten. Wir handeln überparteilich und politisch unabhängig. Wir sind kritischer und fairer Partner der Politik und Verwaltung.

Für unsere Mitgliedsunternehmen bieten wir Dienstleistungen zur Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit an. Wir nehmen gesetzliche Aufgaben wahr: wirtschaftsnah, effizient, kostengünstig. Wir sichern dadurch unternehmerische Freiräume und unterstützen den wirtschaftlichen Erfolg unserer Mitglieder. Wir bieten darüber hinaus bedarfsorientierte Dienstleistungen. Qualität ist uns wichtig. Wir gestalten Netzwerke. Nähe, Offenheit und Internationalität zeichnen uns aus.

Wir handeln im Sinne Ehrbarer Kaufleute: verantwortungsbewusst, nachhaltig, ehrlich, glaubwürdig, verlässlich. Ziel ist es, das Image der Unternehmen in der öffentlichen Wahrnehmung zu verbessern.

Wir fordern sozial-marktwirtschaftliche Prinzipien ein und lehnen planwirtschaftliche Instrumente ab. Unser Leitprinzip lautet: Privat vor Staat.

In den nächsten fünf Jahren gilt es, unseren zukunftsorientierten Standort auf der Basis unternehmerischen Erfolgs und verantwortlichen Handelns gemeinsam weiter zu entwickeln.

In diesem Sinne bedarf es einer guten und intensiven Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung und Wirtschaft.

Das was wir derzeit beobachten und erleben ist Ausfluss verschiedener Megatrends:

Digitalisierung: Die technologische Entwicklung wird durch Maschinen-Lernen, Vernetzung, Automatisierung, „Internet of Things“, Soziale Medien vorangetrieben.

Globalisierung: Die internationale Arbeitsteilung und internationaler Wettbewerb werden trotz protektionistischer Tendenzen weiterhin eine wesentliche Rolle spielen. Die außenwirtschaftliche Orientierung ist Markenkern unserer Wirtschaft.

Klimawandel: Die Frage nach dem Ressourcenverbrauch und die Bekämpfung des Klimawandels werden neue Produktionsweisen und ein anderes Konsumverhalten mit sich bringen.

Sharing Economy: Die Sharing Economy wird weiter zunehmen, das heißt Konsumenten besitzen weniger die Produkte, sondern teilen sie mit anderen oder leihen sie sich für eine gewisse Zeit. Der Nutzen des Produkts steht dabei im Vordergrund.

Community-orientierte Individualismus: Der Begriff Community-orientierter Individualismus scheint auf den ersten Blick ein Widerspruch zu sein. Da jedoch die Menge der Informationen sowie die Vernetzung zunehmen, werden sich Gruppen zu bestimmten Themen schneller finden als früher. Es ist in uns tief verwurzelt. Individuen wollen einer Gruppe angehören. Und: die Menschen wollen ihre Individualität durch Aktivitäten in der Gruppe zum Ausdruck bringen. Individualität genießt man erst so richtig in der Gruppe. Deswegen wird die Bedeutung von Netzwerken zu bestimmten Themen steigen.

Demografische Entwicklungen: Hierzu zählen alle demografischen Veränderungen in der Gesellschaft, aber auch die Trends zur Urbanisierung, Bildung und Migrationsbewegungen. All das wird Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Wirtschaft haben.

Für einen gemeinsamen erfolgreichen Weg in die Zukunft wurden folgende fünf Themenfelder identifiziert:

1. #GemeinsamMehrErreichen

2. #GemeinsamRegionStärken

3. #GemeinsamDigitalisierungMeistern

4. #GemeinsamFürFachkräfte

5. #GemeinsamFairWirtschaften

Der Handlungsrahmen:

Themenfeld 1: #GemeinsamMehrErreichen

Handlungsfelder:

Die Mitglieder sehen die IHK als Plattform, die sie darin unterstützt, mit besserer Vernetzung innovativer und erfolgreicher zu werden. Netzwerke, formelle wie auch informelle, haben einen signifikanten Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in einer Region, weil durch Flexibilität und Vertrauen Transaktionskosten gesenkt werden können.

1. Austausch und Kooperation:

Die Wertschöpfung in der Wirtschaft ist durch Vernetzung und Verbindungen geprägt. Daher nehmen Netzwerke für Unternehmen eine hohe Bedeutung ein. „Networking“ dient dem Austausch mit Gleichgesinnten, um Informationen und wertvolle Anregungen zu erhalten, voneinander zu lernen und auf diese Weise Partner für Kooperationen zu finden. Mittels Kooperationen können die unternehmerischen Chancen vergrößert, Potenziale erschlossen und ggf. neue Geschäftsmodelle aufgebaut werden. Durch „Networking“ werden Kontakte geknüpft, eine Beziehung aufgebaut und das nötige Vertrauen geschaffen. Vertrauen wiederum ist die Basis, Kooperationen überhaupt entstehen zu lassen. Netzwerke leben dabei von Kollaboration und einem Geben und Nehmen.

2. Wirtschaftliche Ökosysteme:

Zum anderen bedeutet Networking die Vernetzung von Akteuren in der Region: Politik, Verwaltung, Unternehmen, Wissenschaft, Verbände.

Zum jeweiligen Thema können Politik, Wissenschaft und Wirtschaft „wirtschaftliche Ökosysteme“ oder „Cluster“ regional schaffen, welche Kooperationen, Innovationen und eine schnellere Produktentwicklung fördern.

Zudem bieten diese Netzwerke die Möglichkeit, direkten Kontakt zu Entscheidern in Politik und Verwaltung aufzubauen, um Einfluss auf Standortbedingungen zu nehmen und mitzugestalten.

3. Synergien zwischen groß, mittel, klein:

Die Unternehmen wünschen sich, dass Synergien in alle Richtungen genutzt werden. Synergien können durch Vernetzung insbesondere auch von Mittelstand, Konzernen und Start-ups gehoben werden.

4. Problemlöser:

Die IHK agiert als Problemlöser, die über ihre Netzwerke einen Mehrwert für die Unternehmen stiftet. Sie sensibilisiert für Themen und zeigt mögliche Lösungen auf. Entscheidend für die Themenauswahl der IHK ist die situative Relevanz und die persönliche Betroffenheit der Unternehmer. Über die Themen werden die relevanten Akteure zusammengebracht. Digitale Plattformen und Kanäle können hierbei als Türöffner agieren (IHK-Webseite, Xing, LinkedIn, etc.), ersetzen aber nicht den persönlichen Kontakt. Digitale Wege bieten einen Mehrwert in der Organisation persönlicher Treffen und helfen, anschließend in Kontakt zu bleiben.

Mögliche Maßnahmen:

  • Azubi-Netzwerk: Auszubildende unternehmensübergreifend vernetzen (z. B. Ausbildungsbotschafter, Weiterbildung, Lerngruppen, Firmenlauf der Region)
  • Netzwerk Weiterbildungsträger – Unternehmer – IHK: Entwicklung und Abstimmung Weiterbildungsangebot in der Region
  • Themenbezogene Gruppen, die sich über soziale Netzwerke zusammenschließen und durch die IHK moderiert werden. (z. B. Xing)
  • Branchenbezogene Gruppen, die sich über Benchmarks vergleichen können

Ziel: Durch bessere Vernetzung sind Unternehmen innovativer und erfolgreicher.

Themenfeld 2: #GemeinsamRegionStärken

Handlungsfelder:

Die Rahmenbedingungen am Standort eines Unternehmens sind mitentscheidend für den Erfolg. Die passenden Flächen, auf denen das Unternehmen arbeiten und sich entwickeln kann, eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur und nicht zuletzt auch gute Wohnbedingungen für die dringend benötigten Fachkräfte sind wichtige Standortfaktoren.

1. Mobilität:

Eine effiziente Mobilität in der Metropolregion ist entscheidend für die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Die Optimierung und der Ausbau aller Verkehrsträger und deren effektive, modulare Kombination muss in den kommenden Jahren konsequent weiterentwickelt werden.

Die Straßenverkehrs- sowie Radinfrastruktur sowie der ÖPNV, insbesondere Schienenverbindungen, müssen verbessert und so schnell wie möglich ausgebaut werden. Hier geht es u. a. um den Ausbau der A 3, die Anbindung einzelner Standorte Richtung Frankfurt, als auch bessere Querverbindungen zwischen den einzelnen Kommunen im Kreis Offenbach. Ein Schwerpunkt öffentlicher Investitionen wird bei den Tangentialverbindungen der Schieneninfrastruktur um Frankfurt herum sein.

Die Entwicklung innovativer Modelle zur Verknüpfung der einzelnen Verkehrsträger und die Förderung neuer Mobilitätsformen gilt es zu unterstützen. Zum Beispiel für ein digitales Navigationsangebot, welches die gesamte Wegekette mit unterschiedlichen Verkehrsträgern abbildet. Ebenso wie eine Stärkung der Kooperation zwischen benachbarten Unternehmen zur Bereitstellung von Mobilitätsangeboten.

Die langen Bau- und Planungszeiten von Infrastrukturprojekten sind ein nicht zufriedenstellender Zustand. Ein Paradigmenwechsel und gesetzliche Änderungen sind unabdingbar.

Neben der Verkehrsinfrastruktur muss für die Zukunftsfähigkeit der Region allerdings auch ein Augenmerk auf andere Infrastrukturen gelegt werden. Entwicklungen wie Digitalisierung, Bevölkerungswachstum oder der fortschreitende Klimawandel erfordern eine leistungsfähige Versorgung mit Breitband, Energie und Wasser, dessen Weiterentwicklung frühzeitig initialisiert werden muss.

2. Flächen:

Bei der Entwicklung von Wohn- und Gewerbegebieten ist eine entsprechende Infrastruktur insbesondere in Bezug auf die Mobilität frühzeitig mit zu planen. Die Verwaltungsprozesse sind zu verkürzen und zu optimieren. Dabei gilt als besonders relevant, Transparenz herzustellen: Welche Flächenpotenziale gibt es in den Kommunen? Wofür setzt sich die IHK ein und wie? Außerdem geht es darum, den strategischen Umgang mit Flächen in den Kommunen zu begleiten und dabei auch die Verdichtung von Flächen und die Schaffung attraktiver Aufenthalts- und Erholungsorte im Blick zu behalten.

3. Wirtschaftsfreundlichkeit:

Wirtschaftsfreundlichkeit betrifft die gesamte Verwaltung und Politik in einer Kommune. Stellschrauben der Wirtschaftsfreundlichkeit sind zum einen die innere Haltung und Einstellung aller Entscheider und Akteure, zum anderen nutzerzentrierte, effiziente Prozesse sowie ausreichend Ressourcen.

Zu einem wirtschaftsfreundlichen Umfeld zählt zudem eine angemessene Abgabenlast, welche eine nachhaltige Finanzierung in den Kommunen sichert, aber auch die Wirtschaft nicht überfordert und deren Spielraum für Investitionen nicht reduziert.

4. Metropolregion:

Das Bewusstsein für die Region „FrankfurtRheinMain“ gilt es weiter zu stärken. Die Rahmenbedingungen müssen die engen Verknüpfungen zwischen Unternehmen, Bewohnern und Standorten berücksichtigen. Dies gilt insbesondere in Bezug auf die Mobilität zum Beispiel in Form von guten Radwegen oder attraktiven ÖPNV-Tarifen zwischen den Standorten der Metropolregion. Hierzu sollten beispielsweise Preissprünge an den Tarifgrenzen verhindert werden. Außerdem wird der öffentlichen Finanzierung in Verbindung mit der Besteuerung der Unternehmen besondere Bedeutung beigemessen. In einer eng verzahnten Region, in der die Menschen Infrastruktur und Freizeitangebote nicht nur am Wohn- und Arbeitsort, sondern auch in den benachbarten Orten in Anspruch nehmen, sollte es auch eine gerechte Verteilung der daraus erwachsenen Kosten geben.

5. Attraktive Lebens- und Arbeitsorte:

Ein attraktives Wohn- und Arbeitsumfeld ist für die Gewinnung und Bindung von Fachkräften von großer Bedeutung. Ein wichtiger Baustein wird in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf liegen. Die steigenden Mieten sind ein zunehmender Hinderungsfaktor für die Gewinnung von Fachkräften. Hier soll politischer Druck aufgebaut werden, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und Flächen für Wohnungsbau auszuweisen bzw. nach zu verdichten. Dagegen führen Preisobergrenzen und Eingriffe in Eigentumsrechte von Vermietern nicht zu mehr Wohnraum.

Leistungsfähige und flächendeckende Breitbandanschlüsse für Unternehmen und Haushalte sind Voraussetzung, damit die Chancen der Digitalisierung umfänglich genutzt werden können und die Wohn- und Arbeitsstandorte attraktiv bleiben.

Die Verbesserung der Aufenthalts- und Erlebnisqualität in den Städten und Gemeinden ist ebenfalls ein zentrales Anliegen. Hierzu gehört die Entwicklung neuer, zukunftsweisender Konzepte für Innenstädte, Ortskerne und Quartiere in allen Kommunen.

Mögliche Maßnahmen:

  • Impulse für eine funktionsfähige Mobilität von Gütern und Personen bei Politik und Verwaltung setzen.
  • Sich beim Baustellenmanagement mit frühzeitiger Kommunikation der betroffenen Unternehmen in Kooperation mit den kommunalen Wirtschaftsförderungen bzw. Hessen Mobil engagieren.
  • Ausreichende Flächen für die Entwicklung/Ansiedlung von Gewerbe und den Wohnungsbau einfordern.
  • Initiativen für Azubi-Wohnheime zur Unterbringung von Auszubildenden interessierter Unternehmen unterstützen.
  • Wirtschaftsfreundlichkeit und Serviceorientierung noch stärker in den Verwaltungen vorantreiben und bei der Politik deutlich und klar einfordern.
  • Die Metropolregion „FrankfurtRheinMain“ besser miteinander verknüpfen.
  • Für gute Rahmenbedingungen attraktiver Lebens- und Arbeitsorte einsetzen.

Ziel: Standortvorteile sichern den wirtschaftlichen Erfolg.

Themenfeld 3: #GemeinsamDigitalisierungMeistern

Handlungsfelder:

Die Digitalisierung der Wirtschaft verheißt hohe Wachstumspotenziale und verspricht wichtige Wettbewerbsvorteile. Gleichzeitig bringt sie massive Umbrüche für nahezu alle Branchen mit sich.

1. Innovationssprünge:

Technologien wie unter anderem künstliche Intelligenz, Big Data oder die digitale Vernetzung durch das Internet der Dinge (IoT) bewirken mittel- und langfristig eine grundsätzliche Veränderung der Strukturen in nahezu allen Wirtschaftsbranchen, fordern damit alle Unternehmen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und können zu ungeahnten Innovationssprüngen führen.

2. Digitale Kompetenzen:

Die Digitalisierung führt zukünftig zu einem höheren Lern- und Anpassungsbedarf für mehr Erwerbstätige und Selbstständige als bisher. Unternehmen sind gezwungen, digitale Kompetenzen aufzubauen, um zukünftig wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

Datenschutz und -sicherheit:

Der Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstandes stellen sich etliche Digitalisierungshemmnisse in den Weg. Neben unzureichenden IT-Kenntnissen und Kompetenzen bereiten schlechte Internetverbindungen ebenso Probleme wie mangelnde Datensicherheit oder Unklarheiten im Datenschutz. Nicht zuletzt sind es Schwierigkeiten der Finanzierung von Digitalisierungsvorhaben oder mangelnde Akzeptanz für neue Technologien, die Unternehmen ausbremsen.

Mögliche Maßnahmen:

  • Innovation und Investition durch Vernetzung und Beratung der heimischen Unternehmen unterstützen und die Vorteile der Digitalisierung offensiv vermarkten sowie geeignete Kooperationspartner und Investoren finden.
  • Vernetzung durch Aufbau eines Unternehmernetzwerkes zur Digitalisierung. Plattformen nutzen, um mehr Transparenz und Geschwindigkeit zu ermöglichen. Austausch der Unternehmen fördern bei den Fragen, was und wo zu digitalisieren ist.
  • Wissen und Methoden durch Lernangebote, Methodenkompetenz und Beratung der Unternehmen vermitteln
  • Datenschutz und Datensicherheit bei IHK-eigenen Angeboten einhalten und notwendiges Wissen möglichst unter Beteiligung der Unternehmen in der Region Offenbach an die Mitglieder weitergeben.

Ziel: Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen durch Digitalisierung erhöhen.

Themenfeld 4: #GemeinsamFürFachkräfte

Handlungsfelder:

Der Mangel an beruflich qualifizierten Fachkräften verschärft sich weiter. Bis zum Jahr 2025 werden laut IHK-Fachkräftemonitor in der Region Offenbach 9.000 fehlende Fachkräfte erwartet - davon rund 7.000 mit einer beruflichen Qualifikation. Zwar bieten die Unternehmen deshalb mehr Ausbildungsplätze an, finden jedoch hierfür immer seltener interessierte und geeignete Bewerber.

Bis 2024 soll erreicht werden, dass ausbildende Unternehmen die angebotenen Ausbildungsplätze qualifiziert besetzen und so ihren Nachwuchs selbst entwickeln können. Mehr Schulabgänger als bislang streben eine betriebliche Ausbildung an weil sie in Schule und Elternhaus die damit verbundenen Möglichkeiten kennengelernt haben. Die Beteiligung der Beschäftigten an beruflicher Weiterbildung nimmt spürbar zu und Unternehmen können über schlanke Verfahren Fachkräfte aus dem Ausland rekrutieren und beschäftigen.

1. Berufsorientierung:

Die Hälfte der Schulabgänger drängt an die Hochschulen und angebotene Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt. Diese Entwicklung gefährdet zunehmend die Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Wirtschaft. Es kommt also darauf an, dass Jugendliche schon in der Schule die hervorragenden Zukunftsaussichten einer beruflichen Ausbildung kennenlernen und hierfür gut vorbereitet werden. Dabei muss der Unterricht in der Schule die technologischen Entwicklungen in den Unternehmen - ganz besonders die Digitalisierung - aufgreifen, damit eine moderne Berufsausbildung erfolgreich absolviert werden kann.

2. Weiterbildung:

Zugleich muss das System der betrieblichen Berufsausbildung durch Zusatzangebote wie die Kombination einer Ausbildung mit einer Weiterbildung oder einem Studium für leistungsstarke Schulabgänger attraktiver werden.

Zur Fachkräftesicherung gehört auch, dass Beschäftigte in den Unternehmen ihre Qualifikation durch berufliche Weiterbildung kontinuierlich ausbauen und aktuell halten.

3. Attraktivitätssteigerung:

Um das System der betrieblichen Berufsausbildung für Jugendlich wieder attraktiver zu machen, muss sich aber auch dieses System selbst weiterentwickeln. Die Berufe selbst und deren Ausbildungsinhalte müssen konsequent modernisiert und an aktuelle Entwicklungen angepasst werden. Ein gutes Beispiel dafür sind die Novellierungen der Metall- und Elektroberufe (Zusatzqualifikationen rund um die Digitalisierung) oder der Kaufleute im Einzelhandel (neue Wahlqualifikation online-Handel).

Damit wachsen aber auch die Anforderungen an die Ausbildung, während die Unternehmen angesichts der Demografie ihre Erwartungen an die Bewerber begrenzen müssen. Es braucht deshalb – neben einer besseren Vorbereitung in der Schule - verstärkt gute und modular aufgebaute Angebote der Ausbildungsvorbereitung. IHK-zertifizierte Teilqualifikationen auch für Jugendliche unter 25 Jahren könnten hier helfen.

Wir brauchen aber auch interessante Angebote für leistungsstarke Schulabgänger:

  • Kombination einer Ausbildung mit IHK-geprüften Weiterbildungen (sogenannte Abiturientenmodelle), Verbindung von Ausbildung mit einem dualen Studium (z.B. Berufsakademie Rödermark).
  • Ergänzung einer Berufsausbildung mit IHK-geprüften Zusatzqualifikationen (z.B. das Angebot der IHK Offenbach in Zusammenarbeit mit der Georg-Kerschensteiner-Schule Obertshausen „Hotelmanagement für Hotelfachleute“)
  • Jungen Menschen, die ein Studium abbrechen mussten und sich dann doch für eine Ausbildung interessieren, sollte die Anrechnung bereits erworbener Studienleistungen auf die Prüfungen im Rahmen einer Ausbildung ermöglicht werden. Entsprechende Modelle werden in der IHK-Organisation auf Bundesebene derzeit diskutiert.
4. Nachhilfe:

Für Jugendliche in der Ausbildung braucht es immer häufiger ausbildungsbegleitende Hilfen, also Nachhilfe, die vor allem kleine Unternehmen selbst nicht leisten können. Dies gilt nicht nur für Flüchtlinge in Ausbildung, deren Sprachkenntnisse verbessert werden müssen.

Entsprechende Angebote müssen seitens der Agentur für Arbeit in Zusammenarbeit mit regionalen Anbietern deutlich ausgeweitet werden.

5. Migration:

Die Gewinnung von Fachkräften aus dem Ausland kann dazu beitragen, den Fachkräftemangel der Unternehmen zu lindern. Mit den Entwürfen für die entsprechenden Gesetze („Migrationspaket“) haben sich unser Expertenrat Bildungspolitik & Fachkräfte und unsere Vollversammlung befasst und eine Position formuliert: Danach müssen gut qualifizierte und hier in den Unternehmen benötigte Fachkräfte die Möglichkeit erhalten, nach Deutschland zu kommen und zu bleiben. Dies sollte auch für Fachkräfte (z.B. Geflüchtete) gelten, die bereits hier leben und beschäftigt sind. Es kommt nun darauf an, die Ausgestaltung der entsprechenden Gesetze so zu begleiten, dass die Vermittlung der benötigten Fachkräfte ohne allzu große Bürokratie funktioniert.

Mögliche Maßnahmen:

  • Berufs- und Studienorientierung an Schulen verstärken
  • Information über die vielfältigen Möglichkeiten einer betrieblichen Berufsausbildung ausbauen
  • Das System der beruflichen Bildung weiterentwickeln
  • Gewinnung von Fachkräften aus dem Ausland erleichtern

Ziel: Fachkräfte für den Erfolg von Morgen sichern.

Themenfeld 5: #GemeinsamFairWirtschaften

Handlungsfelder:

Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind mitentscheidend für erfolgreiches unternehmerisches Handeln. Das gilt für die Bedingungen in Deutschland genauso wie in Europa oder weltweit. Unterschiedliche Regelungen innerhalb der EU belasten die Unternehmen.

Neue Regelungen sollten eine unternehmerische Tätigkeit nicht behindern, sondern fördern. Die Unternehmen haben einen Informations- und Beratungsbedarf, insbesondere bei neuen Regelungen.

1. Bürokratieabbau:

Das Regelungsumfeld für Unternehmen ist sehr komplex und für viele Unternehmen, insbesondre KMU, ohne externe Unterstützung nicht mehr zu überblicken. Neben dem Ansatz der Unterstützung und Beratung der Unternehmen muss auch bei den Regelungen selbst angesetzt werden (Melde- und Berichtspflichten reduzieren; Baurecht verschlanken; Datenschutzrechtliche Regelungen auf das Sinnvolle reduzieren; Turnus von Prüfungen/Begehungen/Audits verlängern; Pflichten rund um die Mitarbeiterentsendung reduzieren und vereinheitlichen). Eine Rückwirkung von Gesetzen sollte generell verboten sein. Regelungen mit neuem Dokumentationsaufwand verhindern (Arbeitszeiterfassung). Eine realistische Folgen- und Kostenabschätzung aller betroffenen Akteure hat vor Einführung neuer Regelungen zu erfolgen.

2. Steuern:

Die Ausgestaltung des Steuerrechts und eine international wettbewerbsfähige Steuerbelastung sind wichtige Standortfaktoren für die Wirtschaft. Vor Ort als Wettbewerber agierende ausländische Unternehmen sollten vergleichbaren Steuerbelastungen unterworfen sein wie deutsche Unternehmen. Bei Überlegungen, neue Steuern oder Abgaben einzuführen (Digitalsteuer, Finanztransaktionssteuer), muss die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen berücksichtigt werden.

3. Beratung und Information:

Unternehmen sind immer wieder gefordert, neue gesetzliche Regelungen zu beachten (zuletzt Verpackungsgesetz, EU-Datenschutz-Grundverordnung). Diese Regelungen können nationaler Art sein, können ihren Ursprung aber auch auf EU-Ebene haben oder sich aus internationalen Abkommen ergeben. Bedarfe der Unternehmen müssen erkannt und Informationen zielgruppenorientiert kommuniziert werden. Das Informations- und das Beratungsangebot der IHK gewährleistet kontinuierlich, dass die Unternehmen Informationen rechtzeitig erhalten, um sich auf Neuerungen einzustellen und damit rechtskonform handeln zu können.

Die IHK ist daneben jederzeit Ansprechpartner für die Unternehmen bei unternehmensrelevanten Themen und unterstützt die Unternehmen bei ihren Anliegen gegenüber anderen Institutionen in den Grenzen des IHK-Gesetzes.

4. Unternehmensnachfolge und Gründen:

Die aktuelle Situation ist gekennzeichnet durch die demographische Entwicklung. Die Zahl der Unternehmerinnen und Unternehmer, die das Unternehmen aus Altersgründen in andere Hände geben wollen, nimmt kontinuierlich zu. Der Beratungsbedarf in dieser komplexen Materie sowohl für Übergeber als auch für potenzielle Nachfolger, also Gründer, steigt. Die IHK unterstützt die Unternehmen als Berater, Partner und Koordinator.

5. Unternehmerbild, Werte, CSR:

Welche Bedeutung haben Werte heute noch? Muss heute alles genau reguliert werden, weil zum Beispiel Handelsbräuche und Werte an Bedeutung verloren haben? Was zeichnet den ehrbaren Kaufmann heute aus? Sind es faire Beschäftigungsverhältnisse und Fairness gegenüber Handelspartnern? Welche Rolle spielt das gesellschaftliche Engagement eines Unternehmers?

6. Freier Marktzugang weltweit:

Für deutsche Unternehmen ist ein unbeschränkter Zugang zu globalen Märkten und freier Handel von hoher Bedeutung. Die IHK macht sich daher stark für eine moderne Handelspolitik statt Abschottung und gestaltet die politische Diskussion zum Abbau von Handelshemmnissen mit. In der Umsetzung von Freihandelsabkommen unterstützt die IHK den Mittelstand. Vor Ort informiert und berät die IHK Unternehmen darin, die vielfältigen Chancen im Auslandsgeschäft wahrzunehmen.

Mögliche Maßnahmen:

  • Image des Geschäftsmodells Mittelstand stärken
  • Politikberatung:
    • Erinnern an die Leitlinien einer Sozialen Marktwirtschaft;
    • Appellieren an mehr Mut zu weniger Regulierung;
    • Aufzeigen von Auswirkungen von Regelungen auf KMU (Folgen- und Kostenabschätzung);
    • Einsatz für den Abschluss von Handelsabkommen und harmonisierten Regelungen in der EU
  • Die IHK kennt den Informationsbedarf der Unternehmen und befriedigt ihn zielgruppenorientiert
  • Die IHK unterstützt ihre Mitglieder bei deren Anliegen gegenüber Kommunen
  • Werte des Ehrbaren Kaufmanns vermitteln
  • Unterstützung von kleinen und mittelständischen Unternehmen beim internationalen Markteinstieg stärken mit individueller Außenwirtschaftsberatung in enger Kooperation mit dem IHK-AHK-Netz und Enterprise Europe Network zur
    • Einschätzung der politischen und wirtschaftlichen Lage
    • Bewertung der Rechtslage und der Handlungsoptionen
    • Vermittlung internationaler Geschäftspartner

Ziel: Faire Rahmenbedingungen und Freiräume schaffen.