Brexit: Auswirkungen für die Wirtschaft

Die Wirtschaft atmet auf und ist erleichtert. Eine Woche vor Ende der Übergangsphase haben sich die Europäische Union und das Vereinigte Königreich auf ein Handels- und Kooperationsabkommen geeingt. Dennoch müssen sich deutsche Unternehmen auf Mehraufwand einstellen. Denn trotz Handelsabkommen ist Großbritannien nun ein Drittland. 

Die IHK Offenbach am Main berät Sie bei allen Fragen rund um Ihr Großbritannien-Geschäft. 

EU und UK haben Einigung erzielt

Kurz vor Ende der Übergangsphase haben sich die Europäische Union und das Vereinigte Königreich nach langen und intensiven Verhandlungen auf ein Abkommen geeinigt. Das Abkommen wurde am 31. Dezember 2020 im Amtsblatt der EU L 444/14 veröffentlicht. Trotz Abkommen zählt das Vereinigte Königreich nun zum Drittland. Entsprechend sind Zollformaliäten erforderlich.

Durch das Abkommen können jedoch ab 1. Januar 2021 präferenzielle EU-Ursprungswaren zollfrei im Vereinigten Königreich eingeführt werden. Umgekehrt können auch präferenzielle britische Ursprungswaren zollfrei in die EU importiert werden.

Zoll

Zum 1. Januar 2021 ändern sich die zoll- und außenwirtschaftsrechtlichen Beziehungen zwischen der EU und dem VK bedeutend. Diese Änderungen treten trotz Handelsabkommen ein. 

Für Unternehmen mit direktem GB-Geschäft bedeutet der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU ein bürokratischer Mehraufwand. Unternehmen, die vorher noch keine Geschäftsbeziehungen mit Drittländern geführt haben, sehen sich nun mit EORI-Nummer, Zolltarifnummern, Zollanmeldungen, Ursprungsregeln, Präferenzkalkulationen, Präferenznachweisen und Exportkontrolle konfrontiert. 

Warenausfuhr aus der EU nach GB (ohne Nordirland)

Ab 1. Januar 2021 muss bei Ausfuhren aus der EU nach GB eine Zollanameldung Ausfuhr vorgenommen werden. Diese richtet sich in der EU nach den üblichen zollrechtlichen Vorschriften für Drittländer. Bedeutet, dass für jede Ausfuhr eine Zollanmeldung im ATLAS-System erstellt werden muss. Hierfür muss eine EORI-Nummer vorliegen. Bestehende Verfahrenserleichterungen können auch für Ausfuhren nach GB verwendet werden, sofern nicht auf bestimmte Drittländer beschränkt. Ist dies der Fall, so sollte/kann die Bewilligung angepasst werden. 

Um zwischen Nordirland und dem Vereinigten Königreich unterscheiden zu können, wurden im TARIC neben „GB“ zwei neue Ländercodierungen eingeführt:
„XI“ Vereinigtes Königreich (Nordirland)
„XU“ Vereinigtes Königreich (Vereinigtes Königreich ohne Nordirland).
In Zollanmeldungen, Zollmitteilungen und Nachweisen zum Unionsstatus bleibt der Ländercode „GB“ (Vereinigtes Königreich) erhalten. Er bezieht sich „je nach Kontext“ entweder auf das gesamte Gebiet des Vereinigten Königreichs oder auf das gesamte Gebiet des Vereinigten Königreichs ohne Nordirland. Lediglich in bestimmten Fällen wird der nordirlandspezifische Code „XI“ verwendet werden, z.B. bei der Angabe der Zollausgangsstelle, sofern diese in Nordirland liegt.
Einen detaillierten Überblick, wann „GB“ und wann „XI“ anzugeben ist, gibt der Leitfaden der EU-Kommission. Der Code „XU“ kommt in Zollanmeldungen, Zollmitteilungen und Nachweisen zum Unionsstatus dagegen nicht zum Einsatz.

Mit der elektronischen Überlassung zur Ausfuhr erhält der Anmelder das Ausfuhrbegleitdokument (ABD). Dieses enthält eine Vorgangsnummer (movement reference number/MRN) und einen Barcode (Balkenstrichcode). Das ABD, welches vom Ausfuhrzollamt (Binnenzollamt) nach Beschau der Ware freigeschaltet wird, wird vom Unternehmen ausgedruckt. Es muss, bevor die Ware aus der Europäischen Union ausgeführt wird, der Ausgangszollstelle (Grenzzollstelle) vorgelegt werden. Diese ruft die Daten vom Zentralserver ab und bestätigt elektronisch der Ausfuhrzollstelle (Binnenzollamt) den Ausgang der Waren. Die Ausfuhrzollstelle bestätigt dies wiederum elektronisch dem Unternehmen. Diese Bestätigung (Ausgangsvermerk) dient dann als Ausfuhrnachweis auch gegenüber dem Finanzamt, dass die Ware das Zollgebiet der Union verlassen hat. 

Grundlegende Informationen finden Sie bei uns im Internet unter Export.

Wareneinfuhr aus GB (ohne Nordirland) in die EU

In der Regel erfolgt die Zollabfertigung bei der Einfuhr in die EU an der ersten EU-Außengrenze (z. B. Belgien, Frankreich oder den Niederlanden). Zollrechtlich kein Problem. Jedoch bei der Einfuhrumsatzsteuer. Um die ausländische Einfuhrumsatzsteuer zu vermeiden besteht die Möglichkeit der Einschaltung eines Fiskalvertreters oder die Eröffnung des zollrechtlichen Versandverfahrens für Nicht-Unionswaren (T1)

Grundlegende Informationen finden Sie bei uns im Internet unter Import.

Ist eine britische EORI-Nummer erforderlich?

Britische Unternehmen müssen zukünftig eine britische EORI-Nummer besitzen, um Ein- und Ausfuhrverfahren anzumelden. EU-Unterrnehmen benötigen nur dann eine britische EORI-Nummer, wenn z. B. ein Konsignationslager in GB besteht oder die Lieferbedingung DDP (geliefert verzollt) mit dem britischen Kunden vereinbart wurde.

Lieferungen zwischen der EU und Nordirland 

Lieferungen zwischen der EU und Nordirland gelten weiterhin als innergemeinschaftliche Lieferung, zumindest bis 2024. In der Intrastatmeldungen mit Nordirlandbezug ist der Code XI anzugeben. Auch in Bezug auf die Exportkotrolle wird Nordirland weiterhin als EU-Gebiet behandelt.

Exportkontrolle

Nach dem Ende der Übergangsphase gilt das VK in exportkontrollrechtlicher Hinsicht als Drittland. Dadurch werden neue Genehmigungspflichten entstehen.

Prüfen Sie unbedingt Ihre Ausfuhren in das VK, ob diese von Ausfuhrbeschränkungen betroffen sind, insbesondere im Zusammenhang mit:

  • Dual-Use-Gütern,
  • bestimmten Feuerwaffen nebst entsprechender Munition und Wiederladegeräte,
  • Gütern, welche von der Anti-Folter-Verordnung erfasst werden, als auch
  • Handels- und Vermittlungsgeschäften, sowie
  • der Technischen Unterstützung.

Erstinformationen finden Sie bei uns unter Exportkontrolle.

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) informiert Sie über die Rechtslage nach Ende der Übergangsphase.

Warenursprung und Präferenzen

Nach Ablauf der Übergangsphase sind Waren des VK keine EU-Waren mehr und damit nicht mehr präferenzberechtigt. Nach Ansicht der EU gilt dies auch für VK-Waren, die sich bereits vor dem Brexit im Gebiet der EU27 befinden. Das hat Auswirkungen auf die Präferenzkalkulation. Vormaterialen aus dem VK gelten damit als Vormaterialen ohne Ursprung und Be- und Verarbeitungen im VK sind nicht (mehr) ursprungsbegründend. Bedeutet, dass auch Lagerware und verbaute Ware in der EU27 ihren präferenziellen Ursprung verliert. Gegebenenfalls müsste die Präferenzkalkulation neu durchgeführt werden.

Das Handelsabkommen sorgt nicht für Zollfreiheit für Im- und Exporte zwischen der EU und dem VK. Vielmehr ist geregelt, dass präferenzberechtigte Ursprungserzeugnisse im Sinne des Handels- und Kooperationsabkommens zollfrei sind. Kurz: Die Ursprungsregeln im Abkommen müssen eingehalten werden. Die präferenziellen Ursprungs- und Verfahrensregeln ergeben sich aus Teil Zwei, Teilbereich Eins, Titel I, Kapitel 2 des Abkommens (ab Seite 29) und werden als Artikel ORIG.1ff bezeichnet. Die Liste mit den produktspezifischen Regeln, einleitende Bemerkungen dazu sowie die Texte insbesondere der Erklärung zum Ursprung finden sich auf den Seiten 467ff mit den Bezeichnungen ANHANG ORIG-1 bis ANHANG ORIG-6.

Präferenznachweis

Als Präferenznachweis stehen zwei Möglichkeiten zur Verfügung:

  • "Erklärung zum Ursprung" (EzU, Artikel ORIG.19) des Ausführers; entweder für eine einzelne Lieferung oder für Mehrfachsendungen identischer Ursprungserzeugnisse für einen in der EzU angegebenen Gültigkeitszeitraum von maximal 12 Monaten
  • "Gewissheit des Einführers", unter den Voraussetzungen des Artikels ORIG.21, dass das Erzeugnis die Ursprungseigenschaft besitzt.

ATLAS-Codierungen

Bei der Einfuhr in die EU ist die jeweilige Grundlage des Antrags Zollpräferenzbehandlung auf mit einer eigenen Codierung in der Zollanmeldung anzugeben:

  • U116 EzU
  • U118 EzU für Mehrfachsendungen identischer Ursprungserzeugnisse
  • U117 Gewissheit des Einführers

Bitte beachten Sie, dass eine unzutreffende Anmeldung der Präferenz mittels der „Gewissheit des Einführers“ (Codierung „U 117“) i.d.R. nicht mehr nachträglich geheilt werden kann – auch nicht durch die Ausfertigung und Anmeldung einer Erklärung zum Ursprung (Codierung „U 116“ bzw. „U 118“). Oder anders formuliert: Ein nachträglicher Wechsel der Art des Präferenzursprungsnachweises von „Gewissheit des Einführers“ auf „Erklärung zum Ursprung“ ist nicht möglich. Bei Falschcodierung drohen erhebliche Nacherhebungen von Zöllen, auch wenn die Falschcodierung bei Abgabe der Zollanmeldung irrtümlich erfolgt ist. Die Codierung „Gewissheit des Einführers“ erfordert belastbare Informationen und kommt regelmäßig nur dann zum Tragen, wenn eine enge Beziehung zwischen Ausführer und Einführer besteht. Beispiele sind hier etwa verbundene Unternehmen, bei denen ein gemeinsamer (elektronischer) Zugriff auf erforderliche Daten möglich ist. Dabei handelt es sich beispielsweise um Kalkulationsunterlagen, Wareneingangsrechnungen für die bei der Herstellung eingesetzten Vormaterialien, Informationen über Wert, Gewicht, zolltarifliche Einreihung der eingesetzten Vormaterialien ohne Ursprungseigenschaft oder Einzelheiten zum Herstellungsprozess.

Wortlaut der Ursprungserklärung (REX-Erklärung)

(Period: from___________ to __________ (1)

The exporter of the products covered by this document (Exporter Reference No ... (2) declares that, except where otherwise clearly indicated, these products are of ... (3) preferential origin.

..................................................................................................................(4) (Place and date)

................................................................................................................. (Name of the exporter)

(1) Wird die Erklärung zum Ursprung für Mehrfachsendungen identischer Ursprungserzeugnisse im Sinne des Artikels ORIG.19 Absatz 4 Buchstabe b [Erklärung 552 zum Ursprung] dieses Abkommens ausgefüllt, ist die Geltungsdauer der Ursprungserklärung anzugeben. Die Geltungsdauer darf 12 Monate nicht überschreiten. Alle Einfuhren des Erzeugnisses müssen innerhalb dieses Zeitraums erfolgen. Ist die Angabe eines Zeitraums nicht erforderlich, braucht dieses Feld nicht ausgefüllt zu werden.

(2) Bitte geben Sie die Referenznummer zur Identifizierung des Ausführers an. Für Ausführer aus der Union handelt es sich dabei um die Nummer, die ihm im Einklang mit den Gesetzen und sonstigen Vorschriften der Union erteilt wurde. Für Ausführer aus dem Vereinigten Königreich handelt es sich dabei um die Nummer, die ihm im Einklang mit den im Vereinigten Königreich geltenden Gesetzen und sonstigen Vorschriften erteilt wurde. Wenn dem Ausführer keine Nummer zugeteilt wurde, kann dieses Feld frei gelassen werden.

(3) Geben Sie den Ursprung des Erzeugnisses an: das Vereinigte Königreich oder die Europäische Union.

(4) Die Angaben zu Ort und Datum dürfen entfallen, wenn sie in dem Papier selbst enthalten sind.

Referenznummer in der Ursprungserklärung

Auf Grundlage der nationalen Vorschriften der jeweiligen Vertragspartei beinhaltet der Wortlaut die Angabe einer Referenznummer, durch die der Ausführer identifiziert werden kann.

VK-Referenznummer: Für Ausführer aus dem Vereinigten Königreich handelt es sich dabei um die britische EORI-Nummer, die unabhängig von Wertgrenzen angegeben sein muss.

EU-Referenznummer: Für Ausführer aus der Europäischen Union sind möglich:

  • die EzU eines jeden Ausführers, sofern der Wert der Ursprungserzeugnisse in einer Sendung 6.000 Euro nicht überschreitet (=ohne REX-Nummer)
  • die EzU eines registrierten Ausführers (REX); die REX-Nummer ist in der EzU anzugeben, wenn die Sendung 6.000 Euro überschreitet

Umfassende Informationen zum Registrierten Ausführer (REX) erhalten Sie im Merkblatt REX.

Vorpapier Lieferantenerklärung

Gemäß Artikel ORIG.19 kann der Ausführer eine EzU auf der Grundlage von Angaben ausfertigen, die den Ursprung des Erzeugnisses belegen, einschließlich Angaben zur Ursprungseigenschaft der bei der Herstellung des Erzeugnisses verwendeten Vormaterialien. Nach diesem Artikel ist der Ausführer für die Richtigkeit der EzU und der darin enthaltenen Angaben verantwortlich. Hierbei stützt er sich regelmäßig auf Lieferantenerklärungen für Waren mit Präferenzursprungseigenschaft.

Angesichts des kurzen Zeitraums zwischen dem Zeitpunkt der Veröffentlichung des Abkommens und dem Zeitpunkt, zu dem es anwendbar wird, könnte es für manche Lieferanten schwierig sein, den Ausführern rechtzeitig alle einschlägigen Erklärungen vorzulegen, damit diese ab dem Zeitpunkt, zu dem das Abkommen anwendbar wird, Erklärungen zum Ursprung auf der Grundlage dieser Erklärungen ausfertigen können.

Deshalb sieht die Durchführungsverordnung (EU) 2020/2254 der Kommission vom 29. Dezember 2020 der Kommission über die Ausfertigung von Erklärungen zum Ursprung auf der Grundlage von Lieferantenerklärungen für präferenzbegünstigte Ausfuhren in das Vereinigte Königreich, veröffentlicht im Amtsblatt der EU L 446 vom 31. Dezember 2020, eine Ausnahmeregelung vor. Danach ist es während eines Übergangszeitraums zulässig, dass Ausführer für die Zwecke der Anwendung des Abkommens bis zum 31. Dezember 2021 Erklärungen zum Ursprung für Ausfuhren in das Vereinigte Königreich auf der Grundlage von Lieferantenerklärungen, die der Lieferant nachträglich vorlegen muss, unter der Bedingung ausfertigen, dass sich die Lieferantenerklärungen bis zum 1. Januar 2022 im Besitz des Ausführers befinden. Hat der Ausführer diese Lieferantenerklärungen bis zu diesem Zeitpunkt nicht in seinem Besitz, so muss er dem Einführer dies spätestens am 31. Januar 2022 mitteilen.

Lieferantenerklärungen

Das Handels- und Kooperationsabkommen zwischen der EU und dem VK wurde am 31. Dezember 2020 im EU-Amtsblatt L 444/14 veröffentlicht. Somit kann das Vereinigte Königreich (ISO-Ländercode GB) auf Lieferantenerklärungen als präferenzbegünstiges Drittland angegben werden. Vorausgesetzt, dass die Ursprungsregeln des Handelsabkommens eingehalten werden.

Lieferantenerklärungen aus dem VK

Am 1. Januar 2021 werden Lieferantenerklärungen aus dem Vereinigten Königreich grundsätzlich ungültig. Entsprechend müssen ausgestellte Langzeit-Lieferantenerklärungen für Waren mit Ursprung im Vereinigten Königreich mit einer Laufzeit über das Jahresende 2020 hinaus bis Ende 2020 widerrufen werden. Das gilt nach Ansicht der EU auch für VK-Waren, die sich bereits vor dem Brexit im Gebiet der EU27 befinden. 
Auch können keine Lieferantenerklärungen für Kunden im VK ausgestellt werden. 

Lieferantenerklärungen aus der EU27 gelten normal weiter. Sollte in der Erklärung oder in einem Anhang zur Erklärung neben dem präferenziellen Ursprung „Europäische Union” auch ein Hinweis auf VK oder GB enthalten sein, so besteht Kenntnis über den „VK-Ursprung”, mit der Folge, dass diese Ware ihre Präferenzeigenschaft verliert. Falls eine Lieferantenerklärung aus der EU27 nur die Ursprungsangabe Europäische Union enthält, gibt es keinen Anlass nachzuforschen, ob es sich vielleicht um VK-Ware handeln könnte. Der Lieferant wäre in der Pflicht, darüber gegebenenfalls zu informieren.

Weitere Informationen und Vorlagen zur Lieferantenerklärung

Steuern im Warenverkehr

Ab Januar 2021 liegen keine umsatzsteuerfreien innergemeinschaftlichen B2B-Lieferungen (Warenlieferungen nur zwischen Unternehmen - B2B) ziwschen EU und GB vor. Die Lieferungen können jedoch als Ausfuhrlieferungen (§ 6 UStG) mit entsprechenden Nachweispflichten umsatzsteuerfrei sein. Für Sendungen ab 1.000 € (statistischer Wert/1.000 kg) muss grundsätzlich eine elektronische Zollanmeldung abgegeben werden. In diesen Fällen gilt der Ausgangsvermerk des Zolls als Nachweis für eine steuerfreie Ausfuhrlieferung. Bei Kleinsendungen bis zu diesen Werten kann der Nachweis u. a. durch einen Frachtbrief, Spediteursbescheinigung erbracht werden. Eine Auflistung der Nachweise für Ausfuhrlieferungen enthält § 9 und § 10 UStDV.

Künftig sind auch die Regelungen zum innergemeinschaftlichen Verbringen nicht mehr anwendbar. Für B2C-Lieferungen (Warenlieferungen zwischen Unternehmen und Privaten/Nichtunternehmen - B2C) sind grundsätzlich die Regelungen für Ausfuhrlieferungen zu beachten, nicht mehr die Regelungen zur Versandhandelslieferung.

Auch der Bezug von Waren aus dem VK stellen keine innergemeinschaftlichen Erwerbe mehr dar, stattdessen unterliegen sie der Einfuhrumsatzsteuer. 

Allgemeines

Lieferbedingungen

Innerhalb der EU ist das Risiko für die Lieferbedingung "frei Haus" oder "DDP" überschaubar. Im Warenverkehr mit einem Drittland bedeutet es, dass der Lieferant auch die Kosten und das Risiko der Zollabfertigung trägt und sich ggf. im Empfängerland steuerlich registrieren muss. Die Kosten sind mit dem vereinbarten „frei Haus”-Preis abgegolten. In diesem Fall sollten Sie genau prüfen, ob Sie auch weiterhin diese Lieferbedingung vereinbaren wollen oder sich auf eine andere Klausel der Incoterms® einigen.

Sonstige Warenverkehre

Das VK ist nun ein Drittland. Entsprechend sind auch weitere Warenverkehre davon betroffen, nicht nur endgültige Ausfuhren oder Einfuhren. Zollabfertigung auf beiden Seiten des Ärmelkanals  wird es geben müssen für:

  • Reparaturen
  • Berufsausrüstung
  • Messegüter
  • Lagerbewegungen
  • ...

Sonderregelung für Nordirland

Im Austrittsabkommen wurden spezielle Regelungen für Nordirland verankert (Protokoll zu Irland und Nordirland). Damit bleibt Nordirland Teil des Zollgebiets des Vereinigten Königreichs. Gleichzeitig wird es jedoch auch so behandelt, als ob es zum Zollgebiet der EU gehören würde.

Bedeutet, dass EU-Lieferungen nach Nordirland als intra-EU Handel gesehen werden. Exporte von der EU nach Großbritannien als Drittlandsexporte.

Da Nordirland im Zollgebiet der EU verbleibt, müssen Warenverkehre mit Nordirland ab dem 01.01.2021 zur Intrahandelsstatistik gemeldet werden (keine Zollanmeldung!). Anzugeben ist „XI“. Bei innergemeinschaftlichen Lieferungen mit Ziel/Start „Nordirland“ ist von Unternehmen in der Intrastatmeldung bei „Bestimmungsmitgliedstaat“/ „Versendungsmitgliedstaat“ (Feld 8a) ausschließlich „XI“ anzugeben. Bei „Ursprungsland“ (Feld 14) ist, falls möglich, das Ursprungsland anzugeben und zwar auf Grundlage des nichtpräferenziellen Ursprungs. Dieser Ursprung lautet im Falle Nordirlands weiterhin „GB“.

Einfuhren in GB

Importeure benötigen für die Verzollung in GB eine britische EORI-Nummer (Kennung GB). Eine weitere Möglichkeit ist, sich von einem in GB ansässigen Zollagenten vertreten zu lassen. Dies ist jedoch nur dann erforderlich für EU-Unternehmen, wenn Sie sich vertraglich für die Einfuhrabfertigung in GB verpflichtet haben (Incoterm DDP, Konsignationslager,...)

Start der phyisischen Zollkontrollen bei der Einfuhr in GB um 6 bis 8 Monate verschoben (Stand: 11. März 2021)

Am 11. März 2021 hat die britische Regierung wichtige Anpassungen ihres Border Operating Models angekündigt. Die Voranmeldepflicht für Erzeugnisse tierischen Ursprungs (POAO), bestimmte tierische Nebenprodukte (ABP) und Hochrisiko-Lebensmittel nicht tierischen Ursprungs (HRFNAO) ist erst ab dem 1. Oktober 2021 erforderlich. Die Zollanmeldung für die Einfuhr ist weiterhin erforderlich. Es besteht jedoch die Möglichkeit die Einreichung der Einfuhranmeldung bis zu sechs Monate aufzuschieben. Bis dahin müssen die Einfuhren lediglich im Unternehmen erfasst werden. Diese Handhabung wurde bis zum 1. Januar 2022 verlängert. Wir haben für Sie eine Übersicht erstellt. Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite des britischen Zolls HMRC

 Datum altDatum neu
Voranmeldepflicht für Erzeugnisse tierischen Ursprungs (Products of Animal Origin (POAO), bestimmte tierische Nebenprodukte (animal by-products, ABP) und Hochrisiko-Lebensmittel nicht tierischen Ursprungs (High Risk Food Not Of Animal Origin, HRFNAO)01.04.202101.10.2021
Vorlage entsprechender Gesundheitszertifikate für Produkte und Nebenprodukte tierischen Ursprungs01.04.202101.10.2021
Physische SPS-Kontrollen für POAO, bestimmte ABP und HRFNAO an Grenzzollstellen01.04.202101.01.2022
Physische SPS-Kontrollen von Hochrisikopflanzen an Grenzkontrollstellen statt am Bestimmungsort01.04.202101.01.2022
Voranmeldungen und Dokumentenkontrollen, einschließlich Pflanzengesundheitszeugnisse, für Pflanzen und Pflanzenerzeugnisse mit geringem Risiko01.07.202101.01.2022
Physische Kontrollen an den Grenzkontrollstellen für lebende Tiere, Pflanzen und Pflanzenprodukte mit geringem Risiko01.07.202101.03.2022
Sicherheitserklärungen (ESumA) für Importe01.07.202101.01.2022
Auslaufen der Möglichkeit, Einfuhrzollanmeldungen bis zu sechs Monate nach der Einfuhr abzugeben01.07.202101.01.2022

GB hat einen eigenen Zolltarif veröffentlicht. Die Zollstruktur gleicht weitgehend dem EU -Tarif, allerdings sind einige Zollsätze auf volle Prozentzahlen abgerundet, niedrige Zölle unter zwei Prozent entfallen ganz. Aufgrund des Abkommens zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich entfallen Zölle auf Waren mit präferenziellem Ursprung EU vollständig. 

GB verwendet bei der Einfuhr mindestens bis Januar 2022 grundsätzlich dieselben zehnstelligen Warennummern wie die EU (TARIC) – so ist zumindest der Plan.

Im Border Operating Model erhalten Sie umfassende Informationen der Zollabfertigung in GB.

In GB wird die britische Einfuhrumsatzsteuer vom Finanzamt erhoben und kann direkt verrechnet werden. Bitte beachten Sie den Eigentumsübergang.

Die wichtigsten Daten zum Brexit

  • 24. Dezember 2020: Am Heiligen Abend haben sich EU und britische Regierung auf ein Handelsabkommen geeinigt.
  • Die Zollabfertigung wird 2021 in GB schrittweise eingeführt. Für die meisten Waren gelten die vollen Regularien erst zum 1. Juli 2021. Bis dahin müssen die Einfuhren lediglich im Unternehmen erfasst werden. Kontrollierte Waren (unter anderen verbrauchsteuerpflichtige Waren wie Alkohol, Tabak) müssen ab 1. Januar 2021 vollständig erfasst und verzollt werden, für lebende Tiere und Erzeugnisse daraus gilt dies zum 1. April 2021.
  • Umfassende Informationen zur Zollabfertigung in GB finden Sie im Merkblatt The Border with the European Union
  • 01. Januar 2021: Großbritannien hat einen neuen Zolltarif veröffentlicht, der nach dem Ende der Brexit-Übergangsphase weltweit gelten soll.
  • 31. Januar 2020: Großbritannien hat die Europäische Union zum 31. Januar 2020 verlassen. Die Übergangsphase in der Großbritannien im EU-Binnenmarkt und der Zollunion bleibt endet zum 31. Dezember 2020
  • Bis zum Jahr 2015 war Großbritannien ein Wachstumstreiber für die deutsche Exportwirtschaft. Seit nunmehr 4 Jahren sind die Exporte nach UK rückläufig – sie sanken um 12 %. Waren es im Jahr 2015 noch fast 90 Mrd. Euro sind es im Jahr 2019 nur noch 79 Mrd. Euro. In die EU-Staaten ohne UK ergibt sich für den Zeitraum von 2015 - 2019 ein Plus von 16 % (Quelle: DeStatis).
  • 23. Juni 2016: Im Referendum stimmen 51,9 Prozent der Wähler für einen Austritt aus der Europäischen Union. Die Wahlbeteiligung liegt bei 72,2 Prozent.

 

NEWS: IHK-Webinarreihe ab 13.4. - 100 Tage Brexit

13.04.2021 - 100 Tage Brexit: Welche Konsequenzen hat das Handels- und Kooperationsabkommen für das UK-Geschäft? Eine Bilanz nach 100 Tagen An dem Auftakt-Event am 13.4. berichtet u.a. Gregor Duwensee, Geschäftsführer Duwensee Spedition & Lagerhaus GmbH aus Heusenstamm.

Weitere Themen der Webinarreihe:

  • Marktzugang für Produkte
  • Dienstleistungen und Umsatzsteuer
  • Mitarbeiterentsendung nach UK

Mehr erfahren: https://events.frankfurt-main.ihk.de/100TageTCA


 

NEWS: 100 Tage Brexit

Europaministerin trifft Mittelstand – Online-Gedankenaustausch mit Spedition Duwensee aus Heusenstamm

31.3.2021 - Mit fünf täglichen Transporten von und nach Großbritannien verfügt die Duwensee Spedition & Lagerhaus GmbH aus Heusenstamm über Erfahrungen aus erster Hand. Online hat sich die hessische Europaministerin Lucia Puttrich mit Gregor Duwensee, Geschäftsführer Duwensee, ausgetauscht

Seine Einschätzung: „Viele Prozesse sind bürokratischer geworden. Für Logistikunternehmen mit einem großen internationalen Radius, wie wir es sind, ist es etwas leichter. Mit Drittländern außerhalb der EU kennen wir diese Prozesse und das Vereinigte Königreich gehört jetzt eben zu dieser Gruppe. [...] Für unser Unternehmen kann ich aber sagen, dass wir gut auf den Brexit vorbereitet waren“, so Gregor Duwensee. UK Transporte sind jetzt ein Geschäft für Spezialisten, ergänzt Georg Duwensee.

Erfahren Sie mehr an der hessischen IHK-Veranstaltung zum Brexit, an der auch Herr Duwensee von seinen Erfahrungen berichtet.

» Die gesamte Pressemitteilung finden Sie hier.


 

NEWS: Brexit-Helplines für Unternehmer:innen

24.12.2020 - Die Europäische Kommission hat einen zentralen Service für alle Fragen im Zusammenhang mit den künftigen Beziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich eingerichtet. Das Kontaktzentrum ist über ein kostenloses Telefon (00 800 6 7 8 9 10 11) und ein Webformular erreichbar.

Zusätzlich hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie auch eine Hotline für Unternehmerinnen und Unternehmer mit Fragen zur Brexit-Entscheidung eingerichtet.

Die Zollverwaltung bietet einen Brexit-Bot.


 

NEWS: Brexit Hinweise für Unternehmen

Brexit-News der IHK-Organisation

» Brexit-Newsletter 11 | 2020
Thema des Monats: Ob Deal oder kein Deal, Unternehmen müssen sich vorbereiten

Wenige Tage vor dem Ende der Brexit-Übergangsphase steht immer noch nicht fest, ob es zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU ein Abkommen geben wird oder nicht. 

Weitere aktuelle Infos bieten die monatlichen DIHK » "Brexit-News".


 

Are you ready for BREXIT?

» Online-Tool zur Brexit-Checkliste
Anhand von 18 Themenfeldern bietet das Online-Tool der IHK-Organisation Orientierung, wie Sie sich auf den Brexit vorbereiten können.

» BREXIT - Glossar
Die wichtigsten Begriffe rund um den Brexit kurz erklärt

Trendauswertung der IHK-Umfrage "Going International 2021"

In einer ersten Trendauswertung der Brexit-Sonderfragen in der aktuellen IHK-Umfrage „Going International 2021“ zeigen sich die negativen Folgen des Brexits auf das britische Auslandsgeschäft deutscher Unternehmen.

Demnach bewerten 60 Prozent der Unternehmen ihr Auslandsgeschäft mit dem Vereinigten Königreich als schlecht. 57 Prozent gehen von einer weiteren Verschlechterung in diesem Jahr aus. Zudem berichten 75 Prozent von Zollbürokratie und 58 Prozent von Logistikproblemen. 42 Prozent gehen von mittelfristig sinkenden Exporten in das Vereinigte Königreich aus.

Trotz des Handels- und Kooperationsabkommens mit der EU plant jedes sechste deutsche Unternehmen, das im Vereinigten Königreich investiert hat, eine Verlagerung seines Engagements auf andere Märkte oder hat dies bereits getan.

 


Sicht der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer (AHK)

Ein Seufzer der Erleichterung geht durch die deutsch-britische Business Community aufgrund des erfolgreichen Verhandlungsendes über ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich. Es bleibt aber ein Seufzer, denn der Handel mit Gütern und Dienstleistungen über den Kanal wird nach dem 1. Januar 2021 für viele so oder so schwieriger und teurer werden.

Zur » Sicht der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer 

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