Hessischer Industrie- und Handelskammertag Positionspapier Parkraum sinnvoll nutzen Auf einen Blick Empfehlungen an die hessischen Städte zur Bewirtschaftung von Parkraum Das Land Hessen hat in den vergangenen Jahren ein erfreuliches Wachstum von Wirt- schaft und Bevölkerung erlebt. Durch die zunehmende Bevölkerungsdichte und den steigenden Motorisierungsgrad in den Städten haben auch die Staus und der Parkdruck zugenommen. Gleichzeitig verfolgen die hessischen Städte das Ziel, den KFZ-Verkehr zu reduzieren und die Menschen zum Umstieg auf andere Verkehrsmittel zu bewegen. Deshalb setzen die Städte vermehrt auf eine Bewirtschaftung des vorhandenen Parkraums. Dadurch verteuert sich das Parken für Unternehmen und Besucher. Die Corona-Pandemie hat bei der Wirtschaft tiefe Spuren hinterlassen. In der Konse- quenz dürfen die Unternehmen nicht weiter belastet werden. Umso wichtiger ist es, dass Wege für eine unternehmer- und kundenfreundliche Parkraumbewirtschaftung gefunden werden. Der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK) empfiehlt kommunalen Ent- scheidungsträgern, bei der Umsetzung von neuen Maßnahmen nicht nur die finanzi- ellen Einnahmen und die Auswirkungen auf den Verkehrsfluss und Parkdruck zu be- trachten. Eine gelungene Parkraumbewirtschaftung nimmt Rücksicht auf bestehende Innenstadtstrukturen und ermöglicht den Unternehmen und Kunden, ihre Ziele in den Städten schnell und kostengünstig zu erreichen. Parkraum in hessischen Städten sinnvoll nutzen Positionspapier Parkraum sinnvoll nutzen | 2 Hessischer Industrie- und Handelskammertag 5 Faktoren für erfolgreiche Parkraumbewirtschaftung: Lokale Wirtschaft einbeziehen Lieferzonen einrichten Gewerbeparken ermöglichen Kurzzeitparken für Handel und Gastronomie ermöglichen Park+Ride-Angebote entwickeln Lokale Wirtschaft einbeziehen Lieferzonen einrichten Gewerbeparken ermöglichen Kurzzeitparken für Handel und Gastronomie ermöglichen 5 Faktoren für erfolgreiche Parkraumbewirtschaftung: Park+Ride-Angebote entwickeln P+R Lokale Wirtschaft einbeziehen Die lokale Wirtschaft, zum Beispiel der stationäre Einzelhandel, die Gastronomie, die Veranstaltungswirtschaft und die Hotellerie, trägt durch ihre Gewerbesteuerzahlungen wesentlich zur Finanzierung der Stadtkasse bei. Sie steigert zudem die Attraktivität der hessischen Städte. Die Unternehmen vor Ort kennen die Bedürfnisse ihrer Kunden und die Entwicklungs- möglichkeiten im Viertel sehr genau. Damit sie auch weiterhin erfolgreich sein können, sollten sie in die Planung und Entscheidungsfindung für neue Maßnahmen und Kon- zepte eingebunden werden. Lieferzonen einrichten Einzelhändler, Gastronomen und handwerksnahe Dienstleister müssen die Möglichkeit haben, ihre Geschäfte und Kunden zu beliefern oder zur Erbringung ihrer Dienstleistung in der Nähe zu parken. Durch den wachsenden Lieferverkehr im Paketbereich wird diese Notwendigkeit noch einmal verstärkt. Das hat auch Vorteile für deren Kunden. In belebten Geschäftsstraßen und an strategischen Lieferpunkten sollten hessische Städte deshalb Lieferzonen einrichten, damit Unternehmen nicht gezwungen werden, Be- und Entladevorgänge auf nicht dafür vorgesehenen Flächen durchzuführen. Die Stadt Wiesbaden richtet beispielsweise seit Anfang des Jahres 2021 Lieferzonen in Seitenstraßen entlang des ersten Rings und in der Saalgasse ein, die nachts zum Parken zur Verfügung stehen. In der Moritzstraße entsteht eine intelligente Lieferzone, die die Haltevorgänge erfasst und eine digitale Zugangskontrolle ermöglichen soll. Gewerbeparken ermöglichen Nicht nur das reine Be- und Entladen, sondern auch das dauerhafte Parken am Stra- ßenrand ist für Unternehmen in hessischen Städten ein wichtiges Anliegen. Besonders kleine Unternehmen sind häufig auf ihr Fahrzeug angewiesen, können in gewachsenen Innenstädten aber selten auf eigene Parkplätze zurückgreifen. Da sie keine Möglichkeit haben, einen Bewohnerparkausweis zu erhalten, entstehen ihnen hohe Gebühren. Diese können bis zu 5.000 € pro Jahr und Unternehmen betragen. Viele Bewohner verlassen tagsüber zur Geschäftszeit die Stadt, sodass sich das Parkangebot an Gewerbetreibende zeitlich gut ergänzen würde. In Städten mit hohem Parkdruck und hohen Parkgebühren sollten ansässige Unternehmen daher genauso wie Anwohner die Möglichkeit haben, vergünstigte Parkausweise zu erhalten. Diese können als Ausnahmegenehmigung nach § 46 StVO ausgegeben werden. In der Stadt Frankfurt am Main wird im Frühjahr 2021 ein solcher Gewerbeparkausweis eingeführt. Positionspapier Parkraum sinnvoll nutzen | 3 Hessischer Industrie- und Handelskammertag In Kürze Gewerbeparkausweise helfen vor allem kleinen Unternehmen in Städten mit hohem Parkdruck. In Kürze Unternehmen vor Ort kennen Bedürfnisse ihrer Kunden und Entwicklungsmöglich- keiten im Viertel sehr genau. In Kürze Lieferzonen entlasten Unternehmen, Kunden und Städte insgesamt. Kurzzeitparken für Handel und Gastronomie ermöglichen Studien1 zeigen, dass Kunden, die mit dem KFZ anreisen, deutlich mehr Geld pro Tag im Einzelhandel ausgeben als andere Besucher. Auch für Unternehmen in Innenstäd- ten, die gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind, sind Autofahrer eine wichtige Kundengruppe. Gewerbebetriebe können sich in der Regel nicht leisten, diese Kunden zu verlieren. Gleichzeitig bedarf es auch einer ausreichenden Anzahl an Abstell- möglichkeiten für Kunden, die mit dem Fahrrad in die Innenstadt gelangen. Gerade der Einzelhandel in den Mittel- und Oberzentren ist Anziehungspunkt für die Menschen aus den Umlandgemeinden. Hierfür müssen attraktive und innenstadtnahe Parkflächen zur Verfügung stehen. Die Kunden aus dem Umland müssen sich willkom- men fühlen. Einzelhandelsstandorte in der Innenstadt stehen zudem häufig mit Standorten auf der „grünen Wiese“ in Konkurrenz, die mit kostenfreien Parkplätzen werben. Um auch bei hohem Parkdruck und wenigen Parkplätzen für Kunden attraktiv zu bleiben, können günstige Kurzzeitparkplätze das Mittel der Wahl sein. Intelligente Parkleitsysteme bie- ten eine Möglichkeit, den knappen Parkraum effizienter zu nutzen und Parksuchver- kehre gezielt zu steuern. Durch die Zuordnung von Parkhäusern in Parkzonen und die Nutzung dynamischer Wegweiser können freie Stellplätze bereits auf den Haupteinfall- straßen angezeigt werden. Zudem bedarf es dringend geeigneter Konzepte für die Innenstädte, damit die wach- sende Zahl von Elektrofahrzeugen die Parkzeit zum Laden nutzen kann. Hierdurch kann ein weiterer Anreiz für den Einkauf in der Innenstadt geschaffen werden. Park+Ride-Angebote entwickeln Im Gebiet des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) ist der Großteil der Parkplätze voll aus- oder sogar überlastet2. In Frankfurt steht beispielsweise für weniger als ein Prozent der etwa 380.000 Einpendler ein P+R-Angebot im Stadtgebiet zur Verfügung. Dabei hat das Konzept Park+Ride das Potential, übermäßige KFZ-Verkehre aus den Städten herauszuhalten und Autofahrer zum Umstieg auf die öffentlichen Verkehrs- mittel zu animieren. Durch ein kombiniertes und günstiges Ticket könnten Kunden das Parken und die Fahrt in die Stadt bezahlen. Sie würden sich teure Parkgebühren in der Innenstadt sparen, so- dass die Innenstadtlagen an Attraktivität gewinnen. Zudem können Park+Ride-Anlagen so ausgerüstet werden, dass ihre Auslastung in Echtzeit auf dem Smartphone oder im Navigationsgerät angezeigt wird. Ein zusätzlicher Anreiz, den PKW-Verkehr aus der Innenstadt herauszuhalten, ist der Ausbau von haltestellennahen Fahrradabstellanlagen, um die Verknüpfung mit dem ÖPNV stärker zu fördern. Positionspapier Parkraum sinnvoll nutzen | 4 Hessischer Industrie- und Handelskammertag 2) RMV-Maßnahmenplan Park+Ride 2016 In Kürze Park+Ride hat das Potential, übermäßige KFZ-Verkehre aus den Städten herauszu- halten und Autofahrer zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu animieren. P+R 1) Große & Böhmer (2019): Radverkehr in Fußgängerzonen. Endbericht für das Forschungsprojekt „Mit dem Rad zum Einkauf in die Innenstadt - Konflikte und Potenziale bei der Öffnung von Fußgängerzonen für den Radverkehr“. In Kürze Autofahrer bleiben eine wichtige Kundengruppe. Kurzzeitparken, intelligente Parkleitsysteme und Ladepunkte für E-Autos halten Standorte in der Innenstadt attraktiv. IHK Kassel-Marburg IHK Fulda IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern IHK Gießen-Friedberg IHK Lahn-Dill IHK Limburg IHK Frankfurt a. M. IHK Offenbach a. M.IHK Wiesbaden IHK Darmstadt Rhein Main Neckar Hessischer Industrie- und Handelskammertag Über den Hessischen Industrie- und Handelskammertag Gemeinsam für Hessens Wirtschaft: Der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK) koordiniert die landespolitischen Aktivitäten der zehn hessischen IHKs. Als Sprachrohr der gewerblichen Wirtschaft in Hessen vertreten wir die Interessen von rund 400.000 Mitgliedsunternehmen gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit. Mit engen Kontakten zur Landesregierung, dem Landtag, den Medien sowie allen wichtigen Akteuren auf Landesebene wollen wir einen Beitrag leisten, damit die Standpunkte der hessischen Wirtschaft Gehör finden und auch in der öffentlichen Wahrnehmung zur Geltung kommen. Dabei ist das Gesamtinteresse der Wirtschaft der Maßstab unserer Arbeit. Herausgeber Hessischer Industrie- und Handelskammertag (HIHK) e. V. Karl-Glässing-Straße 8 65183 Wiesbaden 0611 360 115-0 info@hihk.de www.hihk.de Ansprechpartner Federführung Verkehr Dr. Alexander Theiss, Lukas Berkel Bildnachweis Franco Nadalin - stock.adobe.com Stand März 2021 Impressum Positionspapier Parkraum sinnvoll nutzen | 5
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