Naturnahe Firmengelände Erfahrungen aus der Planungspraxis Förderer: Partner: 2 Impressum Herausgeber: Heinz Sielmann Stiftung Gut Herbigshagen, 37115 Duderstadt www.sielmann-stiftung.de Autorinnen und Autoren, Redaktion: Andrea Hoffmann (Heinz Sielmann Stiftung), verantwortlich; Sven Schulz und Marion Hammerl (Bodensee-Stiftung); Stefan Hörmann, Meike Rohkemper und Sebastian Gardt (Global Nature Fund) Gestaltung: DreiDreizehn GmbH, www.313.de Druck: Brandenburgische Universitätsdruckerei und Verlagsgesellschaft Potsdam mbH, Gedruckt auf Recyclingpapier aus 100% Altpapier Erscheinungsjahr: Juli 2016 1. Auflage: 2.200 Bildnachweis: Titelseite: Stiftung für Natur und Wirtschaft Einführung: Maria Stark (S. 7-9) und Andrea Hoffmann (S. 9 r.) INAST: INAST (S. 10), Sven Schulz (S. 11), Ilsemarie Warnecke (S. 13, 15, 17), Werner Krauß (S. 14), Doris Deppe (S. 16) Voelkel: Voelkel GmbH (S. 18), Volker Kranz (S. 19, 20, 22, 23), baumrausch GbR (S. 21) Berliner Wasserbetriebe: Berliner Wasserbetriebe (S. 24, 25, 26 o., 27 u., 29 unten), p2mberlin GmbH (26 u., 27 o.), Stephan Schlütter (S. 28, 29) Kulturquartier Münster: KQ Münster (S. 30, 32 o., 35 m.), Dominic Sehak (S. 31, 34 m.u.), baumrausch GbR (S. 32 u., 33–35) Biohotel Mohren: Maria Stark (S. 37–41) ZUFALL logistics group: ZUFALL (S. 42), Meike Rohkemper (S. 43 o., 44 o., 49 o.l.), P.O.S. Kresin Design (S. 43 u., 49 m.r.), Theodoro da Silva (S. 44 u.r.), Karsten Immel (S. 45 o., 47 o.l., 48, 49 m.l.), Sven Schulz (S. 46 Einklinker oben), pixabay (S. 46 o.r., 47 o.r.), Britta Franzheim (S.49 o.r.) Rückseite: Sven Schulz (Bodensee-Stiftung) Naturnahe Firmengelände Erfahrungen aus der Planungspraxis 4 Förderhinweis: Diese Broschüre ist entstanden als Teil des Vorhabens „Naturnahe Gestaltung von Firmengeländen“ von der Heinz Sielmann Stiftung, der Bodensee-Stiftung und dem Global Nature Fund. Das Projekt wurde gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktor sicherheit über das Bundesprogramm Biologische Vielfalt. Der Bericht gibt die Auffassung und Meinung des Zuwendungs empfängers wieder und muss nicht mit der Auffassung des Zuwendungsgebers übereinstimmen. 5 Inhalt Vorwort .................................................................. 6 Einführung .............................................................7 Leuchtturmprojekte: INAST .............................................................10 Voelkel / Elbtalaue Naturkostprodukte ..........18 Berliner Wasserbetriebe ................................24 Kulturquartier Münster ................................. 30 Biohotel Mohren ...........................................36 ZUFALL logistics group .................................42 Häufige Fragen und Erfahrungen ....................... 50 Informationsquellen / Literaturtipps .....................52 Mitmachen ........................................................... 54 6 Vorwort Liebe Leserinnen! Liebe Leser! Die vorliegende Broschüre portraitiert die Planungen der Firmengelände von Unternehmen, die mit einer besonders vorbildlichen naturnahen Gestaltung die biologische Vielfalt vor Ort fördern. Jeder Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt ist wichtig! 60 Pro- zent aller Ökosysteme haben in den letzten Jahrzehnten großen Schaden genommen. Tier- und Pflanzenarten sterben etwa viel schneller aus, als dies natürlicherweise der Fall wäre. Durch den Klimawandel wird diese dramatische Entwicklung noch verstärkt. Dabei verliert nicht nur die Natur: Mensch und Wirtschaft sind in höchstem Maße auf die „Dienstleistungen“ intakter Ökosysteme angewiesen. Da ist es nur folgerichtig und eine Frage nachhaltigen Wirtschaftens, dass Betriebe einen Beitrag leisten, diese Ökosys- temleistungen langfristig zu erhalten und negative Auswirkungen auf die biologische Vielfalt zu reduzieren. Naturnahe Firmengelände sind ein guter erster Schritt. Diese im Rahmen des Projekts „Naturnahe Gestaltung von Firmen- geländen“ entstandene Broschüre stellt die Planungen von sieben „Leuchtturm-Unternehmen“ vor, die mit besonders vorbildlichen Maßnahmen ein naturnahes Firmenareal schaffen werden. Ab 2016 setzen sie auf mindestens 30 Prozent ihres Außengeländes eine naturnahe Gestaltung und Pflege um. Die geplanten Maßnahmen sind von hohem ökologischem Wert und haben Vorbildcharakter. Daher wurden die Planungen über das Bundesprogramm Biologi- sche Vielfalt gefördert. Im Gegenzug haben sich die Unternehmen zu einer Umsetzung wesentlicher Bestandteile der Planungen aus eigenen Mitteln verpflichtet. Die Broschüre gibt Einblicke in spannende Details der Planungen: Erfahren Sie, was Unternehmen aus verschiedenen Branchen, aus städtischen und ländlichen Räumen zur naturnahen Um- und Neu- Gestaltung motiviert. Lernen Sie die Konzepte und vielfältigen Ge- staltungsideen kennen, die an den Bedürfnissen der Unternehmen und regionalen Besonderheiten ausgerichtet sind. Wie unterschei- den sich die Konzepte bei Flächen zwischen 2.600 Quadratmeter und 270.000 Quadratmeter? Welche Akteure waren in die Planung eingebunden und welche Kosten sind entstanden? Wie kann man schon durch eine Umstellung der Pflege die biologische Vielfalt för- dern? Wie profitieren Mitarbeitende, die Kundschaft, Geschäftspart- nerinnen und Geschäftspartner sowie die Nachbarschaft von einer naturnahen (Um)Gestaltung? Die Broschüre fasst alle wichtigen Erfahrungen der Beteiligten zusammen. Überzeugen Sie sich selbst, dass naturnahe Gestaltung nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern zugleich auch ästhetisch hochwertig sein kann, an die betrieblichen Bedürfnisse angepasst ist und dank extensiver Pflege Betriebskosten reduzieren kann – ohne dabei Betriebsabläufe zu beeinträchtigen. Mit diesen Beispielen möchten wir zeigen, dass jedes Unternehmen Maßnahmen umsetzen und damit einen konkreten Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten kann. Lassen auch Sie sich inspirieren und demonstrieren Sie als zukunftsorientierter Betrieb mit einer „grünen Visitenkarte“, dass Sie gesellschaftliche Verant- wortung übernehmen! Die Projektpartner Michael Beier Marion Hammerl Stefan Hörmann Heinz Sielmann Stiftung Bodensee-Stiftung Global Nature Fund 7 Einführung Das Förderprojekt Die hier vorgestellten Planungen von sieben „Leuchtturm-Unternehmen“ sind das Ergebnis eines dreijährigen Förderprojekts im Bundesprogramm Biologische Vielfalt. Ein wesentliches Ziel des Projekts „Naturnahe Gestaltung von Firmengeländen“ war die modellhafte naturnahe Um- oder Neugestal- tung von Firmengeländen als Vorbild für weitere Unternehmen. Von Juni 2013 bis Mai 2016 haben die Heinz Sielmann Stiftung, die Bodensee-Stiftung und der Global Nature Fund über 50 Unternehmen aus ganz Deutschland zur naturnahen Gestaltung beraten. Grundlage war ein Vor-Ort-Besuch auf dem Firmenareal, bei dem der Ist-Zustand erfasst und ökologische Aufwertungspotentiale identifiziert wurden. In einem ausführlichen Ergebnisbericht wurden dem Unternehmen konkrete Maßnahmen- vorschläge und Tipps zur Umsetzung und Pflege an die Hand gegeben, die der Artenvielfalt nutzen und die Aufenthaltsqualität steigern. Auf dieser Grundlage konnten die Unternehmen schließlich entscheiden, ob und welche Maßnahmen sie umsetzen. Etwa die Hälfte der Unternehmen hat auf Grundlage der Beratungen beschlossen, ihr Gelände naturnäher zu gestalten. Erste Umset- zungen haben bereits begonnen. Auf Anregung des Projekts hat das Unternehmen Alfred Kärcher GmbH & Co. KG seinen Innenhof naturnah gestalten lassen. 8 Auswahl von Leuchtturm-Unternehmen Sieben Unternehmen, die sich für besonders vorbildliche Maßnahmen entschieden haben, wurden bei der konkreten Planung ihres naturnahen Außengeländes unterstützt. Im Gegenzug haben sich diese „Leuchtturm-Unternehmen“ zu einer Umsetzung der Maßnahmen aus eigenen Mitteln verpflichtet. Auswahlkriterium für die Förderung als „Leuchtturm-Unternehmen“ war, dass auf mindestens 30 Prozent des Außengeländes eine naturnahe Gestaltung und Pflege umgesetzt wird. Der Anteil von 30 Prozent bezieht sich auf die gesamte Fläche des Firmengeländes abzüglich der bebauten (nicht der versiegelten) Fläche. Da sich naturnahe Fläche auch an Fassaden und auf Dächern befinden kann, sind rein rechnerisch auch über 100 Prozent naturnahe Fläche möglich. Naturnahe Flächen sind: Flächen mit heimischer Vegetation: Wiesen, Hecken, Bäume, Grünflächen Gewässer und (wechsel-)feuchte Lebensräume Besondere Elemente wie Totholzstrukturen, Lesesteinhaufen, Trockenmauern etc. Verkehrsflächen mit versickerungsfähigem Belag ohne An- schluss an die Kanalisation Gründächer und Fassadenbegrünung Entscheidend dabei ist, dass bei einer naturnahen Gestaltung heimi- sche und standortgerechte Pflanzen verwendet werden. Außerdem erfolgt die Pflege grundsätzlich extensiv – ohne Einsatz von Dünge mitteln, Bioziden oder Herbiziden. Naturnahe Flächen kommen – außer evtl. in der ersten Phase der Anlage – ohne Bewässerung aus. Sowohl bei der Zielvorgabe „30 Prozent naturnahe Fläche“ als auch bei der Definition einer naturnahen Fläche, wurde sich an den Zertifizierungskriterien der Schweizer „Stiftung Natur und Wirtschaft“ orientiert, die über 380 Unternehmen auf Basis dieser Kriterien für ihr naturnahes Firmengelände ausgezeichnet hat. Bei der Auswahl der „Leuchtturm-Gelände“ war außerdem ein hoher gestalterischer Standard (Ästhetik, Blühaspekt, gestalterische „Vision“) und eine gute Übertragbarkeit (und damit Vorbildwirkung) für andere Unternehmensstandorte wichtig. Diese Anforderungen ermöglichen eine große Bandbreite an Maß- nahmen zur Aufwertung eines Geländes. Die in dieser Broschüre vorgestellten Gelände und Planungen streben eine hohe ökologi- sche Qualität an. Sie schöpfen das vor Ort vorhandene Potential für die biologische Vielfalt besonders konsequent aus. Blühende Esparsette, Wiesen-Salbei und Margeriten erfreuen das Auge und die Tierwelt am Arbeitsplatz. 9 Mit den geplanten Maßnahmen werden vielfältige Teillebensräume für die heimische Flora und Fauna geschaffen. Die Planung eines naturnahen Firmengeländes unterscheidet sich in vielen Details von der eines „normalen“ Firmengeländes. Am deutlichsten wird dies, wenn man sich die Pflege eines naturnahen Geländes vor Augen führt: Der Verzicht auf Dünger oder andere Hilfsmittel und die langen Pflegeintervalle erfordern das Arbeiten mit der natürlichen Dynamik und heimischen Arten, die gut an die lokalen Standort- und Klimaverhältnisse angepasst sind. Naturnahe Firmengelände weisen keine statische Gestaltung auf, sondern verändern und entwickeln sich im Laufe der Jahre. Leben ist Verän- derung! Dies muss ein naturnah arbeitender Fachbetrieb im Auge behal- ten, weshalb er sich vorab intensiv mit den Standortbedingungen, regionalen Besonderheiten und typischen Lebensräumen am Un- ternehmensstandort auseinandersetzt. Die sich daraus ergebenden Gestaltungskonzepte berücksichtigen die (naturnahe) Entwicklung der Flächen in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten. Deshalb sind naturnahe Firmengelände eigentlich niemals „fertig“. Die naturnahe Gestaltung ist dabei immer ein Kompromiss: Auch bei den hier vorgestellten Firmengeländen hatte der reibungslose Betriebsablauf absolute Priorität. Das heißt, die Funktionalität von Flächen (z. B. Befahrbarkeit durch Schwerlastverkehr) ebenso wie etwaige Sicherheitsauflagen (z. B. Wasserschutz oder Hygienevor- schriften) und die prinzipielle Verfügbarkeit von Flächen in der Zukunft (z. B. für die Erweiterung eines Standorts) wurden berück- sichtigt. Die im Folgenden in Form von Fallbeispielen dargestellten sieben Leuchtturm-Planungen wurden 2015 und 2016 von Fachkräften für naturnahe Landschaftsplanung und Gartengestaltung durchgeführt und mit Projektmitteln gefördert. Die Umsetzung liegt in der Verant- wortung der Unternehmen. Die Betriebsareale, die als „Leuchtturm- gelände“ umgestaltet werden, sind zwischen 2.500 Quadratmeter und 27 Hektar groß. Die (geplanten) Investitionen der Unternehmen in die naturnahe Gestaltung liegen zwischen 30.000 Euro und ca. 500.000 Euro. Die folgenden Fallbeispiele geben Hintergrundinformationen zu den Unternehmen, schildern die Motivationen zur naturnahen Gestaltung und berichten von den Erfahrungen aus der Planung. Sie beschreiben den Planungsprozess und präsentieren Details zu konkreten Einzelmaßnahmen. Bildmaterial vom Ausgangszustand des Firmengeländes bzw. von den bisherigen Umsetzungen sowie Pflanzlisten mit Blühkalender, Kostenbeispiele und Pflegehinweise ermöglichen tiefere Einblicke in die abgeschlossenen Planungen. Sie sollen praktische Handreichungen und konkrete Anhaltspunkte für andere Unternehmen bieten, um selbst eine naturnahe Gestal- tung auf dem eigenen Gelände anzugehen. Biodiversität oder auch biologische Vielfalt bezeichnet die Vielfalt des Lebens auf der Erde. Dazu gehören die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren und die genetische Vielfalt, z.B. bei Nutzpflanzen, sowie die Vielfalt der Lebensräume weltweit. Ein naturnahes Firmengelände muss zur Chefsache werden! Auf einem naturnahen Firmengelände findet die Bachstelze Futter und Brutmöglichkeit. 10 Die INAST Abfallbeseitigungs GmbH bietet Kommunen, Unternehmen und Privatleuten maßgeschnei- derte Entsorgungskonzepte: Von der Aktenvernichtung über Altpapier- und Kunststoffverwertung bis hin zu Kanal- und Straßenreinigung bearbeitet das Unternehmen alle Themen rund um Abfall und Entsorgung im Großraum nördliches Baden-Württemberg und angenzendes südliches Hessen. Bezugspunkte zu Biodiversität und Nachhaltigkeit Das Geschäftsfeld der INAST hat sich in den letzten 40 Jahren radikal verändert – Veränderungen, die INAST in der Region miterlebt und mitgestaltet hat: Während in den 70er Jahren der Lebenszyklus der meisten Produkte noch auf der Deponie sein Ende fand und dies gesellschaftlich akzeptiert war, stellen sich für die INAST heute völlig andere Fragen und Herausforderungen. Dahinter steckt ein gesell- schaftlicher Wandel und neuer Konsens, der das Schließen von Ressourcenkreisläufen fordert. Nachhaltigkeit und Umweltschutz haben das Unternehmen deshalb als Teil des Geschäftsfelds immer begleitet. INAST Abfallbeseitigungs GmbH Maximierung von Flächenfunktionen durch naturnahe Gestaltung „ Als Recyclingunternehmen ist die Natur unser Vorbild: Dort geht nichts verloren – 100 Prozent Recyclingquote! Die naturnahe Gestaltung unseres neuen Standorts hat uns diesem Ideal ein wenig näher gebracht. Alle Flächen haben eine oder mehrere Funktionen, die durch den integrierten Planungsansatz maximiert werden: Manche Flächen stärker für die Natur, andere Flächen stärker für unser Unternehmen und das Training der Rettungshundestaffeln. Oft konnte die naturnahe Gestaltung aber auch alle Aspekte in Einklang bringen. Hier gibt es keine ‚Abfallflä- chen’ und die ehemalige Neckartal-Kaserne wird komplett ‚recycelt’.“ Michael Hörtkorn, Prokurist Größe des Firmengeländes: ca. 270.000 Hektar Standortsteckbrief: versiegelte/überbaute Fläche (geplant): ca. 13 Hektar; Grünflächen (inkl. Wald): ca. 14 Hektar Naturnahe Flächen: über 90 Prozent der Grünflächen 11 Hintergrund Das im Südosten der großen Kreisstadt Mosbach gelegene, rund 27 Hektar große Areal des neuen Standorts der INAST Abfallbeseiti- gungs GmbH, diente zwischen 1972 und 2010 der Bundeswehr als Heeres- und Luftwaffenstandort. Bis zur Übergabe des Geländes an die INAST verwaltete zwischen 2011 und 2015 die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) das Gelände. Nach der Aufgabe des Standorts Anfang 2011 stellte sich für die Stadt Mosbach und die Nachbargemeinde Neckarzimmern, auf deren Gemarkung sich das Gelände befindet, die Frage nach der Zukunft des Areals. In einem über zwei Jahre durchgeführten Bürgerbeteiligungsprozess wurden neben der Nutzung als Gewerbe- fläche verschiedene weitere Nutzungsoptionen – von der Einrich- tung eines neuen Wohngebiets bis zur vollständigen Renaturierung des Geländes – diskutiert. Am Ende stimmte der Gemeinderat dem Nutzungskonzept der INAST Abfallbeseitigungs GmbH zu, das eine gemeinsame Nutzung des Areals durch die INAST und den Bundes- verband Rettungshunde e. V. (BRH) vorsieht. Vorgesehene Nutzung und vorhandene Einrichtungen In Zukunft wird das Gelände auf zwei Weisen genutzt: • Im südlichen Bereich des Geländes wird die INAST Umschlagplätze und Sortiereinrichtungen für verschiedene Abfallarten einrichten. • Im nördlichen Bereich wird der BRH Trainingseinrichtungen für die Ausbildung der Rettungshundestaffeln schaffen: Hunde und deren Führer werden dort für die Bergung von Erdbebenopfern und die Suche nach Vermissten ausgebildet. Mit dem Nutzungskonzept der INAST und des BRH stand damit – schon bevor die Idee der naturnahen Gestaltung ins Spiel kam – fest, dass sehr unterschiedliche Nutzungsansprüche und Flächen- funktionen in der zukünftigen Gestaltung eine Rolle spielen würden: Neben den Anforderungen eines Recyclingbetriebs an Lagerflächen, Sortiereinrichtungen und Logistik/ Verkehr sollten unterschiedlichste Übungsszenarien für den BRH geschaffen werden – und es sollte auch möglich sein, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der BRH-Ausbildungskurse mit einem vertretbaren Komfort für ganze Wochenenden auf dem Gelände untergebracht werden können. Der Unternehmensstandort – Ausgangssituation Maximierung von Flächenfunktionen durch naturnahe Gestaltung Branche: Recycling und Abfallentsorgung Mitarbeitende: rund 200 Jahresumsatz: ca. 20 Millionen Euro (2015) Unternehmensgründung: 1973 Standort: Mosbach, Baden-Württemberg Eine typische Rasenfläche – in den letzen Jahren nach Abzug der Bundeswehr wenig gepflegt. Trotz geringer Pflege hat die jahrzehntelange intensive Gestaltung Spuren hinterlassen. 12 Für die INAST stand – im Einklang mit dem Geschäftsfeld – das Thema „Recycling von Flächen und Infrastruktur“ von Beginn an im Vordergrund und machte einen großen Teil des Reizes des neuen Standorts aus. Der ehemalige Bundeswehrstandort bietet der INAST und dem BRH dabei zahlreiche Vorteile, da viele der vorhandenen Strukturen weiterhin genutzt oder mit wenig Aufwand den neuen Anforderungen gemäß modifiziert werden können: • Die ehemaligen Mannschaftsquartiere im Norden können vom BRH als Quartiere für Hunde und und deren Führer oder Führerin genutzt werden: Das Training der Ehrenamtlichen findet normaler- weise im Rahmen von mehrtägigen Kursen am Wochenende statt. Die Mannschaftsquartiere sind mit wenig Aufwand nutzbar, da die Gebäude noch kurz vor dem Abzug der Bundeswehr saniert und modernisiert wurden. Andere Mannschaftsquartiere wird die INAST für die Einrichtung der Verwaltung nutzen. • Einige der früheren Mannschaftsquartiere werden gezielt so demontiert, dass Trainingsanlagen geschaffen werden, die ver- schiedene Szenarien der Rettungshundestaffeln – wie die Suche nach Verschütteten in eingestürzten Gebäuden – nachbilden. • Wartungseinrichtungen für Fahrzeuge und Straßen, die auf Schwerlastverkehr ausgelegt sind, können von der INAST direkt weitergenutzt werden. Ebenso das Heizkraftwerk. Motivation des Unternehmens Als Recycling- und Entsorgungsunternehmen sieht sich die INAST als „Umweltdienstleister“ und der selbstgewählte Claim lautet: „Im Dienst der Umwelt“. Das Unternehmen ist regional verwurzelt und nur im Großraum Heilbronn/Odentalkreis tätig. Regionalität und aus dem eigenen Kerngeschäft resultierendes Umweltbewusstsein ergaben eine positive Grundhaltung gegenüber der naturnahen Gestaltung, als man zum ersten Mal mit der Idee in Kontakt kam. Da außerdem zu erwarten war, dass man naturnahe Elemente parallel zu anderen anfallenden Arbeiten wie der in Einzelfällen notwendigen Sanierung von Dächern oder der Verlegung von Ver- sorgungsleitungen ohne wesentliche Mehrkosten realisieren konnte, erschien der Gedanke nochmals attraktiver: viel Effekt für die Natur vor Ort für geringe Mehrkosten! Für die INAST bietet die naturnahe Gestaltung aber eine Reihe von weiteren Vorteilen, die für die Entscheidung eine Rolle spielten: • Effiziente Pflege: Der Ansatz der naturnahen Gestaltung, durch minimale Eingriffe und Pflege lediglich moderierend auf die Entwicklung von Flächen einzuwirken, versprach optimalen Flächenunterhalt mit wenig Aufwand. • Reduktion der notwendigen Ausgleichsmaßnahmen: Die natur- nahe Gestaltung auf den eigenen Firmenflächen sparte mehrere hunderttausend „Ökopunkte“ an notwendigem Ausgleich ein. • Erhöhte Funktionalität: Die naturnahe Gestaltung erlaubt eine Erhöhung der Funktionalität vieler Flächen: So wird das Retenti- onsbecken im Norden des Geländes in Zukunft auch ein hoch- wertiger Aufenthaltsbereich während Trainingspausen für die Rettungshundestaffeln. • Glaubhaftes Engagement: Wenn ein Unternehmen mit dem Wahlspruch „Im Dienst der Umwelt“ wirbt, erwartet die Gesellschaft ein glaubhaftes Engagement des Unternehmens für die Umwelt. Das gilt auch für Unternehmen wie die INAST, deren Kerngeschäft es ist, Umweltbelastungen zu reduzieren. Die naturnahe Gestal- tung des neuen Standorts bot genau diese Möglichkeit. • Image: Der Branche haftet noch immer ein „Schmuddel-Image“ an. Die naturnahe Gestaltung mit der Beteiligung am bundes- weiten Projekt „Naturnahe Gestaltung von Firmengeländen“ als Leuchtturm und die erwartete hohe ästhetische Qualität der Gestaltung sollten deshalb auch der Imagepflege dienen. Grundidee und Ablauf der Planung: Naturnah gestalten im Dienst der Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft Synergien nutzen! Die ehemalige Testanlage für Bordwaffen von Flugzeugen wird in Zukunft zur Rückhaltung von Regenwasser genutzt und gleichzeitig Übungsraum für Rettungstaucher sein. Der ca. 60 Meter lange unterirdische Schießka- nal wird hierzu geflutet. Über einen Schacht, der ebenfalls geflutet wird, können in Zukunft Taucher einsteigen und die Orientierung in dunklen Räumen üben. Ein Überlauf führt das Wasser in Zeiten übermäßiger Niederschläge ab. Die angedachte Nutzung als Fledermausquartier lässt sich leider nicht realisieren, da der Abstand zwischen Decke und Wasserspiegel zu gering ist. 13 Initiator, Beteiligte und Ablauf Im Oktober 2014 führten Bodensee-Stiftung und Global Nature Fund gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) ein Regionalforum zur nachhaltigen und naturnahen Gestaltung von Gewerbestandorten durch, auf dem der erste Kontakt zwischen den Projektpartnern und der INAST zustande kam. Seitens der INAST betreut der Prokurist Michael Hörtkorn das „Gesamtpro- jekt Kasernengelände“ und koordiniert alle Fachplanungen für den neuen Standort. Zu diesem Zeitpunkt war das Bürgerbeteiligungsverfahren zur Nach- nutzung der ehemaligen Kaserne abgeschlossen und es zeichnete sich ab, dass die INAST Abfallbeseitigungs GmbH das Gelände über- nehmen und in Zukunft gemeinsam mit dem BRH nutzen würde. Bevor die Entscheidung für eine naturnahe Gestaltung erfolgte, wurden Grundüberlegungen zur naturnahen Gestaltung angestellt, zu denen neben einem Experten der Bodensee-Stiftung und dem Projektverantwortlichen seitens INAST auch die späteren Planer der naturnahen Gestaltung ihren Beitrag leisteten. Ergebnis war ein grobes Konzept, das Eckpunkte der naturnahen Gestaltung und Umsetzung herausarbeitete und Entscheidungsgrundlage der INAST für die naturnahe Gestaltung war. Parallel zur Ausarbeitung der Grundüberlegungen zur naturnahen Gestaltung liefen die kommunalen Planungsprozesse und die Einbindung des Bundesverbands Rettungshunde e. V.. Auf einer Mit- gliederversammlung des BRH im Oktober 2015 wurde die Grundidee der naturnahen Gestaltung von der Bodensee-Stiftung vorgestellt. Hiernach entschied der BRH endgültig über die Einrichtung des neuen Trainingszentrums auf dem Gelände der INAST. Seitens der INAST wurde nach der Vergabe der Planung im Sep- tember 2015 auch der hauseigene Förster eingebunden, der die Umsetzung des ökologischen Pflegeplans betreuen wird. Für die Planung fand sich ein Team zusammen: • Dipl. Ing. Landespflege Ilsemarie Warnecke • Dipl. Garten Ing. Doris Deppe • Landschaftsgärtner Werner Krauss Die drei Expertinnen und Experten brachten unterschiedliche Per spektiven ein, die sich ergänzten und Erfahrungen aus Naturschutz, Landschaftspflege und naturnahem Gartenbau zusammenführten. Da der Bebauungsplan noch nicht aufgestellt war als die INAST sich für eine naturnahe Gestaltung entschied, waren wesentliche Weichenstellungen noch nicht erfolgt. So konnte die Idee der naturnahen Gestaltung von Beginn an in alle Aspekte des Gesamt- projekts eingebracht werden. Dadurch ist auch eine kostenoptimierte Ausführung der hochwertigen Gestaltung möglich: Beispielsweise müssen sowieso umfangreiche Erdarbeiten zur Verlegung von Versorgungsleitungen durchgeführt werden. Eine naturnahe Wiederherstellung der Flächen versursacht dann kaum – oder keine – Mehrkosten. Meilensteine der naturnahen Gestaltung vor 2011: Nutzung des Geländes als Bundeswehrstandort August 2013 bis Februar 2014: Bürgerratsverfahren mit Vorstellung des Nutzungskonzepts für das Gelände durch die INAST und den BRH Dezember 2014 bis Mai 2015: Beratung zur naturnahen Gestaltung, Entwicklung des grundsätzlichen Konzepts September 2015: Offizielle Schlüsselübergabe für das ehemalige Kasernengelände an die INAST Oktober 2015: Mitgliederversammlung des BRH mit Vorstellung der Idee der naturnahen Standortgestaltung und Entscheidung der Vereinsmitglieder zur Errichtung des neuen Trainingszentrums Januar/Februar 2016: Vorstellung und Abnahme der Entwurfsplanung Frühjahr 2016: Beginn der Umsetzung 14 8 Kantine 8 Kantine Wiese Retention I Bachlauf HolzbrückeRandbepflanzung Weg Sitzplatz Sitzplatz Sitzplatz Weg Übungsobjekt RHS Übungsobjekt RHS Übungsobjekt RHS Uferbepflanzung Weg 10 3 3 3 10 10 1 2 4 5 6 7 8 Quelle Trockenstandort 11 Sitzplatz Gartenwirtschaft auffüllen Sumpfzone 1 Belag aus Recycelten Platten gemischt mit Natursteinpflaster Weg 9 St ra ss e Pa rk pl ät ze DETAILPLAN für das untere Retentionsbecken Zeichenerklärung WALDFLÄCHEN Bekämpfung invasiver Arten MAGERWIESEN extensives Pflegekonzept FEUCHTWIESEN als Pflanzenkläranlage HECKEN Förderung heimischer Arten RETENTIONSBECKEN zum Auffangen von Dachflächenwasser GEBÄUDE Firma INAST, Mosbach/Neckar M 1:250 DETAILPLAN für das obere Retentionsbecken Zeichenerklärung WALDFLÄCHEN Bekämpfung invasiver Arten MAGERWIESEN extensives Pflegekonzept RETENTIONSBECKEN zum Auffangen von Dachflächenwasser GEBÄUDE Firma INAST, Mosbach/Neckar Uferbepflanzung Plan des naturnah gestalteten Retentions- beckens im Norden des Geländes Naturnahes Pflegekonzept: Aufwertung durch Pflege Ausgangslage 27 Hektar Fläche – das entspricht 38 Fußballfeldern – lassen sich nicht mit einem vertretbaren Aufwand von einem auf den anderen Tag ökologisch aufwerten und naturnah gestalten. Von vornherein stand deshalb für alle Beteiligten fest, dass eine Aufwertung der Flächen im Wesentlichen durch Nutzung der natürlichen Dynamik erfolgen muss, die durch gezielte Eingriffe gelenkt wird. Zielsetzung Die Aufgabe für die Planungsexperten bestand in der Ausarbeitung eines Pflegekonzepts, das folgende Bedingungen erfüllt: • Die Pflege soll extensiv, mit möglichst wenig Aufwand erfolgen. • Die Flächen sollen mittel- bis langfristig eine hohe ökologische Qualität und einen hohen Artenreichtum erreichen. • Es soll sich – im Zusammenspiel mit weiteren Gestaltungsmaß nahmen – ein stimmiges, ästhetisches Gesamtbild ergeben. • Die Pflege möchte die INAST mittelfristig vollständig in Eigenregie durchführen. Die Planung Die Naturnahe Lösung: das ökologische Pflegekonzept Das Pflegekonzept erfasst sowohl die Flächen, die aktiv umgestaltet werden, als auch die Flächen, die durch eine naturnahe Pflege mittel- oder langfristig aufgewertet werden sollen. Das Konzept besteht aus folgenden Elementen: • Ein Entwicklungsplan dient der groben Übersicht und verortet die Flächen-/Gestaltungstypen (Waldflächen, Magerwiesen, Feucht- wiesen, Kräuterrasen, Saumstrukturen, Hecken, Einzelbäume etc.), die in Zukunft entstehen sollen. Der Plan beschreibt auch, welche Flächen in Zukunft etwaigen Betriebserweiterungen weichen müs- sen. Für die zahlreichen Hecken auf dem Gelände gibt es einen eigenen Plan, über den schnell ersichtlich ist, in welchem Jahr welcher Heckenabschnitt auf Stock gesetzt werden soll. • Eine detaillierte Pflegetabelle beschreibt die in den nächsten Jahren notwendigen Pflegemaßnahmen und verortet diese auf einem Detailplan. • Flächensteckbriefe für das Pflegepersonal beschreiben Ausgangs- und Zielzustand, durchzuführende Maßnahmen und geben Hinwei- se, wie mögliche Fehlentwicklungen der Fläche zu erkennen sind. Das Pflegekonzept verbindet auf pragmatische Weise Pflegeanwei- sungen und Monitoring: Während jedes Pflegedurchgangs notiert das Pflegepersonal einfache Beobachtungen zum Zustand der Fläche: Welche Tiere und Pflanzen konnten beobachtet werden? Wie ist der Gesamteindruck der Fläche? Hat sich eine einzelne Pflanze auf der Fläche durchgesetzt? Der Zustand der Fläche soll jeweils durch ein Foto dokumentiert werden. An dieser Stelle kommt es nicht auf eine wissenschaftliche Erfassung des Zustands der Fläche an, sondern auf eine Dokumentation der Entwicklung der Fläche für eine grundsätzliche Einschätzung. Zu Beginn wird das Planungskonsortium die Umsetzung des Pflege konzepts eng begleiten, um im Bedarfsfall die Pflege anpassen zu können und einzelne Pflegeschritte genauer erklären zu können – wo dies nötig sein sollte. Wenn das Pflegekonzept einmal etabliert ist, soll die Betreuung grobmaschiger erfolgen. Das Pflegekonzept erfasst auch Flächen, die mittelfristig für Be- triebserweiterungen vorgesehen sind. Für diese Flächen führt die INAST schon jetzt die Ausgleichsmaßnahmen durch. Sie wird die Flächen aber bis zur endgültigen Nutzung weiterhin ökologisch sinnvoll pflegen und unterhalten – und damit „Naturschutz auf Zeit“ betreiben. Die ersten ein bis drei Jahre wird die Etablierung der zahlreichen Biotoptypen und des „Pflegemanagements“ einige Arbeit verursa- chen. Langfristig sichert der Pflegeplan aber einen effizienten und extrem kostengünstigen Unterhalt der Flächen aus eigener Hand auf hohem ästhetischem und ökologischem Niveau. 15 Beispiel: Aus artenarmem Grünland wird eine Magerwiese • Ausgangszustand: artenarmes Grünland • Zielzustand: artenreiche Magerwiese • Rahmenbedingungen: – artenreiche Flächen in unmittelbarer Nähe – geringe Nährstoffbelastung • Pflege: – 1. Jahr: sechs bis sieben Mahddurchgänge mit Abräumen des Mahdguts zur Verminderung des Nährstoffgehalts des Bodens (Aushagerung). – Folgejahre: ein bis zwei Mahddurchgänge mit Abräumen des Mahdguts, entweder eine Mahd zwischen August und Novem- ber oder zwei Durchgänge (im Juli, nach erster Blüte und im Oktober/November). • Sonstige Hinweise: – Verzicht auf Düngung und Einsatz von Pestiziden, Bioziden etc. – Beschleunigung der Entwicklung durch Wiesendrusch möglich, bei dem angrenzende artenreiche Flächen als „Spenderflächen“ genutzt werden. – Je nach Entwicklung der Fläche kann in den ersten Jahren noch eine Fortsetzung des intensiven Mahdschemas nötig sein. Naturnahe, multifunktionale Regenwasserbewirtschaftung Ausgangslage Die Regenwasserbewirtschaftung auf dem Gelände zerfällt in zwei Bereiche: • In das nördliche Becken, das eine Wasserfläche von rund 1.800 Quadratmeter und ein Volumen von 2.000 Kubikmeter aufweisen wird, entwässern die Dachflächen der Kantine und der ehemaligen Mannschaftsquartiere. Hier genügt die normale Filterfunktion einer belebten Bodenschicht zur Reinigung des Regenwassers. • In das südliche Rückhaltebecken werden Verkehrs- und Lagerflä- chen der INAST entwässert, für die höhere Auflagen zur Reinigung des Wassers gelten. Gemeinsam mit dem zukünftig gefluteten Schießkanal fasst das 70 Meter lange und 6 Meter breite Becken in Zukunft rund 3.000 Kubikmeter Wasser, das auch als Löschwasser im Brandfall zur Verfügung steht. Zielsetzung Mit der Idee der naturnahen Gestaltung wuchsen seitens aller Betei- ligten die Erwartungen, die man an die Retentionsbecken stellte: • Hohe Aufenthaltsqualität für die Mitglieder des BRH, die auf dem Gelände ihre Wochenenden mit Trainingskursen verbringen. • Hoher ökologischer Wert der Rückhaltebecken als Feuchtbiotope. • Verzicht auf konventionelle Reinigungsverfahren für das in die südlichen Rückhaltebecken eingeleitete Oberflächenwasser. • Schaffung weiterer Übungsszenarien für den BRH. Die naturnahe Lösung Gestaltung der Rückhaltebecken als Aufenthaltsfläche für Mensch und Tier: Zum nördlichen Rückhaltebecken, das durch eine entsprechende Profilierung mit tiefen und flachen Zonen, flachen Ufern inkl. natur- naher Uferbepflanzung und eine ausgedehnte Sumpfzone für viele Tiere überhaupt erst nutzbar wird, gehört auch eine Gestaltung der unmittelbaren Umgebung: • Ein (künstlich angelegter) Bachlauf bietet Menschen Zerstreuung, schafft Raum für die Anpflanzung gefährdeter Pflanzen und rei- chert den Teich mit Sauerstoff an. • Der naheliegende Hang wird mit Hilfe von Natursteinmauern abgefangen, die Blindschleichen, Eidechsen, Wildbienen und Hummeln Lebensraum bieten. Für die Mauern werden Natursteine und Recyclingmaterial verwendet. • Durch die Trockenmauern wird der Hang terrassiert und es entste- hen Sitzflächen, die die Rettungshundestaffeln während Trainings- pausen nutzen können. Oberhalb der Sitzflächen entstehen durch Abmagerung und extensive Pflege Trockenstandorte, die Lebens- raum für seltene Pflanzen und Tiere bieten. Leider lassen sich die meisten Punkte beim – ebenfalls neuen – Re- tentionsbecken im Süden des Geländes nicht umsetzen: Das Becken ließ sich nur an einer – für die naturnahe Gestaltung ungünstigen – Stelle des Geländes umsetzen, die insbesondere eine naturnahe Gestaltung des Ufers ausschließt. Um Amphibien trotzdem einen gefahrlosen Zugang zum Teich zu bieten, wird eine Ausstiegshilfe Augenblicklich wertvolle Fläche, die bis zur Nutzung erhalten werden soll. Außerdem stellt sie das Vorbild für die Entwicklung zukünftig artenreicher Flächen auf dem Gelände dar. 16 Der Ausgangszustand: „Klassischer“ Zufahrtsbereich, ehemals intensiv gepflegt mit augenblicklich geringem Potential an Lebensräumen. installiert. Das Besondere am Becken wird aber die vorgeschal- tete Schilfkläranlage sein, was einen Verzicht auf konventionelle Reinigungsverfahren möglich macht. Diese wird das – potentiell belastete – Oberflächenwasser, das im Becken gesammelt wird, reinigen und als Habitat für die heimische Fauna dienen. Recycling Ausgangslage Für die INAST ist – schon aufgrund des eigenen Geschäftsfelds – die Idee des Recyclings in allen Aspekten der Gründung des neuen Standorts von großer Bedeutung und stellt den zentralen Grund ansatz dar. Zielsetzung • Nutzung von Materialien, die während Umbaumaßnahmen anfal- len, wie beispielsweise Mauerbruch, Beton oder Pflastersteine • Reduktion von Ressourcen, die für die naturnahe Gestaltung eingesetzt werden • Kostenersparnis für die Entsorgung alten Materials und die Anschaffung neuen Materials Die naturnahe Lösung Die Wiederverwendung vor Ort vorhandener Materialien zieht sich durch das gesamte Projekt. Einige der Maßnahmen, die davon betroffen sind, umfassen: • Trockenmauern werden aus Betonsteinen und Abbruchmaterial erstellt, die vor Ort anfallen. • Da das Gelände in den letzten Jahren nach Abzug der Bundes- wehr kaum gepflegt wurde, wird in den nächsten Jahren sehr viel Grünschnitt anfallen. Dieser soll für die Anlage von Benjes- bzw. Totholzhecken im Norden des Geländes genutzt werden. • Die für den künstlichen Bachlauf des nördlichen Retentionsbeckens notwendige Pumpe wird über ein ausrangiertes Solarpanel mit Strom versorgt werden, das auf diese Weise – obwohl nicht mehr ausreichend effizient für die „kommerzielle Stromerzeugung“ – noch einige Jahre seinen ursprünglichen Zweck erfüllen kann. • Anfallender Bauschutt ist – sofern er unbelastet ist – besonders für magere und trockene Standorte ein optimaler Grundstoff für das Bodensubstrat und wird deshalb auch im großen Stil zur Gelände- modellierung und für die anschließende Erstellung der naturna- hen Flächen vor Ort eingesetzt werden. Beispiel: Erst ringeln, dann recyceln! Teil des Pflegekonzepts ist die Bekämpfung der Robinie, die auf dem Gelände vorkommt. Die Robinie ist eine invasive Art, die langfristig andere Arten verdrängt und damit die heimische Artenvielfalt reduziert. Auf dem Gelände der INAST wurden die vorkommenden Robinien identifiziert und werden in den nächsten Jahren bekämpft. Dies geschieht durch das sogenannte „Ringeln“. Dabei wird am unteren Ende des Stamms ein Streifen Rinde um den Baum entfernt. Nach zwei Jahren kann der Baum gefällt werden. Bei der INAST soll das Holz dann für Pergolen und Rankgerüste verwendet werden. Repräsentativer Eingangsbereich Ausgangslage Die momentane Gestaltung der Grünflächen entlang der zukünfti- gen Zufahrt besteht aus wenig attraktiven (für Mensch und Tierwelt) Zierrasenflächen und Schnitthecken. Zielsetzung Die INAST möchte Gäste, wenn sie das Gelände betreten, die Grund- idee der Gestaltung als naturnahes Gelände vermitteln. Daneben möchte die INAST sich aber auch von dem oft noch vorherrschenden Image der Branche als „schmutzig und unattraktiv“ distanzieren. Die naturnahe Lösung Die bisherige, unattraktive und monotone Gestaltung wird beseitigt. Anstatt der Zierrasenflächen entstehen Säume unterschiedlicher Höhe mit heimischen Wildstauden, eine flach zu haltende Mager- wiese und eine Blumenwiese. Der gesamte Eingangsbereich wird langfristig leicht zu pflegen sein und im Sommer spektakuläre Blühaspekte aufweisen. Da der Eingangsbereich das „Aushängeschild“ des Geländes ist, möchte die INAST hier möglichst schnell ein positives Gesamtbild erreichen. Da die Flächen außerdem nicht besonders groß sind und teilweise sowieso für die Verlegung von Leitungen aufgebag- gert werden, wird hier (stellenweise) ein Bodenaustausch von ca. 40 Zentimetern vorgenommen und umfangreiche Pflanzungen durchgeführt. 17 15 2 20 Empfang1 8044 Nr.2 8014 Nr.15 Rasen Rasen Rasen Rasen 1.1. 2.1. 3.1. 5.1. 6. 13. 7. 8. 10. 12.11. 4.1. 20. 15. 14. Gehölze Gehölze Gehölze Magerwiese mittel-hoch Magerwiese flach Sträucher bis 2 m Saum hoch Saum hoch Saum mittel Saum mittel Saum mittel-niedrig Saum/Stauden mittel Sträucher bis 2-3 m Kletterpflanze an Lampenmast Saum/Stauden mittel Saum/Stauden mittel Niederer Saum 5er Gruppen Kleingehölze Saum mittel Blumenwiese Saum hoch DETAILPLAN Zeichenerklärung GEBÄUDE EINZELBÄUME Firma INAST, Mosbach/Neckar Umgestaltung Eingangsbereich GEHÖLZGRUPPEN/ STRÄUCHER EINZELSTRÄUCHER 152. NUMMERIERUNG Grünflächen NEUPFLANZUNG Sträucher MAGERWIESE mittel-hoch MAGERWIESE flach SAUM / STAUDEN mittel SAUM hoch N 1.2. 2.2. 3.2. 4.2. 5.3. 5.2. Einfahrt Rückblick Das Projekt hat gezeigt, dass sich eine frühe Berücksichtigung der Grünflächengestaltung und naturnahen Planung auszahlt: • Eine Berücksichtigung naturnaher Gestaltung schon in den frühen Planungsstufen erlaubt eine Reduktion der Auswirkungen eines Bauvorhabens auf die Natur – wodurch sich der Ausgleichsbedarf und damit die Kosten reduzieren. • Das frühe Vorliegen der Grünflächenplanung ermöglicht eine kostenoptimierte – oder sogar kostenneutrale – Umsetzung der naturnahen Gestaltung. • Gerade bei der Planung im Bestand („Brownfield Development“) ergeben sich Möglichkeiten des weiterführenden Ressourcenschut- zes, beispielsweise durch die Verwendung von Recyclingmateria lien, die vor Ort durch Rück- oder Umbaumaßnahmen anfallen. • Konsequente naturnahe Gestaltung erlaubt eine erhöhte Funkti- onalität von Flächen sowie geplanter Strukturen. Beispielsweise indem „technische Anlagen“ wie Regenwasserrückhaltebecken, attraktiver für Mensch und Natur gestaltet werden. Ausblick Die naturnahe Gestaltung des neuen Standorts der INAST Abfallbe- seitigungs GmbH und des Bundesverbandes Rettungshunde e. V. wird nicht auf einen Schlag umgesetzt: In den nächsten Jahren und Jahrzehnten wird sich das Gelände durch die im naturnahen Pflegeplan festgelegten Maßnahmen stetig weiterentwickeln und an Wert für die Natur gewinnen. Der Pflegeplan geht dabei über eine bloße Beschreibung der umzu- setzenden Pflegemaßnahmen hinaus und ist Teil eines Flächenma- nagements, das auch ein einfaches und pragmatisches Monitoring beinhaltet. Auf diese Weise kann auf die Entwicklung der Flächen reagiert werden: So werden nicht nur ungünstige Entwicklungen auf den Flächen verhindert, die langfristig aufgewertet werden sollen. Auch die aufwändiger naturnah gestalteten Bereiche, wie der Eingangs- bereich, Pausenbereiche für Mitarbeiter, die naturnah gestalteten Retentionsbecken und die artenreich angelegten Restflächen werden im Bestand gesichert und so dauerhaft attraktiv für Mensch und Tier – bei minimalem Pflegeaufwand – bleiben. Kontakt im Unternehmen: Michael Hörtkorn Telefon: +49(0)6261/924 466 E-Mail: m.hoertkorn@inast.de Lessons learnt Plan zur Umgestaltung des Eingangsbereichs. 18 1918 Voelkel / Elbtalaue Naturkostprodukte Die Voelkel GmbH Fruchtsäfte/Gemüsesäfte ist Marktführer in Deutschland. Die Angebotspalette der Naturkostsafterei reicht von erntefrischen Direktabfüllungen von Gemüsesorten über milchsauer vergorene Gemüsesäfte und Muttersäfte bis hin zu Direktsäften und Fruchtsaftvariationen aus ausgewählten Obstsorten. Mittlerweile umfasst das Sortiment rund 170 verschiedene Produkte. Die Elbtalaue Naturkostprodukte GmbH ist ein noch junges Unternehmen, welches in erster Linie Naturkostsäfte für den Lebensmitteleinzelhandel vertreibt. Naturnahe Gestaltung als Spiegel der Region und des Geschäftsfelds Bezugspunkte Biodiversität und Nachhaltigkeitsengagement Die Firmen Voelkel und Elbtalaue Naturkostprodukte erzeugen und verkaufen Bio-Lebensmittel. Es werden ausschließlich bio-zertifizierte Früchte, Gemüse und Säfte eingekauft. Durch den Verzicht auf künstliche Pflanzenschutzmittel sowie den Bezug von Früchten von Streuobstwiesen wird Artenvielfalt erhalten oder sogar gefördert. Bei der Firma Voelkel liegt darüber hinaus das Schwergewicht auf Demeter-Produkten. Demeter-Landwirte müssen 5 bis 10 Prozent ihrer Fläche als naturbelassene Flächen erhalten. Dazu gehören auch Knicks – d. h. Wallhecken – und Randstreifen. „Verantwortung für Mensch und Natur“ – so lautet der Leitgedanke des Familien- unternehmens Voelkel. Langfristig ausgerichtetes Handeln und Wirtschaften, mit Rücksichtnahme auf Mensch und Natur, hat hier Tradition. Zu diesem Zweck wurde anlässlich des 75-jährigen Firmenjubiläums (2011) die Voelkel-Stiftung ins Leben gerufen, um die Weiterführung des Unternehmens unter diesem Leitgedanken abzusichern. 2012 folgte die Begründung der Gemeinnützigen Voelkel-Stiftung „Verantwortung für Mensch und Natur“. Eines ihrer Hauptanliegen ist, den ökologischen Landbau regional und weltweit zu fördern. Diese beiden Stiftungen sind Alleingesellschaf- ter der Voelkel GmbH. Vergleichbar ist die Gesellschafterstruktur des noch jungen Unternehmens Elbtalaue Naturkostprodukte: Die Gesellschafter sind zwei Stiftungen. Neben der Unternehmensstif- tung Elbtalaue Naturkostprodukte steht die Gemeinnützige Stiftung Elbtalaue Bioregion, die neben dem Ausbau des ökologischen Landbaus Naturschutzaufgaben unterstützt. Als Verarbeiter landwirtschaftlicher Produkte haben beide Unterneh- men eine direkte Verbindung zum Thema biologische Vielfalt. Auch Biolandwirtschaft „verbraucht“ Land und hat negative Umweltaus- wirkungen. Daher verstehen die beiden Unternehmen ihr Firmenge- lände als Teil ihres Produkts und Anspruchs, mit Rücksichtnahme auf die Natur zu wirtschaften. Ein naturnah gestalteter Industriebetrieb ist daher logische Konsequenz und unmittelbarer Bestandteil einer naturverträglichen Erzeugung von Lebensmitteln. „Die Firmengelände von Voelkel und Elbtalaue Naturkostprodukte befinden sich in einem landschaftlich und ökologisch sensiblen Gebiet. Pevestorf liegt im UNESCO Biosphärenreservat Nieder sächsische Elbtalaue. Daher wollen wir unseren Eingriff in die Umgebung mit einer naturnahen Gestaltung möglichst abmildern. Unsere Firmenflächen sollen nicht ausschließlich als Fremdkörper in der Umgebung wirken.“ Stefan Voelkel, Geschäftsführer Voelkel GmbH Fruchtsäfte /Gemüsesäfte 1919 Die Standorte der beiden Unternehmen bilden räumlich eine Einheit und liegen im Landkreis Lüchow-Danneberg im malerischen Ort Pevestorf. Nachdem die Unternehmensgründer Karl und Margret Voelkel meh- rere Jahre mit einer fahrbaren Saftpresse von Dorf zu Dorf zogen, entstand 1936 in der stillgelegten Meierei von Pevestorf eine feste Bio-Mosterei. Seitdem hat sich die Fläche des Firmengeländes von ursprünglich 2.000 Quadratmeter auf heute 130.000 Quadratmeter vervielfacht (Voelkel und Elbtalaue Naturkostprodukte zusammen) und ist mit drei Produktionshallen, drei Lagerhallen und zwei Ver- waltungsgebäuden ein moderner Industriebetrieb. Ausgangssituation Firmengelände Mit knapp 20.000 Quadratmeter macht das Gelände der Firma Voelkel einen eher kleinen Teil des Gesamtgeländes aus, auf dem sich auch die Firma Elbtalaue Naturkostprodukte befindet. Das Areal weist einen großen Anteil an versiegelter Betonfläche und Rasengitterstein sowie kleinteilig strukturierte Außenanlagen auf. Zudem ist ein Großteil des Geländes bebaut. Der Zugang zum Empfangsbereich und zu einem für Versammlung und Aufenthalt eingerichteten Holzdeck ist für Gäste momentan nur schwer erkenn- bar. Die vorhandenen Pflanzbeete und Gehölze werden gelegentlich gepflegt bzw. geschnitten, sind aber teilweise aus der Form geraten und überaltert. Der Baumbestand setzt sich vorwiegend aus Kiefern, Tannen und Fichten zusammen. Zudem bestimmen Heckenrosen das Bild. Wie generell in der Region ist der Boden auf dem Gelände eher sandig und nährstoffarm. Der Unternehmensstandort – Ausgangssituation Branche: Nahrungsmittel Mitarbeitende: 168 Voelkel, 39 Elbtalaue Naturkostprodukte Jahresumsatz: 51,9 Tausend Euro Voelkel, 23,8 Tausend Euro Elbtalaue Naturkostprodukte Unternehmensgründung: 1936 Voelkel, 2013 Elbtalaue Naturkostprodukte Standort: Höhbeck/Ortsteil Pevestorf, Niedersachsen Die bestehenden Pflanzbeete und Gehölze sind teilweise aus der Form geraten und überaltert. Diese Betonfläche wird teilentsiegelt. Die Betonbruchplatten werden zu attraktiven Trockenmauern verbaut. 20 2120 Das Gelände der Elbtalaue Naturkostprodukte GmbH ist eng mit dem Gelände von Voelkel verwoben, aber insgesamt über 100.000 Quadratmeter groß. Es gibt viel versiegelte Fläche mit Industrie-/ Produktionsbebauung und Verkehrsflächen – beispielsweise zur Lagerung von Leergut. Insgesamt hat das Gelände einen industri- ellen Charakter mit größeren Brachflächen im Süden. Diese können nur eingeschränkt und nur temporär naturnah gestaltet werden, da sie als potentielle Baulandreserven vorgehalten werden. Hier herrscht Grünbepflanzung vor. Im südwestlichen Bereich gibt es einen kleinen Waldbestand sowie ein großes, fast ringsum von Wäl- len umgebenes Retentionsbecken. Am Mitarbeiterparkplatz ist eine Streuobstwiese aus regionaltypischen Sorten angelegt, teilweise gibt es Alleepflanzungen entlang von Verkehrswegen. Invasive Arten wie die Robinie kommen vor. Ein das Firmengelände südlich und südöstlich umlaufender Wallbereich dient als Sicht- und zum Teil als Schallschutz. Grundsätzlich weisen beide Gelände aus Sicht der Naturnähe bereits gute Ausgangsvoraussetzungen auf. So stellen zahlreiche stand- ortheimische Hecken- und Gehölzpflanzungen, Brachflächen und Saumstrukturen bereits wichtige Refugien für Flora und Fauna dar. Einige dieser Elemente (z. B. Wallbepflanzung) sind als Kompensa tionsmaßnahmen in dem zuletzt 2013 überarbeiteten Bebauungs- plan festgeschrieben. Die naturnahe Umgestaltung möchte die bestehenden Elemente erweitern, aufwerten, miteinander vernetzen und ergänzen, um die biologische Vielfalt auf dem Firmengelände weiter zu erhöhen. Größe des Firmengeländes: zusammen knapp 130.000 Quadrat meter, davon knapp 20.000 Quadratmeter Voelkel; 110.000 Qua dratmeter Elbtalaue Naturkostprodukte Standortsteckbrief: insg. ca. 17,5 Prozent überbaut; 24,5 Prozent Lager- und Verkehrsfläche; ca. 58 Prozent Grünbereiche Naturnahe Flächen: ca. 48.300 Quadratmeter in Planung (33,7 Prozent des Außengeländes) Oben: Blick über das Retentionsbecken bei Elbtalaue Naturkostprodukte Unten: Wall am Mitarbeiterparkplatz Vertragen sich eine „naturnahe Gestaltung“ und die Arbeit mit Lebensmitteln bei Voelkel und der Elbtalaue Naturkostprodukte? Ja. Voelkel hat – wie gesetzlich vorgeschrieben – ein Hygienemanage- mentsystem eingerichtet, das mögliche Risiken für die Lebensmittel- sicherheit analysiert und bei Bedarf Maßnahmen zur Vermeidung von Lebensmittelverunreinigungen (vorbeugend) vorsieht. So werden Greif vogel-Stützen installiert, die den Vögeln die Jagd auf die Nager erleichtern und deren Population klein halten. Des Weiteren werden den Schädlingen möglichst keine Verstecke in Gebäudenähe geboten. Kritische Zugangs- punkte von Gebäuden werden von der Gestaltung ausgenommen. Auf diese Weise kann eine naturnahe Gestaltung ohne Beeinträchtigung der Lebensmittelsicherheit umgesetzt werden. 2121 R R R R R R R R R BSP BSPEF R KS EF 3rM R BP TB TB Asphalt LZ unbef. EF Ei ch e Ø 0 ,1 0 Kas 0,25 B i 0 ,4 5 Terrasse unbef. Bn unbef. 1 unbef. Straße 3r M R BSP Fährstraße 3r M R unbef. EF 2r B R EF Asphalt EF Asphalt B S P Schaltschrank DEA H B B S P B S P EF EF BSP EF EF EF E F E F E F BSP EF EF E FE F RaGi Ta 0,50 E F TB BPBP BP BPE F EF EF E F EF Ta 0,30 Fi 0,25 K i 0 ,2 5 B au m 0 ,1 0 Asphalt BSP TB TB B i 0 ,3 0 K i 0 ,2 0 K i 0 ,2 5 K i 0 ,3 5 K i 0 ,2 5 E ic he nb us ch RaGi Bn G ro bk ie s E F P fl 0,20 P fl 0,10 3xP fl 0,10 A h 0,05 BSP EF EF BSP EF BS 0,50 4xB i 0,25 Ki 0 ,4 5 Ta 0 ,3 0 Fahrgast- überstand BSP BSP TB EF Li 0 ,1 0 EF Li 0 ,1 5 TB BS P TB TB TB Bn G eh w eg 3rMR Busch Schotter FDM FDM M o s t e r e i V o e l k e l 1 Besucher- Parkplatz Verwaltung R ohrbrücke h = 5m Empfang &Verwaltung Unter- stand Verwaltung Voelkel Elbtalaue Voelkel Neubepflanzung der Beete WGD Platz für Imbisswagen/ Aufenthalt 3 3 3 3 3 3 2 3 1a 2 2 3 34a 3 2 4b 4c 1a 2 1b 1b 1b 1c 1b 1b 1b 1b1b 1b1b 1b SA PP SA PP PP CD AC RCRC RC CMCM CM VL VLCA CA CA CM 4d 4d 4dAC CD CD RC RC SA SA SA BP BP BP CB CB PP CB CB MS CS CS CS RCA RCA RCA 1b Legende: Bäume Bestand Bäume Neupflanzung Rosen, siehe LV Kleingehölze, siehe LV Solitärsträucher Neupflanzung Wilder Wein an Pergolen Magerwiese, zuvor geschält und gefräst Anbaukisten Gemüse 4 2 3 1 Staudenmischpflanzung, siehe Pflanzliste Magerwiese, zuvor gefräst1 Bauherr: Fa. Voelkel Maßstab: 1:200 Datum: 11.2.2016 Projekt: Naturnahe Gestaltung des Firmengeländes Bezeichnung: Bepflanzungsplan Planer: baumrausch GbR Arsterdamm 72 A 28277 Bremen Tel.: 0421 - 4682605 v.kranz@baumrausch.de www.baumrausch.de Entwurf Voelkel N Anlass für die Umgestaltung war der Wunsch, den neu eingerichteten Außenbereich der jungen Firma Elbtalaue Naturkostprodukte GmbH natur- nah und ästhetisch ansprechender umzugestalten. Nach einer Erstberatung durch die Bodensee-Stiftung, wurde die Lust im Unternehmen geweckt, die naturnahe Gestaltung auch auf das benachbarte, etwas in die Jahre gekommene Außengelände von Voelkel auszudehnen. Für die Umgestaltung wurde nach Vergleich der Bieter das Planungs büro baumrausch GmbH & Co. KG mit der Durchführung der Planung beauftragt. Das Bremer Büro überzeugte mit der Grundidee, umgeben- de Landschaftselemente und das Geschäftsfeld von Voelkel und Elbtal aue Naturkostprodukte spielerisch in die Gestaltung einzubinden. Der Planungsprozess dauerte insgesamt etwa neun Monate und verlief äußert dynamisch. Divergierende Vorstellungen zu einzelnen Gestaltungselementen und ein großer Ideenreichtum brachten häufige Modifikationen und Erweiterungen der Planung mit sich. Aufgrund ergänzender Gestaltungswünsche erhöhten beide Unter- nehmen im Planungsverlauf ihr Umsetzungsbudget von ursprüng- lich 40.000 Euro auf 72.600 Euro netto. Grundidee und Ablauf der Planung Redaktion: Herr Kranz, was war der Grundgedanke bei der Teilneugestaltung der Außenanlagen bei Elbtalaue Naturkost- produkte? Volker Kranz, baumrausch GmbH & Co. KG: Idee war, inner- halb der aktuell homogenen Flächen und Wallanlagen möglichst verschiedenartige Biotopräume zu entwickeln und diese mitein ander zu vernetzen. Dies erlaubt es vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten sich anzusiedeln. Inspiration und Orientierung für das Konzept bietet die für die Region typische Vielfalt der Umgebung mit ihren zahlreichen Flussniederungen, Geest- und Marschflächen. Zudem hat dieser Ansatz den Vorteil, dass die extensiven Flächen und Kleinbiotope einen verhältnismäßig geringen Pflegeaufwand mit sich bringen. Redaktion: Welche Leitidee bestand für die Umgestaltung des Voelkel-Geländes? Volker Kranz: Grundlegend sollten die Außenbereiche für Gäste und Angestellte einladender gestaltet werden. In erster Linie soll dies durch die Aufwertung und Neustrukturierung der bestehenden Aufenthaltsflächen mit heimischen Pflanzen und Kleingehölzen geschehen. Außerdem werden vorhandene ver- siegelte Flächen reduziert, indem sie partiell aufgebrochen und neu belebt werden. Das Planungsbüro im Interview Meilensteine der naturnahen Gestaltung Juli 2014: Vor-Ort-Termin zur Erstberatung August/September 2014: Diskussion Beratungsbericht Dezember 2014: Entscheidung zur Umsetzung April 2015: Angebotseinholung Planungsauftrag Juni 2015: Vergabe Planungsauftrag und Planungsbeginn Februar 2016: Ende der Planung Februar 2016: Ausschreibung der Umsetzung Mai 2016: Beginn der Umsetzung Planzeichnung der Pflanzplanung bei Voelkel 22 2322 Das Voelkel-Gelände Die vorhandenen Beetbereiche zwischen Besucherparkplatz und Verwaltungsgebäude werden mit heimischen Stauden bepflanzt. Zu- sätzlich werden bestehende Rasenflächen sowie Randstreifen durch naturnahe Sandmagerrasenansaaten aufgewertet. Eine großflächige Betonfläche wird teilentsiegelt. Trockenmauern aus Recyclingmaterial Um den Eingangsbereich repräsentativer wirken zu lassen und ankommenden Gästen die Orientierung zu erleichtern, wird der Übergang vom Parkplatz zum Hauptgebäude mit Trockenmauern gestaltet. Dafür werden Betonbruchplatten wieder verwendet, die bei der Teil-Entsiegelung der Betonfläche anfallen. Die Fläche hinter den Trockenmauern wird mit Boden verfüllt und natur- nah mit Stauden, Kleingehölzen, Solitärsträuchern und Bäumen bepflanzt. Verwendet werden u. a. Feldahorn, Hängebirke, Holzapfel und Vogelbeere; Sträucher: Holunder, Schneeball, Schlehe, Hasel, Weißdorn; Stauden: Glockenblumen, Zypressenwolfsmilch, Sedum, Astern-Arten und Wimpernperlgras. Eine Nische innerhalb der Tro- ckenmauer wird mit einer mit Wildem Wein bewachsenen Pergola überspannt und dient als Aufenthaltsbereich. Hochbeete als Anspielung auf das Geschäftsfeld Hochbeete, die in ihrer Form an überdimensionierte Gemüsekisten erinnern, werden aufgestellt und mit z. B. Erdbeeren, Rhabarber, Spargel und Rucola bepflanzt. Sie geben der Gestaltung einen originellen Touch und nehmen direkt Bezug auf das Geschäftsfeld von Voelkel. Pflege In den Staudenbeeten ist anfängliches regelmäßiges Krauten von Nöten bis sich die Pflanzen etabliert haben. Später ist dies nur noch in größeren zeitlichen Abständen bzw. nach Bedarf nötig. Bei den Gemüsekisten muss alle zwei Jahre die oberste Bodenschicht (20 cm) ausgetauscht werden. Der Wilde Wein an der Pergola muss jährlich so reduziert werden, dass nicht mehr als drei Triebe pro Pfahl bleiben. Ein Durchmesser von 30 Zentimeter in der Begrünung darf nicht überschritten werden, damit nicht zu viel Gewicht auf die Pergola einwirkt. Kostenbeispiele (eingeschränkt übertragbar) • Teilentsiegelung einer Betonfläche von 240 Quadratmetern/ pro Quadratmeter: 5,90 Euro • Bau von Trockenmauern aus vorhandenem Betonbruch mit 30 Qua- dratmeter Sichtfläche/pro Quadratmeter: 82 Euro (exkl. Fundament) • Bepflanzung der Trockenmauer mit Wildstauden pro Quadratmeter: von 6 bis 12 Euro Das Elbtalaue-Gelände Geländemodellierung schafft Extremstandorte Die landschaftlichen Charakterzüge der Region einzubringen, wird im Bereich am Retentionsbecken durch Geländemodellierung von Senken und Hügeln aus vorhandenem Bodenmaterial erreicht. Die dadurch entstehenden steilen Schnittkanten schaffen regio- naltypische Böschungssituationen – eine Art von sandigem und tendenziell eher magerem, dafür aber extrem artenreichem Knick. Diese, je nach Böschungsneigung, schattigen oder exponierten Kleinbiotope, stellen ökologische Nischen für selten gewordene, auf diese Bedingungen spezialisierte Tier- und Pflanzenarten dar. Für die Mitarbeitenden entsteht am weitläufigen Retentionsbecken ein Aufenthaltsbereich. Um den Sitzplatz ein wenig abzuschirmen und attraktiver zu gestalten, werden die für die Region typischen Kopfweiden eingesetzt. Wildobstpflanzung nimmt Bezug auf Geschäftsfeld Zudem werden in ausgewählten Randbereichen Sand- und Mager- rasen ausgesät und zusätzliche Obstbäume gepflanzt. Dabei wird auf Wildobst mit eher holzigen und kleinen Früchten und Nüssen zurückgegriffen, um die Ausbreitung von „Problemtieren“ wie Mäusen, Ratten und Obstfliegen nicht zu unterstützen (Holzapfel, Esskastanie, Vogelkirsche, Sanddorn, Baumhasel u. a.). Pflege Steilwände und Böschungen müssen bei Bedarf und je nach Erosionsstand nachgestochen werden. Der Sandmagerrasen wird künftig ein- bis zweimal jährlich mit Balkenmäher und Freischneider gemäht, das Mahdgut abgefahren. Für die Obstgehölze bedarf es regelmäßiger Erziehungsschnitte. Kostenbeispiele (eingeschränkt übertragbar) • Pflanzung von alten Obstgehölzsorten: zwischen 30 und 75 Euro pro Gehölz Die Planung So könnten die Hochbeete aussehen, die bei Voelkel aufgestellt werden. Dort wachsen künftig leckere Erdbeeren, Rhabarber, Spargel oder Rucola. 2323 Grauwacke Mosaik 4/6 15 cm Splitt 0/5 Betonplatte, Bestand vorh. Betonsteinpflaster, Unterbau unbekannt anstehender Boden Detailschnitt C-C': abgeböschtes Hochbeet mit Betontrockenmauer M 1:50 C C' Mineralgemisch 0/32 ca. 45 cm Trockenmauer, Betonabbruch 20 cm Schotter Mineralgemisch 0/32 ca. 45 cm Trockenmauer, Betonabbruch 20 cm Schotter Bauherr: Fa. Voelkel Maßstab: variiert Datum: 11.2.2016 Projekt: Naturnahe Gestaltung des Firmengeländes Bezeichnung: Geländeschnitte und Details Planer: baumrausch GbR Arsterdamm 72 A 28277 Bremen Tel.: 0421 - 4682605 v.kranz@baumrausch.de www.baumrausch.de Auführungsplanung Voelkel 45 cm Trockenmauer, Betonplatten 20 cm Schotter Fundament Beton C25/30 30/30/60 Grauwacke Mosaik 4/6 15 cm Splitt 0/5 Betonplatte, Bestand Mineralgemisch 0/32 Boden Pfostenschuhe Rundholz, verzinkt, Schrauben M10 Betonplatte, Bestand 90 Verspannung siehe LV Detailschnitt D-D': Pergola, Mauer und Hochbeet M 1:50 D D' 20cm Beton C25/30 Schutzvlies 300g Kautschuk 1,2mm 20 cm Mineralgemisch 0/32 Böschungsvlies Bestandsmauer Spiralschlauch Ø 63mm 30 60 60 70 Schutzvlies 300g Kautschuk 1,2mm Teichrand PE 145mm x 3mm Holzpflock 0,60m Detailschnitt B-B': Flowform und Wasserbecken M 1:50 B B' 15 cm Mineralgemisch 0/32 4 cm Deckschicht Cortenstahlkante 10,2/0,3 vorh. Betonsteinpflaster, Unterbau unbekannt Kiesstreifen, vorhanden Rasenkantenstein, vorhanden Holzdeck, vorhanden 15 cm Mineralgemisch 0/32 4 cm Deckschicht Detailschnitt A-A': vorh. Holzdeck, Wassergeb. Wegedecke M 1:50 A'A Te ic hf lä ch e PacklageBest. Mauer 50 Draufsicht Flowform M 1:50 vorh. Betonsteinpflaster, Unterbau unbekannt Betonplatte, Bestandca. 45 cm Trockenmauer, Betonabbruch 20 cm Schotter 3015 Detailschnitt E-E': Hochbeet, seitlich in Betonbruch auslaufend M 1:50 E E' Holzpalette 15 cm Blähton Filtervlies 150g 20 cm Kübelerde Gemüsekiste vorhanden Ablauf PE-Rohr DN50 PE-Folie 1mm als Wandverkleidung Detail Gemüsekiste (14 St.) Vorhandene Gemüsekisten (8 St. à BHT 115/110/115; 6 St. à 100/110/120) gem. Zeichnung anpassen und aufstellen M 1:25 Oberboden Lärche Leiste 10/2 anzu- schrauben zur seitl. Befestigung der PE-Folie Betonpflaster Läuferband Rasenkantenstein vorhanden Kiesstreifen Bestand Stufe Bestand Detail Wiedereinbau Betonpflaster als Läuferband M 1:25 Wassergebundene Wegedecke Magerwiese 20 1517 Detailschnitt F-F': Kleinsteinpflaster Grauwacke 9/11 und 7/9 als Berliner Passe mit Stufe aus Grauwacke Großstein 15/17 M 1:25 F F' Kleinstein Grauwacke 5 cm Bettung Splitt Fundament Beton C25/30 15 cm Mineralgemisch 0/32 Stufe Großstein Grauwacke 15/17 Detail Verlegemuster Kleinsteinpflaster Grauwacke 9/11 und 7/9 als Berliner Passe M 1:25 Der „richtige“ Zeitpunkt Die naturnahe Gestaltung der Liegenschaft von Voelkel und Elb- talaue Naturkostprodukte zeigt, dass eine nachträgliche Umgestal- tung auf unerwartete Probleme treffen kann: Ursprünglich war in der Planung vorgesehen, den die Liegenschaft umgebenden Wall aufzuwerten. Es sollten Abbruchkanten mit vorgelagerten Schotter- oder Sandmagerrasen geschaffen werden. Diese Idee – obwohl im Sinne eines vielfältigeren Angebots an Lebensräumen – war jedoch nicht mit dem Bebauungsplan vereinbar. Hier hätte es einer neuer- lichen Antragstellung beim Bauamt bedurft. Dies wäre mit erhebli- chem Aufwand verbunden gewesen und hätte sich lang hinziehen können, mit ungewissem Ausgang. Da bereits die Erstellung des Be- bauungsplans nicht ohne Konflikte vonstatten gegangen war, wurde davon Abstand genommen. Daher sind Unternehmen gut beraten, möglichst frühzeitig schon bei Neuanlage ihrer Außenbereiche naturnah zu gestalten. Zugleich zeigen aber die alternativ geplanten Maßnahmen, dass nachträgliche Umsetzungen – selbst bei eng gefassten Bebauungsplänen – durchaus sinnvoll möglich sind. Entscheidungsprozesse in Unternehmen In die Planung waren der Geschäftsführer der Voelkel GmbH, Stefan Voelkel, sein Sohn Jacob sowie der Geschäftsführer von Elbtalaue Naturkostprodukte, Christian Harder, eingebunden. In den Ab- stimmungsprozessen wurden zum Teil abweichende Gestaltungs- vorstellungen zwischen den Generationen deutlich. Gleichzeitig brachten die Beteiligten auch immer wieder neue Ideen in den Planungsprozess ein. Diskutiert wurden: vollständiger Ersatz von Pflanzbeeten versus teilweise Aufwertung, Vollentsiegelung versus Teilentsiegelung einzelner Bereiche, Fassadenbegrünung von Hallen, ein überdimensioniertes Storchennest im Eingangsbereich, eine Öffnung/Erweiterung des Retentionsbeckens… Herausforderung der Planung war, diese vielfältigen Vorstellungen zu vereinbaren. Zudem standen verschiedene Hallenerweiterungen in Umfang und Standort noch nicht fest. Beide Unternehmen befinden sich derzeit in einer Expandierungsphase. So mussten für die Planung strategi- sche Grundsatzentscheidungen abgewartet werden. Daher war der Planungsprozess insgesamt langwierig und sehr dynamisch. Lessons learnt und Ausblick Das Unternehmen im Interview Redaktion: Was würden Sie Unternehmen empfehlen, die eine naturnahe Gestaltung beginnen wollen? Christian Harder, Geschäftsführer Elbtalaue Naturkostprodukte: Ideal ist, wenn bei Erweiterungsvorhaben zumindest ein Teil der notwendigen Ausgleichsflächen in der Nähe des Betriebes geschaffen werden kann. So kann eine nachhaltige Unterneh- mensphilosophie augenfällig demonstriert werden. Auch bei bestehenden Gebäuden und Anlagen lassen sich immer wieder kleine Nischen finden, die naturnah gestaltet werden können. So kann der häufig abweisende Charakter moderner Industrie- bauten abgemildert werden. Kontakt im Unternehmen: Christian Harder, Geschäftsführer Elbtalaue Naturkostprodukte Telefon: +49(0)5846/980 956-0 E-Mail: info@elbtalaue-naturkostprodukte.de Bei Voelkel wurden im Eingangsbereich im Mai 2016 Trockenmauern aus Recyclingmate- rial errichtet. Nun steht die Bepflanzung an. Detailschnitt Gemüsekiste 24 Die Berliner Wasserbetriebe versorgen rund 3,5 Millionen Menschen in der Hauptstadtregion mit Trinkwasser und behandeln das Abwasser von ca. 4,1 Millionen Menschen. Dafür betreiben sie eine immense Infrastruktur mit fast 19.000 Kilometern Rohren und Kanälen, 15 Wasser- und Klärwerken sowie 164 Pumpwerken. Berliner Wasserbetriebe Naturnahe Gestaltung fördert lokale Artenvielfalt Die Oberflächenwasser-Aufbereitungsanlage (OWA) Tegel ergänzt den Reinigungsprozess des Berliner Klärwerks Schönerlinde. In der OWA Tegel werden dem Abwasser durch Flockung, Fällung, Sedimentation und Filtration die im Klärwerk noch nicht völlig abgebauten abfiltrierbaren Stoffe und Phosphorverbindungen weitestgehend entzogen. Neben dem Schönerlinder Klarwasser wird auch Havelwasser gereinigt. So wird die Anlage gänzlich ausgelastet und der Tegeler See mit jährlich rund 90 Millionen Kubikmeter sauberem Wasser durchströmt. Er ist heute das sauberste Berliner Gewässer im Spree-Havel-System. Bezugspunkte Biodiversität und Nachhaltigkeitsengagement Die Berliner Wasserbetriebe haben sich mit der Unterzeichnung der Charta Countdown 2010 zum Erhalt und zur Förderung der Bio diversität verpflichtet. Fast 270 Grundstücke werden bewirtschaftet, von denen insbesondere die neun Wasserwerke sehr große, natur belassene und geschützte Flächen einnehmen. Zusammen mit den Wasserschutzgebieten, die etwa ein Viertel der Stadt umfassen, sind sie als Lebensräume für unzählige Tier- und Pflanzenarten, als Erholungsflächen für die Bevölkerung und für ein ausgewogenes Stadtklima unverzichtbar. Viele Vogel- und Fledermausarten nutzen die Werksgelände als Brut- und Nistplatz. Bei der Pflege der Freiflächen der Berliner Wasserbetriebe nach Pflegeplan werden betriebliche Belange, Kosteneffizienz und ökologische Aspekte wie Erhalt und Förderung der Biodiversität so abgestimmt, dass sich viele wertvolle Biotope mit einem hohen Anteil seltener bzw. gefährdeter Arten (Rote-Liste-Arten) entwickelt haben. Zahlreiche Zielarten des Berliner Florenschutzes verleihen diesen Standorten naturschutzfachlich eine teils herausragende Bedeutung für die Stadt. „Eine intakte Natur und ein funktionierender Wasserkreislauf sind die Voraussetzung für eine naturnahe Wasseraufbereitung und die Trinkwasserversorgung der Stadt. Hierzu tragen wir auch mit einer biodiversitäts- freundlichen Gestaltung und Pflege unserer Liegenschaften bei.“ Petra Kalettka, Naturschutz- und Tierschutzbeauftragte der Berliner Wasserbetriebe Diese Rasenfläche wird zu einer artenreichen Salbeiweise umgewandelt und soll an ein wogendes, blaues Meer erinnern. 25 Die Liegenschaft der OWA Tegel liegt am Stadtrand Berlins am Rande eines Wohngebiets. An der nördlichen Grundstücksgrenze verläuft der Nordgraben, der in das Tegeler Fließ bzw. den Tegeler See mündet. Jenseits des Nordgrabens schließt sich eine öffentliche Grünfläche an, die ebenfalls noch Eigentum der Berliner Wasserbetriebe ist, jedoch vom Grünflächenamt des Bezirks unterhalten und gepflegt wird. Beide Flächen zusammengenommen bilden zwischen zwei großen Verkehrsachsen einen grünen Trittstein hin zum westlich angrenzenden Tegeler Forst. Ausgangssituation Firmengelände Das Werksgelände umfasst 27.000 Quadratmeter, wovon etwa die Hälfte überbaut ist oder als Verkehrs- und Lagerfläche dient. Die Architektur des Betriebsgebäudes erinnert an ein Schiff. Es wurde im Zuge eines Architektenwettbewerbes, der Mitte der 80er Jahre anlässlich der Internationalen Bauausstellung stattfand, nach dem Vorbild eines Panzerschiffs aus den dreißiger Jahren konzipiert. Neben dem Betriebsgebäude gibt es drei Wasseraufbereitungs- becken (Flockermodule). Die seitlichen Böschungen der Module werden für den Austausch des Filtermaterials ca. alle 15 Jahre abgeräumt. Das Bodenmaterial wird auf einer angrenzenden Bau stelleneinrichtungsfläche zwischengelagert. Im Zuge der Gebäudeerstellung wurde das Gelände in den 80er Jahren großflächig mit sandigem Bodenmaterial aufgefüllt. Die Be- standsvegetation zeigt insgesamt mäßig nährstoffarme und mäßig trockene Verhältnisse an. Vor allem auf der Geländewestseite wach- sen Neophyten wie Robinie, Eschen-Ahorn und Riesen-Goldrute. Die Grünbereiche der Liegenschaft werden von eher „klassischen“ Elementen wie großen Rasenflächen, kleineren Randstreifen und Hecken geprägt. Gleichzeitig ist die ökologische Qualität des Areals bereits recht gut: Die Pflege wird vergleichsweise extensiv ge- handhabt. Düngung oder Pestizideinsatz erfolgen – angesichts der Sicherung als Wasserschutzgebiet – nicht. Eine große Restfläche (Baustelleneinrichtungsfläche) ist ungenutzt und wird der natürli- chen Dynamik überlassen. Auf dem „Schiffsheck“ ist ein Gründach angelegt. Nisthilfen am Betriebsgebäude sind von Mehlschwalben besiedelt. Der Unternehmensstandort – Ausgangssituation Branche: Wasserwirtschaft Mitarbeitende: insgesamt 4.430, 17 in der OWA Tegel Jahresumsatz: 1.049,8 Millionen Euro (2015) Unternehmensgründung: 1852, OWA Tegel 1985 Standort: Berlin In der OWA Tegel werden dem Abwasser die im Klärwerk noch nicht völlig abgebauten abfiltrierbaren Stoffe und Phosphorverbindungen weitestgehend entzogen. 26 Insgesamt bestehen auf dem Gelände noch Aufwertungspotenziale in Richtung trocken-warmer Lebensräume. Mit der naturnahen Umgestaltung der OWA Tegel soll das vorhandene Artenspektrum gezielt um gebietsheimische und zum Teil seltene Arten erweitert werden. Dadurch wird das Futterpflanzenangebot besonders für Insekten und Vögel deutlich erhöht. Die Umgestaltung ist auf einen geringen Pflegebedarf ausgelegt. Auch Mitarbeitende und die Nachbarschaft sollen von der Aufwertung und dem neuen Blüten- reichtum profitieren, zumal das Gelände von außen gut einsehbar ist. Da auf der Liegenschaft auch häufiger Mitarbeitende von ande- ren Standorten tätig sind, kann die OWA auch Anregungen für die Gestaltung der Außengelände anderer Betriebsstätten der Berliner Wasserbetriebe geben. Anlass für die Umgestaltung war der Wunsch der Berliner Wasser- betriebe, den Außenbereich der OWA Tegel ökologisch aufzuwerten und damit einen weiteren Beitrag zum Erhalt und zur Förderung der biologischen Vielfalt zu leisten. Bei einer Erstberatung durch die Heinz Sielmann Stiftung wurden mögliche Areale für eine Aufwer- tung identifiziert und konkrete Maßnahmenvorschläge unterbreitet. Auf Grundlage dieser Beratung haben sich die Berliner Wasser- betriebe schließlich zu einer Umgestaltung entschlossen. Mit der Durchführung der Planung wurde nach Vergleich der Bieter das Planungsbüro p2m Berlin GmbH beauftragt. Das Umsetzungsbudget beläuft sich auf 77.000 Euro netto (inkl. ein Jahr Fertigstellungspflege). Die Umsetzung erfolgt im Jahr 2017, wobei im Januar/Februar zunächst Gehölzrodungen stattfinden und im August/September die Erd-/Saat- und Pflanzarbeiten ausgeführt werden. Grundidee und Ablauf der Planung Redaktion: Herr Schlütter, was war der Grundgedanke bei der Teilneugestaltung der Außenanlagen? Stephan Schlütter, p2m Berlin GmbH: Leitbild für die naturna- he Umgestaltung sind maritime Elemente, die in Vegetationsbil- der übersetzt werden. So soll das „Schiff“ des Betriebsgebäudes künftig in einem „Meer“ aus wogenden Gräsern und blauen Blumen sowie einer Gischt aus weißen Blüten schwimmen. Redaktion: Gibt es besondere planerische Herausforderungen am Standort? Stephan Schlütter: Bei der Gestaltung werden überwiegend gebietsheimische Arten eingebracht. Diese Arten sind nicht im Gartencenter „von der Stange“ erhältlich, sondern werden spe- ziell für dieses Projekt im ostdeutschen Tiefland, teilweise auch auf Berliner Gemarkung, gesammelt. Dies muss für einige Arten bereits ein Jahr vor der Pflanzung erfolgen, damit genug Zeit für die Anzucht der Stauden bleibt. Daher kann die Umsetzung erst in 2017 starten. Das Planungsbüro im Interview Größe des Firmengeländes: ca. 27.000 Quadratmeter Standortsteckbrief: 11 Prozent überbaut, 41 Prozent Lager- und Verkehrsflächen, 48 Prozent Grünbereiche Naturnahe Flächen: ca. 8.500 Quadratmeter in Planung Meilensteine der naturnahen Gestaltung Januar 2014: Erstkontakt Mai 2014: Vor-Ort-Termin zur Erstberatung September 2014: Diskussion Beratungsbericht Juni 2015: Entscheidung zur Umsetzung September 2015: Angebotseinholung Planungsauftrag Dezember 2015: Vergabe Planungsauftrag und Planungsbeginn Mai 2016: Ende der Planung Ab Mai 2016: Ausschreibung der Umsetzung Januar/Herbst 2017: Beginn der Umsetzung Im Parkbereich, am Eingang der OWA Tegel, wird ein sonniger Saum als extensiv gepflegte, mähbare Staudenfläche angelegt. 27 Das Gründach auf dem Schiffsheck wird mit blau blühenden Steppenrasenarten wie Flacher und Ähriger Ehrenpreis, Genfer Günsel und Wiesen-Salbei bepflanzt. VVVVVVVVVVVVVVVVVV VVVVVVVVVVVVVVV V V V V V V V V V V V V V V V V V V V VV V V V V V V V V V V V V V V V V V V V V V V V V V V V V V V V V V V V V V V VVV ! ! ! ! !!! ! ! ! ! ! ! ! ! Steg Steg Exponat Hainbuchen-Hecke Betriebsgebäude / Schiff Mischturm Stellplätze St el lp lä tz e Flocker Modul III Flocker Modul I Flocker Modul II Telefon- häuschen Pumpenhaus TrafoAuslaufbauwerk südl. Kaskade Buddestraße Tor 1 Nr.33 Tor 2 Nr.35 Schloßstraße Nr.21 Nr.20 Schattsaum Oregano-Insel blauerSteppenhang wogendes Meer/ Salbeiwiese Strand-Grasnelken- Rasen Krokus- Rasen Süd-Böschung Mehlschwalben Carport Stellplätze M ul de Mulde 2 Hasel 1 Holunder 4 Filz-Rosen 6 W ei n- R os en Es si gr os e 'S pl en de ns ' Es si gr os e 'S pl en de ns ' Unterflurhydrant Betriebswasser Oberflurhydrant Betriebswasser Unterflurhydrant Betriebswasser Unterflurhydrant Betriebswasser WasserhahnStadtwasser Notausstieg Strom-kasten W inkelstützen leichte Mulde Böschung 1:1,5 Sch otte rra se n Linden Linden Esche Linden Eschen EschenLinde Linde Linde Linde Koniferen Linden 10.40 2.60 2.60 2.60 R1.00 R1.00 R1.0 0 R1.0 0 23.90 10.20 7.70 17.10 2. 00 15.70 11 .0 0 1.60 1.70 W iesen-Freifläche (wird gefräst) 1.703 m² W iese unter Bäumen (wird vertikutiert) 575 m² W ie se n- Fr ei flä ch e (w ird g ef rä st ) 1. 70 3 m ² W ie se u nt er B äu m en (w ird v er tik ut ie rt) 80 2 m ² 2.00 2.00 Wiesenfläche mit zusätzlicher Staudenpflanzung (Wiesensalbei) 100 m² 1. 00 1. 00 1.00 1.00 4.00 5. 00 5.00 5.00 5.00 5.00 5.00 109 m² Südseite 34 m² Nordseite 42 m² 2.024 m² 809 m² 31 m² 505 m² 3.00 41 m² 2.501.00 1.00 Flucht M auer R1.00 Quelle des hinterlegten Luftbildes: Geoportal Berlin/Farbiges Orthofoto 2015 0 5 10 15 20 25 Meter̄ Die Planung Das gestalterische Leitmotiv der Pflanzplanung sind maritime Elemente. Schiffsheck als Blauer Steppenhang Das Gründach auf dem Schiffsheck wird mit blau blühenden Step- penrasenarten wie Flacher und Ähriger Ehrenpreis, Genfer Günsel und Wiesen-Salbei bepflanzt. Dazwischen werden blaulaubige und bizarre Steppengräser wie das Blaugrüne Schillergras und das Büschel-Federgras wogen. Zielarten des Berliner Florenschutzes finden hier einen neuen Wuchsort. Zur Vorbereitung der Fläche werden die Wiesennarbe und Bodenmaterial abgetragen und Sand als Vegetationstragschicht eingebracht. Wie bei dem Original- Panzerschiff wird ein Fahnenmast auf dem Heck errichtet, der als ganzjährig sichtbarer Eyecatcher eine Fahne mit dem Logo „Natur- nahe Firmengelände“ tragen soll. Rasenumwandlung zur Salbeiwiese Die nördlich an das Betriebsgebäude anschließende Rasenfläche wird zu einer artenreichen Wiese umgewandelt. Bestandsprägend wird dabei der Flaumhafer mit seinen silbern glänzenden Blüten sein. Als Aspektbildner werden blau blühende Kräuter wie Wiesen- Salbei, Vogel-Wicke und Glockenblumen angesät. So wird durch die Pflanzenauswahl die Wiese als wogendes, blaues Meer inszeniert. Die Gräser erreichen eine Höhe von etwa 80 Zentimeter. Vorbild sind magere Glatthaferwiesen, wie sie andernorts in Berlin zu finden sind, z. B. im Botanischen Garten oder auf dem Tempelhofer Feld. Zur Bodenvorbereitung wird die Rasennarbe 10 Zentimeter tief aufgefräst bzw. unter den Bäumen vertikutiert. Artenanreicherung auf den Flockermodulen Durch Ansaat von Wilder Möhre, Sichelmöhre, Natternkopf und Graukresse wird die bestehende Vegetation des südlichen Flocker moduls angereichert. Die Bepflanzung erinnert mit ihrem blau- weißen Blühspektrum an die Gischt der Meeresbrandung. Die ebene Rasenfläche auf den Flockermodulen wird mit Wildsamen und Blumenzwiebeln wie dem Elfen-Krokus und der Sand-Gras- nelke aufgewertet. Die nördlichen Modulböschungen sind von der Umgestaltung ausgenommen, da sie durch einen anstehenden Filtermaterialaustausch von Baumaßnahmen betroffen sein werden. Südlich der Flockermodule, quasi im Wellental, wird mit Arten wie Wald-Zwenke, Busch-Windröschen, Hain-Veilchen, Wurm-Farn und Winterling ein für Insekten attraktiver Schattsaum entwickelt. Wildnisentwicklungsbereich mit Düne Auf der in weiten Teilen vegetationslosen Baustelleneinrichtungs- fläche im Westen des Areals wird in einem Teilbereich eine etwa einen Meter hohe Düne angelegt. Als Vorbild dienen die nicht weit entfernten Baumberge, eine Binnendünenlandschaft im Tegeler Forst. Durch Ansaat wird ein Sandtrockenrasen u. a. mit Steppen- Lieschgras, Büschel-Federgras, Sand-Grasnelke, Karthäuser-Nelke und Sand-Strohblume etabliert. Auch hier werden Zielarten des Berliner Florenschutzes eingebracht. Als „Maste“ in der Düne einge- grabene und mit Bohrungen versehene Robinienstämme und die offenen Sandflächen dienen Wildbienen als Brutplatz. Vorhandene Steinhaufen aus früheren Bauphasen stellen wertvolle Kleinstruk turen für die Tierwelt dar. Auszug Ausführungsplan Ost, © p2m Berlin GmbH 28 Naturnahe Umgestaltung OWA Tegel: Blütezeitkalender 8) Oregano-Insel 41 m² Stand 04.04.2016 Pflanzenname deutsch II III IV V VI VII VIII IX X XI B la tta us da ue r ge se tz l. ge sc hü tz t W ild bi en en Fa lte r ( R au pe ) Fa lte r ( N ek ta r) Bemerkungen ke in H er ku nf ts na ch w . BESTAND GRÄSER Festuca brevipila Raublatt-Schwingel T blaulaubig, bereits vorhanden, keine Pflanzung/Nachsaat STAUDEN Sedum acre Scharfer Mauerpfeffer W x bereits vorhanden, keine Pflanzung/Nachsaat Linaria vulgaris Leinkraut T x x bereits vorhanden, keine Pflanzung/Nachsaat NEUPFLANZUNG/ANSAAT STAUDEN Echium vulgare Natternkopf W x x x graulaubig, kurzlebig, versamend, Blüten von von rot nach blau changierend Origanum vulgare Oregano, Dost T x x x heimisch in Herkunftsregion 4/22, Bodendecker/Ausläufer, Faltermagnet GEHÖLZE Rosa gallica 'Splendens' Essig-Rose 'Splendens' S x ungefüllte, große Blüte, starker Duft x andere Kräuter aus dem Bestand wie Berteroa incana, Trifolium campestre, Plantago lanceolata werden toleriert Angaben zu Bestäubern und Raupenfutterpflanzen ohne Anspruch auf Vollständigkeit Blattausdauer: V vorsommergrün S sommergrün I immergrün W wintergrün T teilwintergrün Durch eine Auslichtung der randlichen Gehölzstrukturen, ins besondere von Neophythen, wird der Uferbereich des Nordgrabens mit dem Trockenbereich der Düne verzahnt. So kann zum Beispiel die Heidelibelle zwischen Wasserlebensraum und Sonnungsplatz wechseln. Kleinflächige Störungen der Düne bei Nutzung der Bau- stelleneinrichtungsfläche gefährden nicht den Erhalt der Florenschutzarten. Oregano-Insel im Parkraum Im Parkbereich, am Eingang der OWA Tegel, wird ein sonniger Saum als extensiv gepflegte, mähbare Staudenfläche angelegt. Mit Oregano als robustem Dauerblüher und Faltermagnet wird diese blühende Insel einen farbenfrohen Akzent inmitten der ausgedehnten Pflasterfläche setzen. Pflege Die Pflege der Düne und der „Wildnis“ besteht vor allem in der Ent- nahme aufkommender Gehölze zur Gewährleistung der Besonnung und bei Bedarf in gezielten Störungen zur Anregung neuer Suk- zession. Die Mahd der Wiesen und Staudenflächen erfolgt extensiv ein- bis zweimal im Jahr. Kostenbeispiele netto, ohne Fertigstellungspflege (eingeschränkt übertragbar) • Anlage Schattsaum auf 31 Quadratmeter (Abtrag Oberboden, Stauden, Saatgut, Pflanzarbeit, Ansaat): 2.650 Euro • Anlage Oregano-Insel auf 41 Quadratmeter (Stauden, Saatgut, Pflanzarbeit, Ansaat): 1.200 Euro • Umwandlung Rasen in Salbeiwiese auf 3.000 Quadratmeter (Boden lockern/vertikutieren, Stauden, Saatgut, Pflanzarbeit, Ansaat): 13.900 Euro • 3 Wildbienenmasten liefern und einbauen: 1.850 Euro Wie die Berliner Wasserbetriebe Verantwortung für die weltweite Erhaltung von Arten übernehmen Deutschland hat sich mit der Unterzeichnung der Biodiversitätskonvention zum Schutz der Pflanzenwelt verpflichtet und dazu, den anhaltenden Rückgang der Pflanzendiversität zu stoppen. Für die Erhaltung be- stimmter Farn- und Blütenpflanzen besitzt Deutschland eine weltweite Verantwortung, da diese Arten nur in der Bundesrepublik vorkommen. Für das Land Berlin sind 45 Zielarten des Florenschutzes mit sehr hoher Schutzpriorität und 100 Zielarten mit hoher Schutzpriorität identifiziert, für die Berlin eine besondere Verantwortung trägt. Auf dem Gelände der OWA Tegel werden in Abstimmung mit der Koor- dinierungsstelle Florenschutz gezielt Arten des Berliner Florenschutzes eingebracht. Die Samen werden hierfür eigens auf Berliner Gemarkung gesammelt, vermehrt und im Herbst 2017 auf der OWA Tegel ausge- sät bzw. gepflanzt. Die Koordinierungsstelle Florenschutz betreut die Saatgutfirma bei der Besammlung und stellt in Zusammenarbeit mit dem Botanischen Garten Berlin auch Einzelarten für die Pflanzung zur Ver- fügung. So wird das „Schiff“ der OWA Tegel zur „Arche“ für besonders bedrohte Arten. Auf der Düne wachsen in Zukunft u. a. Strand-Grasnelke, Ähren-Blauweiderich und Duft-Skabiose (von links). Ausschnitt Blütezeitkalender „Oregano-Insel“ 29 Fachgerechte Pflege erhält die biologische Vielfalt Das langfristige „Funktionieren“ von naturnah gestalteten Flächen hängt maßgeblich von der Betreuung und Pflege ab – gut anlegen alleine reicht nicht! Für ein Gelingen der Ansaaten und Pflanzungen ist eine fachgerechte Begleitung zwingend notwendig. Die so genannte Fertigstellungspflege stellt den Anwuchserfolg der Pflanzungen sicher. Sie dauert eine Vegetationsperiode. Die hieran anschließende Entwicklungspflege dient der Erzielung des funk tionsfähigen Zustands einer Pflanzung. Auf der OWA Tegel ist sie auf einen Zeitraum von drei Jahren ausgelegt. Die Fertigstellungs- und Entwicklungspflege umfasst eine zwei- schürige Mahd der Wiesen, eine einschürige Mahd der Flocker- böschungen, vier Pflegedurchgänge bei allen Pflanzflächen und Einzelsträuchern, das Wässern der Pflanzungen und Ansaaten (nur in der Etablierungsphase), die Aufnahme von Falllaub und das Frei- schneiden des Zaunes. Die Kosten für die Fertigstellungspflege des Gesamtareals sind auf ca. 10.500 Euro netto veranschlagt. Die OWA Tegel wird die mit der Umgestaltung beauftragte Fachfirma mit der Fertigstellungs- und Entwicklungspflege betrauen. Die Gewährleistung verbleibt bis zum Ende der Entwicklungspflege bei der Ausführungsfirma. An die Entwicklungspflege schließt sich die Unterhaltungspflege an. Sie dient der langfristigen, angepassten und fachgerechten Erhaltung des funktionsfähigen Zustands der Pflanzungen. Sie kann in großen Teilen in Eigenleistung durch die Belegschaft der OWA Tegel durchgeführt werden. Unabdingbar sind hierfür jedoch eine Schulung des Personals sowie ein Pflegeplan, der die Mahdzeit- punkte, die Häufigkeit und Durchführung der Pflegeleistungen auf den verschiedenen Bereichen beschreibt. So bietet eine zeitlich gestaffelte Mahd verschiedener Bereiche Tieren Fluchtmöglichkeiten. Altgrasflächen sollten den Winter über stehen gelassen werden, da die Stängel Winterquartiere für allerlei Insekten bereithalten und Futter suchende Vögel gerne die Samen- stände aufsuchen. Auf diese spezifischen Pflegeerfordernisse kann das betriebseigene Personal bedarfsgerecht eingehen. Lessons learnt und Ausblick Das Unternehmen im Interview Redaktion: Wie gehen Sie mit dem Spagat zwischen betrieblichen Erfordernissen und der natur- nahen Gestaltung um? Maik Muß, Betriebsstellenleiter OWA Tegel: Selbstverständlich haben die betrieblichen Belange der OWA Tegel grundsätzlich oberste Priorität. Daher steht außer Frage, dass auch in Zukunft bauliche Eingriffe möglich sein müssen, ohne in Konflikt mit dem Biotop- und Artenschutz zu geraten. Hierfür werden wir eine vertragliche Vereinbarung mit der Senatsverwaltung für Stadt entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz bzw. der Unteren Naturschutzbehörde Reinickendorf treffen. Darin wird festgehalten, dass einer Wiederaufnahme der betrieb- lichen Nutzung keine unüberwindbaren naturschutzrechtlichen Hindernisse entgegenstehen. Grundsätzlich haben wir aber natürlich die Planung darauf abgestimmt, dass Bereiche, die defi- nitiv von einer Nutzung betroffen sind, von vornherein von einer Umgestaltung ausgenommen bzw. nicht aufwändig umgestaltet werden. So wird etwa auf der Baustelleneinrichtungsfläche nur ein Teilbereich aufgewertet, damit auf der übrigen Fläche auch weiter hin Material zwischengelagert und Baugeräte abgestellt werden können. Im Übrigen bringt eine dann extensive Pflege der Flächen auch eine Kostenersparnis. Kontakt im Unternehmen: Petra Kalettka, Naturschutz- und Tierschutzbeauftragte Telefon: +49(0)30/8644-8226 E-Mail: petra.kalettka@bwb.de Sand-Strohblume, Oregano und die Schopfige Traubenhyazinthe gehören bald zur biologischen Vielfalt der OWA Tegel (von links nach rechts). 30 Die Kulturquartier Münster GmbH ist ein Unternehmen der Kreativwirtschaft. Es steht für die Verbindung von Musik, Ökologie und Entwicklung. Es stellt Räume zur Verfügung, die sich vielfältig nutzen und bespielen lassen. Je nach Interessen und Bedarf für Proben und Unterricht, für Workshops und Wochenendseminare, für Auftritte und unterschiedliche Veranstaltungen. Kulturquartier Münster Naturnahe Gestaltung vereint Kunst und Ökologie Im Kulturquartier arbeiten selbstständige Musizierende, Dozierende sowie Tänzerinnen und Tänzer. Sie unterrichten und betreuen ihre eigenen Schülerinnen und Schüler, sie trainieren und proben, üben und machen Musik. Seit 2013 treibt ein kleines Team aus Kulturschaffenden die Idee voran, einen neuen Begegnungsraum entstehen zu lassen, der die Menschen nachhaltig mit Kultur und Ökologie verbindet. Hierfür hat die Initiative 2015 ein unbebautes Grundstück nordöstlich von Münster erworben. Dort sollen in den kommenden Jahren die Räumlichkeiten des Kulturquartiers errichtet werden. Der geplante Neubau sieht ein naturnahes, multifunktionales Außengelände vor. Bezugspunkte Biodiversität und Nachhaltigkeitsengagement Ein zentraler Wert der Initiative ist Nachhaltigkeit. Dazu zählt insbe- sondere, verantwortlich mit Ressourcen umzugehen. Das Konzept für den Betrieb und die Ausgestaltung des neuen Gebäudes und Geländes trägt diesem Anspruch Rechnung. Bei dem anstehenden Rohbau sollen daher möglichst viele Materi alien ressourcenschonend eingesetzt werden, die sonst vielleicht brach liegen oder gar verrotten würden. Dank solarthermischer Hei- zung, Regenwasserspeicherung und eigener Stromversorgung soll das Kulturquartier in der Endausbauphase energieautark werden. „Wir halten es für unabdingbar, dass Kultur und Ökologie sich ergänzen. Die Arbeit des Kultur- quartiers will zugleich bildend und zukunftswei- send, ökologisch und nachhaltig sein. Wir wollen die wichtigen ökologischen Themen mit allen Sinnen erlebbar machen und so zum Umdenken und Andershandeln einladen.“ Von links nach rechts oben: Rainer Kossow, Simon Dye, Beatrix Pluta, Henrik Lau, Thomas Grollmus Unten: Thomas Schauder, Audrey Lehrke, Frank Oldengott Größe des Firmengeländes: 2.630 Quadratmeter Standortsteckbrief: Baulandreserve im Randbereich eines Gewerbegebiets; zu ca. zwei Dritteln 70 Zentimeter unter Straßenniveau Naturnahe Flächen: ca. 1.148 Quadratmeter in Planung 31 Das 2.630 Quadratmeter große Grundstück der Kulturquartier Müns- ter GmbH befindet sich an der Rudolf-Diesel-Straße 41 in einem Gewerbegebiet am nordöstlichen Rand der Stadt Münster. Dort soll in den kommenden Jahren der Bau des Kulturquartiers entstehen. Der erste Gebäudeabschnitt mit 220 Quadratmeter wird im Jahr 2016 realisiert. Das umgebende Gelände wird nach ökologischen Prinzi- pien und der ca. 1.350 Quadratmeter große Garten nach permakul- turellen Grundsätzen gestaltet. Bis Ende 2020 soll das Kulturquartier Münster fertig gestellt sein. Es bietet dann auf einer Nutzfläche von 910 Quadratmeter einen großen Konzert- und Veranstaltungssaal, ausgestattet mit Veranstaltungstechnik, einen Bewegungsraum für Tanz und Meditation, neun Multifunktions-Räume, ein Refektorium mit angegliedertem Café und eine Werkstatt mit Repair-Café. Ausgangssituation Firmengelände Besonderes Merkmal des Areals ist die Geländehöhe, die kurz nach dem westlich gelegenen Geländezugang nach Osten um 70 Zenti meter unter Straßenniveau abfällt und damit deutlich niedriger liegt als die angeschütteten Nachbargrundstücke. Da das Gelände derzeit unbebaut ist, hat sich typischer Grünbe- wuchs angesiedelt. Bäume und Sträucher bedecken ca. die Hälfte der Fläche (z. B. Weiden). Durch Geländehöhen und Höhenversatz zu den Nachbarn sowie extrem lehmigen und undurchlässigen Boden kommt es nach Regengüssen in Teilbereichen zu einem temporären Wassereinstau. Seit Herbst 2015 wird das Grundstück des Kulturquartiers Münster mit einem mobilen Pavillon und einer Bühne bereits zwischen- genutzt. Im August 2015 fanden die erste Quartier-Bühne und ein Sommerfest statt, das mit musikalischen Beiträgen und einer offenen Bühne zahlreiche Gäste anlockte. Drei weitere Quartier- Bühnen folgten. Der Unternehmensstandort – Ausgangssituation Branche: Räume für Kultur, Ökologie und Entwicklung Mitarbeitende: 8 Jahresumsatz: 2015: 7.500 Euro; 2016 (Baujahr): ähnlich wie 2015; 2017: 60.000 Euro (geplant) Unternehmensgründung: 2015 Standort: Münster, Nordrhein-Westfalen Vielfältige Lebensräume für Tiere, erholsame Plätze für Menschen In Münster wird aufs Rad gesetzt. 32 Die Außenanlagen des Kulturquartiers sind Teil des Gesamtkonzepts: in Münster ein Experimentierfeld für neue Lebens- und Arbeitsformen zu schaffen. Multi funktionale Flächen sollen auf dem Außengelände Begegnungen ermöglichen: bei der täglichen Arbeit sowie bei Veranstaltungen, Konzerten, Seminaren und Ausstellungen. Der Gebäudeneubau wird aufgrund begrenzter Mittel und zurzeit noch andauernder Genehmigungsprozesse über die nächsten Jahre in mehreren Teilabschnitten erfolgen. Der Umfang des Gebäudes und die neue Gebäudehöhe sind noch nicht endgültig entschie- den. Daher bedurfte es für das Außengelände einer Planung mit hoher Flexibilität. Die von dem Bremer Planungsbüro baumrausch GmbH & Co. KG entwi- ckelte Planung sieht daher Zwischennutzungen vor, welche die späteren Gebäude in ihren Grundrissen bereits erkennen lassen. Im Januar 2016 fanden bereits erste Gehölzrodungen und die gemeinschaftliche Anlage einer Benjes- hecke mit zahlreichen ehrenamtlich Engagierten statt. Die Benjeshecke dient als Schutz und Auftakt für die Wildtierbesiedelung. Die nächste Etappe der Gestaltung des Außengeländes steht voraussichtlich im Herbst/Frühjahr 2016/2017 an. Dabei setzt das Kulturquartier auf Eigeninitiative. Der Großteil der Erd-/Saat- und Pflanzarbeiten soll in Gemeinschaftsarbeit ausgeführt und mit Material spenden unterstützt werden. Die Kosten für die Umsetzung sind mit 35.000 € netto kalkuliert. Grundidee und Ablauf der Planung Das Planungsbüro im Interview Redaktion: Herr Kranz, was ist die Leitidee der Gestaltung der Außen- anlagen? Volker Kranz, baumrausch GmbH & Co. KG: Das Planungskonzept, mit dem wir arbeiten, beruht auf den Prinzipien der Permakultur – einer ökologischen Planungsstrategie, die auf der Beobachtung und Analyse komplexer (Öko-)Systeme beruht. Permakulturell gestaltete Lebensräu- me werden als Systeme aufgefasst, die sich beständig entwickeln und verändern können und deren einzel- ne Elemente immer sinnvoll mitein- ander in Beziehung stehen. Hierbei wird auf einen möglichst geringen Energie-Input und eine große Flexi- bilität Wert gelegt. Gerade dynami- sche Projekte wie das Kulturquartier unterliegen häufig einem Wandel, auf den eine Planung reagieren können muss. So wie sich auch eine Pflanzengemeinschaft in der Natur immer wieder verändert, sollte es auch immer das Ziel einer Planung sein, kein konkretes Ziel zu definie- ren, welches als solches erhalten bleiben soll. Eine prozessorientierte Planung legt viel mehr Wert auf die Möglichkeit zur Weiterentwicklung. Redaktion: Was bedeutet das konkret für die Planung und Umsetzung? Volker Kranz: Das bedeutet konkret, dass wir uns in der Anfangsphase genau anschauen, welche Ressour- cen das Gelände bietet. Im Fall des Kulturquartiers sind dies z. B. die Ge- hölze, die gerodet werden müssen. Diese werden nicht abgefahren, son- dern verbleiben als Benjeshecke im Gelände. Durch die aufgestapelten Äste werden Tiere angelockt, die hier Schutz finden, das Gelände beleben und Wildpflanzensamen mitbringen, welche im Schutz der Benjeshecke heranwachsen können. So entsteht eine Hecke ohne weiteres Zutun. Ein anderes Beispiel ist die Nutzung der Baulandreserve für das erst in den nächsten Jahren zu erstellende Gebäude im Norden des Geländes. Hier haben wir als Übergangslösung eine Baumschule geplant, in der die Gehölze für den nächsten Bauab schnitt herangezogen werden. Gleich- zeitig markieren kleine Gewächshäu- ser, ein Experimentalhaus und ein (vorübergehender) Gemüsegarten die Fläche des zukünftigen Gebäudes. Wir nennen dies: Stapeln in Zeit und Raum. Bei allen Baumaßnahmen werden die Elemente so angelegt, dass ein für die Situation sinnvolles Mikro- klima entsteht. So bekommt eine Trockenmauer nicht nur die Funktion der Geländeterrassierung, sondern erwärmt auch die vorgelagerten Beete und ist Bestandteil der Erdkeller, wo das geerntete Gemüse eingelagert wird. Meilensteine der naturnahen Gestaltung Januar 2014: Erstkontakt und Konzeptentwicklung Juni 2015: Entscheidung zur Umsetzung August 2015: Angebotseinholung Planungsauftrag November 2015: Vergabe Planungsauftrag und Planungsbeginn Mai 2016: Ende der Planung Ab Mai 2016: Ausschreibung der Umsetzung Ab Juli 2016: Beginn der Umsetzung Grüngehölze im östlichen Geländeteil, jetzt Benjeshecke 33 S T5 S T6 S T7 S T8 ST 9 ST1 0 ± 0,00 Fahrra dstän der Müll / Entsorg ung?? - 0,40 - 0,70 - 0,70 Rasen Trockenmauer Zaun naturnahe Beet-/ Grünfläche Schotter Geräteschuppen spätere "B aumschule" Anbaufläche Anbaufläche PERIODISCH spätere "Baumschule" ± 0,0 B e n je s h e c k e Baumschule Anschauungsgarten ± 0,0 -0,10 ± 0,0 N Unterrichtsraum Werkstatt Unterrichtsraum Unterrichtsraum Refektorium Küche WC Beh.- WC Unterrichtsraum ST 1 ST 2 ST 3 ST 4 Sukzessionsbereich Gehölze Bestand Sitzplatz/ Wege, gemäht -0,10 Pergola Aufenthaltsbereich mit Sitzfelsen Rasen Wildwiese/ Sukzession -0,20 +0,30 ± 0,00 -0,40 -0,40 R a s e n s o fa Feuerstelle -0,40 -0,30 -0,10 -0,10 Abflussrichtung Regenwasser Bauwagen Zelt ± 0,0 Bühne Schotterrasen - 0,70 + 0,30 2 ,5 % essbare Wildpflanzen Sukzessionsbereich (z.B. Birke, Holunder) S u kz e ss io n sb e re ic h Gewächshaus BirkeBirke SalweideBirke Birke Eiche Kirsche Salweide 0,5% Ansaat Hochstaudenflur Wildstaudenpflanzung Meditations- platz später Bereich für selbst gezogenes Wildobst -0,40 -0,28 - 0,40 - 0,35 Baumplattform Großflächige Dachbegrünung Salweide - 2,15 Boden Retentionsbecken Röhren (unterirdisch) als Erdkeller Robinienstehlen mit Drahtseilverspannung; Bewuchs aus z.B. Clematis oder Kiwi Robinienstehlen mit Drahtseilverspannung; Bewuchs aus z.B. Clematis oder Kiwi Hecke (Sitz-) Felsen Gehölze Neupflanzung Rindenmulch Pflasterbelag an den Eingängen Robinienstelen mit Bewuchs Kastanienpfähle Legende mobiles Experimentalhaus Wildwiese/ Sukzession Bauherr: Kultur- quartier Münster Maßstab: 1:200 Datum: 17.5.2016 Projekt: Außenanlagen Kulturquartier Bezeichnung: Entwurf Entwurf Kulturquartier Planer: baumrausch GmbH & Co.KG Arsterdamm 72 A 28277 Bremen Tel.: 0421 - 4682605 v.kranz@baumrausch.de www.baumrausch.de Detail: Schnitt Rasensofa S T5 S T6 S T7 S T8 ST 9 ST1 0 ± 0,00 Fahrra dstän der Müll / Entsorg ung?? - 0,40 - 0,70 - 0,70 Rasen Trockenmauer Zaun naturnahe Beet-/ Grünfläche Schotter Geräteschuppen spätere "B aumschule" Anbaufläche Anbaufläche PERIODISCH spätere "Baumschule" ± 0,0 B e n je s h e c k e Baumschule Anschauungsgarten ± 0,0 -0,10 ± 0,0 N Unterrichtsraum Werkstatt Unterrichtsraum Unterrichtsraum Refektorium Küche WC Beh.- WC Unterrichtsraum ST 1 ST 2 ST 3 ST 4 Sukzessionsbereich Gehölze Bestand Sitzplatz/ Wege, gemäht -0,10 Pergola Aufenthaltsbereich mit Sitzfelsen Rasen Wildwiese/ Sukzession -0,20 +0,30 ± 0,00 -0,40 -0,40 R a s e n s o fa Feuerstelle -0,40 -0,30 -0,10 -0,10 Abflussrichtung Regenwasser Bauwagen Zelt ± 0,0 Bühne Schotterrasen - 0,70 + 0,30 2 ,5 % essbare Wildpflanzen Sukzessionsbereich (z.B. Birke, Holunder) S u kz e ss io n sb e re ic h Gewächshaus BirkeBirke SalweideBirke Birke Eiche Kirsche Salweide 0,5% Ansaat Hochstaudenflur Wildstaudenpflanzung Meditations- platz später Bereich für selbst gezogenes Wildobst -0,40 -0,28 - 0,40 - 0,35 Baumplattform Großflächige Dachbegrünung Salweide - 2,15 Boden Retentionsbecken Röhren (unterirdisch) als Erdkeller Robinienstehlen mit Drahtseilverspannung; Bewuchs aus z.B. Clematis oder Kiwi Robinienstehlen mit Drahtseilverspannung; Bewuchs aus z.B. Clematis oder Kiwi Hecke (Sitz-) Felsen Gehölze Neupflanzung Rindenmulch Pflasterbelag an den Eingängen Robinienstelen mit Bewuchs Kastanienpfähle Legende mobiles Experimentalhaus Wildwiese/ Sukzession Bauherr: Kultur- quartier Münster Maßstab: 1:200 Datum: 17.5.2016 Projekt: Außenanlagen Kulturquartier Bezeichnung: Entwurf Entwurf Kulturquartier Planer: baumrausch GmbH & Co.KG Arsterdamm 72 A 28277 Bremen Tel.: 0421 - 4682605 v.kranz@baumrausch.de www.baumrausch.de Detail: Schnitt Rasensofa S T5 S T6 S T7 S T8 ST 9 ST1 0 ± 0,00 Fahrra dstän der Müll / Entsorg ung?? - 0,40 - 0,70 - 0,70 Rasen Trockenmauer Zaun naturnahe Beet-/ Grünfläche Schotter Geräteschuppen spätere "B aumschule" Anbaufläche Anbaufläche PERIODISCH spätere "Baumschule" ± 0,0 B e n je s h e c k e Baumschule Anschauungsgarten ± 0,0 -0,10 ± 0,0 N Unterrichtsraum Werkstatt Unterrichtsraum Unterrichtsraum Refektorium Küche WC Beh.- WC Unterrichtsraum ST 1 ST 2 ST 3 ST 4 Sukzessionsbereich Gehölze Bestand Sitzplatz/ Wege, gemäht -0,10 Pergola Aufenthaltsbereich mit Sitzfelsen Rasen Wildwiese/ Sukzession -0,20 +0,30 ± 0,00 -0,40 -0,40 R a s e n s o fa Feuerstelle -0,40 -0,30 -0,10 -0,10 Abflussrichtung Regenwasser Bauwagen Zelt ± 0,0 Bühne Schotterrasen - 0,70 + 0,30 2 ,5 % essbare Wildpflanzen Sukzessionsbereich (z.B. Birke, Holunder) S u kz e ss io n sb e re ic h Gewächshaus BirkeBirke SalweideBirke Birke Eiche Kirsche Salweide 0,5% Ansaat Hochstaudenflur Wildstaudenpflanzung Meditations- platz später Bereich für selbst gezogenes Wildobst -0,40 -0,28 - 0,40 - 0,35 Baumplattform Großflächige Dachbegrünung Salweide - 2,15 Boden Retentionsbecken Röhren (unterirdisch) als Erdkeller Robinienstehlen mit Drahtseilverspannung; Bewuchs aus z.B. Clematis oder Kiwi Robinienstehlen mit Drahtseilverspannung; Bewuchs aus z.B. Clematis oder Kiwi Hecke (Sitz-) Felsen Gehölze Neupflanzung Rindenmulch Pflasterbelag an den Eingängen Robinienstelen mit Bewuchs Kastanienpfähle Legende mobiles Experimentalhaus Wildwiese/ Sukzession Bauherr: Kultur- quartier Münster Maßstab: 1:200 Datum: 17.5.2016 Projekt: Außenanlagen Kulturquartier Bezeichnung: Entwurf Entwurf Kulturquartier Planer: baumrausch GmbH & Co.KG Arsterdamm 72 A 28277 Bremen Tel.: 0421 - 4682605 v.kranz@baumrausch.de www.baumrausch.de Detail: Schnitt Rasensofa Nachnutzung und Wiederverwendung Die Außenanlagen des Kulturquartiers werden in verschiedene, topographisch durch unterschiedliche Höhen ausgeprägte Bereiche zoniert. Abgefangen werden die Höhenunterschiede zwischen den Bereichen mit Hilfe von Trockenmauern aus Recyclingmaterial. Diese demonstrieren augenfällig und ästhetisch eine sinnvolle Möglichkeit der Wiederverwertung „ausgedienter“ Baustoffe. Hierzu eignen sich sowohl verschiedene Materialien, die beim Bau anfallen (Kalksand- steine, Klinker) als auch alte Betonplatten, Estrichabbruch etc. Der Innenhof zwischen den künftigen Gebäuderiegeln wird barriere frei ausgestaltet und ist als Veranstaltungs- und Aufenthaltsort vorgesehen. Von diesem Bereich gelangt man zu den abgesenkten Grünflächen, die sowohl als Anbaufläche als auch als Rasen- und Wiesenfläche umgesetzt werden. Ein weiteres Detail, das gut das Prinzip der Nachnutzung und Wiederverwendung von im Bauprozess anfallenden Materialien veranschaulicht ist ein Rasensofa, das den Mittelpunkt des zentral gelegenen Grill- und Aufenthaltsplatzes bildet. Das Rasensofa wird aus den beim Bodenabtrag anfallenden Rasensoden gebaut, die so auf dem Gelände sinnvoll verwertet und nicht abtransportiert werden müssen. Gemüseanbau als intelligente Zwischennutzung Der östliche Geländebereich wird bis zu der hier vorgesehenen Errichtung eines Gebäudeteils zwischengenutzt. Der Oberboden wird von anderen Bereichen hierher umgelagert und zur periodischen Anbaufläche für konventionelle Gemüse und Wildgemüse. Kräuter, Salate und blühende Pflanzen sollen angebaut und geerntet werden. Dabei ist geplant, einen großen Schwerpunkt nicht nur auf alte Kulturpflanzen zu legen, sondern auch auf essbare Stauden und Wildpflanzen wie Frauenmantel, Waldmeister, Blutweiderich, Lungen kraut, Walderdbeere als Dauergemüse und sich selbst aussäende Gemüsegärten. Damit wird ein Zeichen gegen das immer weiter fort- schreitende Verschwinden alter Kultur- und Nutzpflanzen gesetzt. Baumschule als „Kinderstube“ für die künftige Bepflanzung In den nördlichen Bereichen des Gartens wird eine Baumschule angelegt. In der Zeit bis zum Beginn des zweiten Bauabschnitts werden hier bereits die Gehölze für die spätere Bepflanzung herangezogen. Gleichzeitig dienen sie dem Windschutz und der Kleinklimaverbesserung. Zum Einsatz kommt eine Selektion von Obstgehölzen, die großfruchtige Kornelkirsche, Felsenbirne, aber auch interessante Exoten wie Szechuanpfeffer und Gemüsebaum zur Versorgung der Küche. Die Planung Planungsentwurf zur Umsetzung 34 Stellflächen und Verkehrswege als Bewegungsraum Der Umfang der PKW-Stellplätze ist noch in Klärung. Die Ausführung erfolgt als wassergebundene Wegedecke oder mit Recyclingschotter, um die Wasserdurchlässigkeit zu gewährleisten. Im westlichen und nördlichen Bereich wird das Gelände durch einen Schotterstreifen erschlossen, der zum Teil auch als Parkfläche dienen soll. Neben den zukünftigen Stellplätzen wird dauerhaft eine Bühne mit Zelt Bestand haben. Bei Veranstaltungen können die Stellplätze und der Zufahrtsbereich auch als zusätzlicher Bewegungsraum genutzt werden. Hier wächst das neue Kulturquartier Der Bauraum wird an allen Außenseiten mit Wildholzzäunen und/ oder Holzstangen abgetrennt, um einen Eindruck des späteren Gebäudes zu vermitteln. Ein experimentelles Recyclinghaus soll zum Beleben des Platzes beitragen und als Anschauungsobjekt für öko- logisches Bauen dienen. Gerätewagen und ein Kleingewächshaus stehen auf den zukünftigen Gebäudeecken und markieren so den späteren Bauraum. Innerhalb dieser Grenzen wird es einen Bereich mit Rohboden geben. Dort wird eine natürliche Pflanzensukzession stattfinden und es werden Wildwiesenbereiche eingesät. Retentionsbecken als Sonderbiotop Im südöstlichen, am tiefsten liegenden Teil des Geländes entsteht ein Retentionsbecken mit Wildtierzone, die periodisch über- schwemmt werden kann. Hier wird der vorhandene Baumbestand soweit möglich erhalten und durch Kopfweiden ergänzt. Auf dem Retentionsbecken wird eine schwimmende Insel installiert, die als zusätzliche Anbaufläche für Gemüse genutzt werden kann. Als Hangsicherung und Tierunterschlupf wird der Wurzelstock eines Baumes eingebaut. Pflege Die Mahd der Wiesen erfolgt extensiv ein bis zwei Mal im Jahr. Das Mahdgut wird abgefahren. Die Fläche mit der Wildgemüse-Ansaat muss – wie jede Anbaufläche – regelmäßig gekrautet werden. Erziehungsschnitte sind bei Obstgehölzen und Solitärsträuchern erforderlich. Oben: Vorläufiger Standort des Zelts im südlichen Geländeteil Unten: Gemüse und blühende Pflanzen sollen angebaut und geerntet werden. Oben: Natur und Kultur ergänzen sich im Kulturquartier. Unten: Trockenmauern aus Recyclingmaterial 35 ± 0,00 + 0,30 - 0,35 - 0,40 - 0,70 - 2,15 Durchfahrt A A' Anbaufläche für Wildobst Schotterfläche Aufenthalt Anbaufläche Wildgemüse Anbaufläche Retentionsmulde Sukzessionsbereich 0,3% 0,1% Böschungsneigung 1:2 - 0,70 Schotterhinterfüllung, gem. LV Schotterfundament, 30/30 Röhre, DN 400, als Erdkeller 99 98 Schotterhinterfüllung, gem. LV Schotterfundament, 30/30 3 0 40 6 5 Geländeschnitt A-A', Maßstab 1:50 Mineralgemisch 0/32 Betonplatte 30/30 Betonbett C25/30 30/30/80 Betonplatte 50/50 Pflaster Mineralgemisch 0/32 Detailschnitt Rinne zur Oberflächenentwässerung, Maßstab 1:25 Detail Draufsicht Rinne zur Oberflächenentwässerung, Maßstab 1:25 - 0,40 - 0,62 - 0,70 - 0,40 - 0,40 - 0,60 OK Mauer - 0,40 OK Mauer - 0,40 Betonplatte 50/50 Pflaster Mineralgemisch 0/32 Bauherr: Kultur- quartier Münster Maßstab: variiert Datum: 20.5.2016 Projekt: Außenanlagen Kulturquartier Bezeichnung: Details und Schnitte Ausführungsplanung Kulturquartier Planer: baumrausch GmbH & Co.KG Arsterdamm 72 A 28277 Bremen Tel.: 0421 - 4682605 v.kranz@baumrausch.de www.baumrausch.de Pfostenschuhe Rundholz, verzinkt, Schrauben M10 Detailschnitt Pergola, Maßstab 1:25 Fundament Beton C25/30 30/30/80 Pflaster, Patchwork Bettung Splitt, 4cm Tragschicht Mineralgemisch 0/32 Verspannung Stahlseil, siehe LV Detail: Schnitt Rasensofa, Maßstab 1:25 Hecke - 0,40 ± 0,00 + 0,30 Detail: Böschungsbefestigung mit Stubben, Maßstab 1:25 - 0,40 - 0,70 Benjeshecke Wurzelstubben Das Unternehmensgelände als Spiegel der Firmenphilosophie Das Kulturquartier zeichnet sich durch einen besonders vorbild- haften, hohen ideellen und ökologischen Anspruch aus. Mitten in einem Gewerbegebiet gelegen, ist der Standort eingebettet in vorwiegend versiegelte Flächen. Mit der naturnahen Gestaltung des neuen Standorts soll gezeigt werden, dass es auch anders gehen kann und Unternehmertum und ökologisches Denken zusammen- gehören. Das Beispiel zeigt, dass eine naturnahe Gestaltung bereits im Zuge eines Neubaus von Anfang an und in aller Konsequenz mitgedacht und umgesetzt werden kann. Insbesondere Unternehmen mit Kundenkontakt bzw. Seminarbe- trieb, deren Außenanlagen multifunktionalen Ansprüchen genügen und als Begegnungsraum fungieren sollen, können aus der Planung vielfältige Inspirationen schöpfen. Das Permakulturprinzip bewährt sich für dynamische Planungen Der Grundgedanke der Permakultur hat sich im Planungsprozess gut bewährt. Dieser flexible Ansatz passt gut auf Gelände, die sich voraussichtlich noch sehr verändern werden und die nötigen Spiel- räume für Anpassungen bieten. Lessons learnt und Ausblick Das Unternehmen im Interview Redaktion: Was glauben Sie, wie es an Ihrem Standort in fünf Jahren aussieht? Thomas Grollmus, Kulturquartier-Initiator: In fünf Jahren werden sich an unseren Dächern Schwalben angesiedelt haben, in unserem Teich Krebse und Fische heimisch sein. Bienen und Insekten werden in unserem Garten und auf den Blumenwiesen ihr Tagwerk tun. Unsere Gäste werden sich in diesem Paradies inmitten der Stadt wohlfühlen und in der Gemeinschaft wird so ein Ort neuer Lebensfreude entstehen. Redaktion: Wie engagieren Sie sich über Ihr Firmengelände hinaus für den Schutz der biologischen Vielfalt? Thomas Grollmus: Das Kulturquartier Münster ist ein gemein- wohlorientiertes Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft und fördert eine kulturelle und ökologische Entwicklung. Im Netzwerk mit vielen anderen Initiativen sehen wir den Erhalt der biologischen Vielfalt als Voraussetzung für eine zukunftsfä- hige Gesellschaft. In Seminaren, Workshops und Veranstaltun- gen setzen wir uns für die Verbindung von Kultur und Natur ein, z. B. als Veranstalter des ersten Tags der Nachhaltigkeit in Münster im Juni 2015. Kontakt im Unternehmen: Thomas Grollmus Kulturquartier Münster GmbH Telefon: +49(0)170/385 21 79 E-Mail: grollmus@kulturquartier-muenster.de Vielfältige Lebensräume für Tiere, erholsame Plätze für Menschen Detail Draufsicht Rinne zur Oberflächenentwässerung 36 Das Biohotel Mohren liegt im Bodenseehinterland im idyllischen Deggenhausertal. Zu dem Betrieb gehört ein Restaurant, das seit 2007 zu 100 Prozent als Biorestaurant zertifiziert ist. Ein großer Teil der Lebensmittel wird unmittelbar auf dem zum Betrieb gehörenden Gutshof gewonnen, der seit 1988 als Biolandwirtschaft zertifiziert ist. Das Hotel bietet seinen Gästen einen Wellnessbereich, in dem sie unter anderem Sauna, Kräuter-Dampfbäder und Kneipp-Kuren genießen können. Neben dem Betrieb für erholungssuchende Touristen von nah und fern, bietet das Biohotel auch Veranstal- tungsräume für Tagungen und Feierlichkeiten. Bezugspunkte Biodiversität und Nachhaltigkeitsengagement Jeder Zweig des Unternehmens – sei es der Hotel- und Tagungs betrieb, Gutshof oder Restaurant – macht seinen Umsatz mit Land- schaft und Biodiversität. Ohne die idyllische (Kultur-)Landschaft, die den Betrieb umgibt, würde es das Biohotel Mohren kaum geben. Damit erwirtschaftet der Betrieb sein Einkommen mit der Mischung aus intakter Natur und traditioneller landwirtschaftlicher Nutzung, wie sie am Bodensee über Jahrhunderte historisch gewachsen ist und sich durch eine hohe Strukturvielfalt auszeichnet. Die Entscheidung, das Unternehmen auf nachhaltige Bewirtschaf- tung umzustellen, fiel deshalb schon vor langer Zeit – und war spätestens seit der Zertifizierung des Gutshofs als Biolandwirtschaft auch nach außen sichtbar. Mittlerweile ist das Restaurant als Biorestaurant zertifiziert und das Hotel trägt das Label „Biohotel“, mit dem besonders nachhaltig ar- beitende Hotels ausgezeichnet werden: Alle Produkte, die in einem Biohotel verwendet werden, stammen aus zertifizierter, biologischer Landwirtschaft und regionale Produkte werden bevorzugt Das Angebot eines vegetarischen Menüs gehört für ein Biohotel einfach dazu. Im Wellnessbereich wird zertifizierte Naturkosmetik verwen- det. Darüber hinaus wird jedes Biohotel mit Ökostrom betrieben und ist ehc-zertifiziert. „ehc“ steht für „eco hotels certified“ und widmet sich der stetigen Erfassung und Verbesserung des Ressourcen managements. Biohotel Mohren Wellness naturnah Ausgangssituation Firmengelände Neben dem eigentlichen Gebäude des Biohotels, in dem sich das Hotel, das Restaurant, Tagungsräume und ein Wellnesssbereich mit Sauna und Anwendungsbereichen für Massagen und Bäder befinden, verfügt das Biohotel über umfangreiche Grünflächen direkt um das Gebäude herum und jenseits einer kleinen Straße. Ein Teil des Außengeländes wurde als abgeschlossene, nicht ein- sehbare Aufenthalts- und Erholungsfläche des Spabereichs gestaltet und wird deshalb entsprechend intensiver gepflegt. Der Bereich jenseits der Straße – es handelt sich um eine eher spärlich befahre- ne Dorfstraße – ist bisher gar nicht oder kaum genutzt worden und wurde in der Vergangenheit deshalb auch kaum gepflegt. Im Augenblick dominieren auf den nicht genutzten Flächen Gräser und insgesamt ist die Artenvielfalt nicht besonders hoch. Intensiver gestaltete Bereiche – beispielsweise am Eingang – aber auch Sys- teme zur Regenwasserbewirtschaftung sind bisher nicht naturnah ausgeführt worden. Der Unternehmensstandort – Ausgangssituation 37 Das Hotel wird erweitert und erhält einen Anbau, der die Außen- anlagen mit einbezieht: Es werden neue Räumlichkeiten entstehen und das gesamte Konzept der Außenanlagen vom Parkplatz über Zufahrt bis hin zur Nutzung bisher brach liegender Bereiche wird umgestellt. So wird der Eingang verlegt, die Parkplätze umgebaut, den Gästen sollen neue Rückzugs- und Erholungs(grün)räume geboten werden, und es soll einen kleinen Biergarten geben. Im Falle der des Biohotels Mohren stellt die Erweiterung des Betriebs eine Chance für die ökologische Aufwertung des Gesamtgeländes dar. Sie bietet Handlungsmöglichkeiten für die naturnahe Gestal- tung der Anlagen: Auch die erhofften zusätzlichen Gäste sollen natürlich qualitativ hochwertige Aufenthaltsmöglichkeiten im Freien vorfinden. Eine Erhöhung des Flächenangebots war da die logische Konsequenz, weshalb Bereiche, die den selbstgestecken, hohen Anforderungen des Biohotels Mohren nicht entsprachen, aufgewer- tet werden „mussten“. Obwohl also Flächen „verbraucht“ werden, weil sie in Zukunft überbaut sind oder als Aufenthaltsfläche für Gäste dienen, wird insgesamt die biologische Vielfalt vom Betriebsausbau profitieren: Eine Retentionsmulde wird erweitert und die Böschung abgeflacht und bepflanzt, auf der Fläche jenseits der Straße entsteht ein neues Feuchtbiotop, es entstehen Wildblumenwiesen und ein Kräutergar- ten und der Eingangsbereich wird nach dem Vorbild eines traditio- nellen Dorfplatzes neu gestaltet. Branche: Hotel- und Gaststättengewerbe Mitarbeitende: 28 Jahresumsatz: 2.000.000 Euro Unternehmensgründung: seit 2007 als Biohotel zertifiziert Standort: Deggenhausertal-Limpach, Baden-Württemberg Größe des Firmengeländes: 10.000 Quadratmeter Standortsteckbrief: Naturnahe Flächen: ca. 80 Prozent des Außengeländes Biotop aus Niederschlagswasser: Beim Biohotel in einigen Jahren vielleicht sogar als Schwimmteich. Das ursprünglich als ökologisch totes Loch im Boden geplante Rückhalte becken wird in Zukunft als Biotop ausgestaltet. 38 Übersichtsplan über die zukünftige Flächengestaltung des Biohotels Mohren 39 Die Grünflächen sind für das Biohotel Mohren in der Funktionalität ver- gleichbar mit der Produktionsstraße im Maschinenbau: Als „Anbieter von Erholung“ sind die Grünflächen für das Biohotel Mohren nicht nur Beiwerk, sondern Teil der Produktionsmittel. Von Beginn der Planung an war deshalb klar, dass die Gestaltung Gästen ins Auge springen und etwas Besonderes bieten sollte – vorzugsweise Attraktionen, die eine inhaltliche Verbindung zur gesamten Angebotspalette des Betriebs herstel- len. So wird die Frühstücksterrasse in Zukunft am hauseigenen Kräutergarten liegen, ein kleiner „Naschgarten“ bietet Gästen den Zwischensnack zum Selberpflücken und das Retentionsbecken wird als ansprechende „landschaftliche Attraktion“ gestaltet. Dass die Gestaltung ökologisch hochwertig sein sollte, verstand sich dabei aufgrund der Gesamt- philosophie des Biohotels Mohren fast von selbst. Grundidee und Ablauf der Planung Das Planungsbüro im Interview Redaktion: Frau Stark, was war der Grundgedanke bei der Gestaltung der Außenanlagen? Maria Stark, Naturnahe Gärten: Wichtig war allen Beteiligten eine Gestaltung zu entwickeln, die zur Grundphilosophie des Unterneh- mens passt – und dabei natürlich den Gästen auch gefällt, die hohe Ansprüche an Design und Ästhetik stellen. Neben den „Attraktionen“ für die Gäste und der ökologischen Wertigkeit war auch wichtig, dass die Gestaltung zur Region und zum Ort passt. So kann natürlich auch ein Biohotel nicht auf eine Zufahrt und Parkplätze verzichten, diese versuchen aber den ursprüngli- chen Charakter eines Dorfplatzes abzubilden. Redaktion: Gab es besondere pla- nerische Herausforderungen bei der Gestaltung der Außenanlagen? Maria Stark: Die verschiedenen Bereiche der Außenanlagen erfüllen unterschiedliche Arten von Erholungsfunktionen. Da gibt es Orte, um sich zurückzuziehen und die Seele baumeln zu lassen und Bereiche, um gemeinsame Zeit beim Plausch oder mit dem Rückblick auf ein gerade erlebtes Seminar zu verbringen. An wiederum anderer Stelle geht es eher um das Anspre- chen der Sinne, um beispielsweise ein stimmungsvolles Ambiente für das Frühstück zu schaffen. Gleichzei- tig war gewünscht, Küchenkräuter und Tischdekorationen – zumindest teilweise – in Zukunft im eigenen Garten zu ernten. Die verschiedenen Funktionen mit ökologischer Gestal- tung und hochwertigem Design zu einem Gesamtprojekt zusammenzu- fügen, das wir auch bio-zertifizieren lassen wollen, war eine Herausfor- derung. Eine, die mir und Volker Kranz von baumrausch, viel Freude bereitet hat! Der neue Frühstücksbereich liegt an einem Hang, der in Zukunft terrassiert wird, wodurch neue Lebensräume entstehen. 40 Naturnah: Wie geschaffen für den Liegestuhl! Die augenblickliche Gestaltung der Außenanlagen ist in die Jahre gekommen und an vielen Stellen weder naturnah noch wird sie den – in den letzten Jahren gewachsenen – Ansprüchen des Biohotels Mohren an sich selbst gerecht: Auf den Wiesenflächen dominieren Allerweltsarten, oft sieht man den Flächen an, dass sie nicht besonders gut gepflegt wurden und der gesamte Eingangsbereich vermittelte mit seinem Betonpflaster nicht gerade den Eindruck, in einem Biohotel einzuchecken. Die Planung Vom Garten auf den Tisch Im Zuge des Umbaus entsteht ein neuer Außenbereich, der in Zukunft vor allem als Frühstücksbereich dienen wird. Der neue Außensitz wird in eine Böschung hineingebaut, die im Augenblick vollständig von Quecke und Brombeere überwuchert ist. Um sowohl den ökologischen, wie auch den ästhetischen Wert der Fläche zu maximieren, wird eine Terrassierung um den Freisitz herum vorge- nommen, bei der die einzelnen Stufen mit Trockenmauern aus edel wirkendem Naturstein gebaut werden. Da der gesamte Hang neu modelliert wird, ist es ein Leichtes, den Untergrund der einzelnen Stufen mit dem für eine naturnahe Gestaltung besten Substrat zu versehen. Auf diese Weise entstehen eine Reihe von Hochbeeten, die mit vielfältigen (Wild-)Kräutern und Pflanzen gestaltet werden: Dieser „Kräutergarten“ wird teilweise auch die Bioküche des Hotels berei- chern, da die Pflanzen so ausgewählt wurden, dass aus ihnen Tee, Saucen oder Chutney hergestellt werden können. „Aus dem Garten auf den Tisch“ findet sich als Konzept auch an an- deren Stellen wieder: Viele der Pflanzen lassen sich als Tisch- oder Raumdekoration nutzen. Bunte Vielfalt statt Loch im Boden Auch beim Biohotel Mohren gab es Systeme zur Regenwasserbe- wirtschaftung, die naturfern gestaltet wurden. Insbesondere eines der Rückhaltebecken wurde einfach – mit sehr starkem Gefälle – als rechteckiges Loch in den Boden gebaggert. Gerade solche Becken – selbst wenn sie nur relativ klein sind, kön- nen wertvolle Lebensräume sein. Deshalb wird nun im Rahmen der naturnahen Gestaltung das Profil des Beckens angepasst: An drei Seiten ist ausreichend Platz, um das Gefälle abzuflachen, wodurch die Wasserfläche für viele Tiere überhaupt erst zugänglich wird. Die vierte Seite wird belassen wie sie ist, weil es dort keinen Platz gibt. Das ist aber in diesem Fall kein Problem: Wahrscheinlich wird diese kleine Böschung immer offen bleiben und nicht zuwachsen, wodurch im besten Fall Lebens- bzw. Nistmöglichkeiten für Insekten erhalten bleiben. Die neuen, ökologisch funktionalen Ufer werden naturnah bepflanzt und insgesamt entsteht ein hochwertiges Biotop. 41 Gestaltung als Attraktion – auch und besonders bei naturnaher Arbeitswiese Das Biohotel Mohren als Leuchtturmunternehmen war speziell: Für kaum eines der beteiligten Unternehmen spielten die Ästhetik und vielseitige Verwendung bei der Flächengestaltung eine so große Rolle wie für das Biohotel. Der Planungsprozess gestaltete sich entsprechend intensiv: Die Anzahl der entwickelten und verwor- fenen Gestaltungsalternativen war hoch und die Entscheidung für die eine oder andere Variante fiel dem Unternehmen nicht immer leicht. Insgesamt war die Gestaltung des Hotels die wahrscheinlich aufwändigste Planung im Rahmen des Projekts. Im Ergebnis haben die Planerin Maria Stark (Naturnahe Gärten) und der Planer Volker Kranz (baumrausch) dabei bewiesen, dass die naturnahe Gestaltung – trotz des manchmal als Einschränkung empfundenen Verzichts auf exotische oder ökologisch bedenkliche Pflanzen – in Sachen Design und Ästhetik genauso leistungsfähig sein kann wie „normale“ Gestaltung. Dabei ist auch deutlich geworden, dass das manchmal herrschende Vorurteil, naturnahe Gestaltung würde sich vor allem durch „Wildheit“ oder „Strup- pigkeit“ auszeichnen, so nicht stimmt: Der kreative Gestaltungs- spielraum, den heimische Pflanzen und der Ansatz der Integration hochwertiger Lebensräume in die Gestaltung bieten, ist groß genug, um vielfältigste Ansprüche zu befriedigen; auch der Wunsch nach wohlstrukturiert und „ordentlich“ wirkenden Außenanlagen. Lessons learnt und Ausblick Rückhalte- und Sickerflächen kön- nen auf attraktive Weise naturnah gestaltet werden. Die Pflanzenauswahl sorgt dafür, dass im Biohotel auch Wildbiene und Co willkommen sind. 42 Der weltweit agierende Speditions- und Logistikdienstleister ZUFALL logistics group ist seit mehr als 80 Jahren ein Familienunternehmen mit Firmensitz in Göttingen und acht weiteren Standorten in Deutschland. Im Jahr 2015 wurden 4.613.000 Sendungen bewegt. Kunden und Mitarbeitende stehen im Unternehmen an erster Stelle. ZUFALL logistics group Mit naturnaher Gestaltung Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit steigern Bezugspunkte Biodiversität und Nachhaltigkeitsengagement Seit Mitte der 1990er Jahre ist das integrierte Managementsystem des Unternehmens gemäß DIN ISO 9001 bzw. 14001 für die Bereiche Qualität und Umwelt zertifiziert. Zusätzlich engagiert sich die ZUFALL logistics group seit mehreren Jahren im Ökoprofit Projekt der Metro polregion Hannover und wurde im Jahr 2014 als Ökoprofitunter- nehmen ausgezeichnet. Fest verankert sind Aktivitäten dieser Art im Unternehmensleitbild, der „Ganzheitlichen Unternehmensentwick- lung im Team“, kurz GUT. „Gelebte Nachhaltigkeit“ ist dabei einer der elementaren Bausteine, die dem Unternehmen helfen sollen, ressourcenschonend zu handeln, sich aktiv für den Umweltschutz einzusetzen und den drei bedeutenden Dimensionen Wirtschaft, Mensch und Umwelt gleichermaßen Rechnung zu tragen. Aufbauend auf bestehendem Engagement und Zertifizierungen war das Unternehmen auf der Suche nach Maßnahmen, den Umwelt- schutz aktiv zu unterstützen. Das Projekt „Naturnahe Gestaltung von Firmengeländen“ gibt dem Unternehmen die Möglichkeit, direkt „vor der eigenen Haustür“ zum Schutz der biologischen Vielfalt beizu- tragen und damit Verantwortung für Mensch und Natur zu über- nehmen. Verantwortungsvoller Umgang mit natürlichen Ressourcen fängt bereits auf dem Betriebsgelände an! „Wir möchten das Bewusstsein für den Wert der biologischen Vielfalt schärfen und werden damit unserer ökologischen Verantwortung gerecht. Wir wollen zeigen, dass jedes Unternehmen trotz ho- her Versiegelung über Potentiale für die naturnahe Gestaltung verfügt und diese nutzen kann. Bei ei- nigen Maßnahmen können unsere Mitarbeitenden tatkräftig unterstützen. Zusätzlich reduzieren wir dadurch den Pflegeaufwand für unsere Flächen und schaffen ein attraktives, grünes Arbeitsumfeld.“ Peter Müller-Kronberg, Geschäftsführender Gesellschafter 43 Am Standort Göttingen bietet sich eine naturnahe Umgestaltung des Firmengeländes als Pilotprojekt für ähnliche Maßnahmen an den übrigen Niederlassungen der ZUFALL logistics group an. Viele Niederlassungen verfügen über integrierte Erweiterungsflächen und bieten damit Potenzial für zukünftige Aktivitäten und naturnahe Um- gestaltungsmaßnahmen. Ausgangssituation Firmengelände Das Firmenareal liegt inmitten eines Gewerbegebiets am nordwest- lichen Rand Göttingens. Besondere Charakteristika der Außenflä- chen sind schwerlastbedingte teil-/ versiegelte Verkehrsbereiche (Betonpflaster, Asphalt), zahlreiche kleinere Grün- und Restflächen in den Randbereichen und auf dem Mitarbeiterparkplatz sowie eine temporär brachliegende, größere Baulandreserve. Eine unbefestigte Feuerwehrumfahrung und ein Entwässerungsgraben grenzen an die Baulandreserve an. Verkehrsinseln mit teils exotischen Gehölzen, Kleinsträuchern und krautigen Bodendeckern lockern die Ver- kehrsflächen stellenweise auf. Die Eingangsbereiche zu Büro- und Verwaltungsgebäuden nehmen für das Unternehmen eine zentrale Rolle ein. Der Haupteingang ist in der gestalterischen Ausführung mittlerweile veraltet und wird von nicht-heimischen Bodendeckern und Ziergehölzen dominiert. Der Unternehmensstandort – Ausgangssituation Um die Verwaltungsgebäude zieht sich ebenfalls ein Streifen mit überwiegend nicht-heimischen Ziergräsern und Ziersträuchern (u. a. Weigelie, Forsythie, Buchsbaum), die regelmäßig zurückgeschnitten werden müssen. Hier besteht angesichts des regen Mitarbeiter- und Besucherverkehrs der ausgeprägte Wunsch nach einer ansprechen- deren und vielfältigeren Gestaltung. Der angrenzende Bistrobereich nutzt Teilbereiche der bisherigen Außengestaltung. Im Zufahrtsbereich liegt eine zusammenhängende Rasenfläche mit Gehölzbestand. Die Rasenflächen des Betriebsgeländes wurden bisher regelmäßig gemäht. Der Rasenschnitt wird abgefahren und es wird nicht gedüngt. Mit naturnaher Gestaltung Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit steigern Branche: Internationale Spedition/Logistik Mitarbeitende: rund 1.955 – darunter 159 Auszubildende (alle Standorte) Jahresumsatz: 286,2 Millionen Euro (2015) Unternehmensgründung: 1928, seit 1945 mit Firmensitz in Göttingen Standort: Göttingen, Niedersachsen Firmenzentrale in Göttingen 44 Anlass für die Umgestaltung war die Motivation direkt „vor der eigenen Haustür“ zum Schutz der biologischen Vielfalt beizutragen. Gleichzeitig bestand der Wunsch, den Außenbereich für die Mitar- beitenden ästhetisch ansprechender zu gestalten. Eine Erstberatung durch den Global Nature Fund lieferte konkrete Anregungen für Gestaltungsalternativen auf den bestehenden Flächen. Naturnahe Umgestaltung im Team Nach Einholung von Vergleichsangeboten wurde der Naturgartenpla- ner Karsten Immel (Naturnahe Gärten) mit der Planung beauftragt. Im Unternehmen etablierte sich im Laufe der Planung ein festes Team von sechs Personen aus den Bereichen Geschäftsführung, Qualitäts- und Umweltmanagement sowie Haustechnik. Die Betei- ligten trugen mit ihrer fachlichen Kompetenz und unterschiedlichen Sichtweisen auf die Liegenschaft zum Planungsprozess bei. Dabei spielten beispielsweise Aspekte wie der pflegeleichte Unterhalt der Anlagen, die Beachtung der Vorsichtsmaßnahmen bezüglich des Qualitätsmanagements und Nutzungsansprüche der Mitarbeitenden eine Rolle. In Zusammenarbeit mit Karsten Immel und mit Unter- stützung des Global Nature Fund konnte sichergestellt werden, dass Unternehmensinteressen und ökologische Anforderungen zu gleichen Teilen Eingang in die Planung fanden. Der Zentralbereich Marketing und Kommunikation begleitete die Informationsweiter- gabe an die Mitarbeitenden vor Ort sowie die Außendarstellung des Planungsvorhabens. Grundidee und Ablauf der Planung Planungsverlauf Der Planungsprozess dauerte insgesamt etwa 18 Monate und be- inhaltete zahlreiche Abstimmungstermine vor Ort. Bei den Bespre- chungen wurden der aktuelle Vegetationsbestand begutachtet so- wie entsprechende Gestaltungsmöglichkeiten und Lösungsansätze im Planungsteam abgestimmt. Dadurch wurde bei den Beteiligten die bewusste Wahrnehmung der jeweiligen Flächenfunktionen und Nutzungsansprüche an das Betriebsgelände geschärft. Für die Umsetzung wurde ein Budget von 40.000 Euro netto eingestellt. Meilensteine der naturnahen Gestaltung November 2014: Erstkontakt Dezember 2014: Vor-Ort-Termin zur Erstberatung Februar 2015: Fertigstellung Beratungsbericht März 2015: Entscheidung zur Umsetzung April 2015: Angebotseinholung Planung Juli 2015: Vergabe Planung und Planungsbeginn Mai 2016: Ende der Planung Februar 2016: Umsetzung Gehölzschnitt Ab Herbst 2016: Umsetzung weiterer Maßnahmen Unternehmen: Gunnar Heunisch (Zentralleiter Qualitäts- und Umweltma- nagement), Sandra Spohr-Wagner (Assistentin der Geschäftsführung), Peter Müller-Kronberg (Geschäftsführender Gesellschafter), Lars Kreike (Qualitäts- und Umweltmanagement), Ralf Kottlorz (Haustechnik), Jürgen Meinshausen (Abteilungsleiter Energie/Technik - fehlt), (v.l.n.r.) Verkehrsinsel mit Solitärgehölzen, Kleinsträuchern und Rindenmulch Größe des Firmengeländes: ca. 77.591 Quadratmeter Standortsteckbrief: insg. ca. 24,7 Prozent überbaut; 50,7 Prozent Lager- und Verkehrsfläche; 24,6 Prozent Grünbereiche Naturnahe Flächen: ca. 11.252 Quadratmeter (56,6 Prozent der unbefestigten Fläche) in Planung Brachliegende Baulandreserve mit verdichteten und vernässten Arealen 45 Die naturnahe Planung des Firmenareals der ZUFALL logistics group strebt eine regionaltypi- sche bzw. gebietsheimische und artenreiche Bepflanzung an – die Alternative zu kurz gemäh- ten Rasenflächen oder exotischen Ziergehölzen. Aufwertung des Eingangs- und Bistrobereichs Der teils schattige Außenbereich des Bistros wird durch eine Vielzahl heimischer Stauden und Kleinststräucher mit einem langen Blühaspekt optisch und ökologisch aufgewertet. Heimische Wild- pflanzen verfügen über einen hohen ökologischen Wert, der den von Zuchtformen meist weit übertrifft. Viele heimische Wildbienen und auch Schmetterlinge sind inzwischen sehr stark bedroht, weil die zur Arterhaltung unabdingbaren Futterpflanzen immer rarer werden. Es gibt Schmetterlingsarten, deren Raupen nur eine einzige Wildart fressen. Stirbt diese Pflanze aus, wird es den dazugehörigen Schmetterling nicht mehr geben! Daher werden in der naturnahen Gestaltung Wildformen bevorzugt verwendet. Bei dieser Maßnahme werden die vorhandenen nicht-heimischen Bodendecker entfernt, der Boden speziell für die neue Bepflanzung vorbereitet/verbessert und mit Arten aus Pflanzengesellschaften typischer, schattentoleranter Gehölzränder bepflanzt. Höhere Stau- den, z.B. Roter Fingerhut oder Waldziest, und Kleinsträucher wie Zwergschneeball oder Heckenkirsche verdecken die vorhandenen Betonpalisaden und geben der Fläche Struktur. Die Planung Das Planungsbüro im Interview Redaktion: Herr Immel, was ist die Leitidee der Umgestaltung? Karsten Immel, Naturnahe Gärten: Zum Einen geht es natürlich um eine Steigerung der Aufenthaltsqualität für die Mitarbeitenden sowie Kundinnen und Kunden. Neben der Ästhetik plane ich Pflanzungen und Einsaaten mit heimischen Arten, die das Nahrungsangebot und die Strukturvielfalt auf dem Gelände gezielt erhöhen. Besonderes Au- genmerk liegt auf der Bereitstellung von Wasser als Grundlage allen Lebens. Ein anderer Schwerpunkt liegt auf den Pflegemaßnahmen vorhandener Gehölzstrukturen, um die Interessen der Eigentümer, der Nachbarschaft, der zuständigen Mitarbeitenden und der Heckenbe- wohner in Einklang zu bringen. Wo Totholz nicht stört bzw. gefähr- lich werden kann, wird es bewusst als wertvolles Biotop geduldet. Redaktion: Gibt es eine besonde- re planerische Herausforderung? Karsten Immel: Ja, das Gelände liegt im Industriegebiet der Stadt Göttingen. Die Verkehrswege um und auch innerhalb des Geländes sind stark befahren. Durch die isolierte Lage der Grünflächen ist eine Besiedelung durch nicht flugfähige Organismen nur schwer möglich. Daher ist es mir wichtig, gerade für flugfähige Tiere wie Vögel, Insekten und Fledermäuse attraktive Lebensraum- und Nahrungsangebote zu schaffen. Der Außenbereich des Bistros wird durch eine Vielzahl heimischer Stauden und Kleinststräucher optisch und ökologisch aufgewertet. 46 Tabelle 1: VOR der Umsetzung - Pflanzenbestand im Bistrobereich Deutscher Name Botanischer Name Blütenfarbe Bemerkungen (x = heimisch y = nicht heimisch) Eibe Taxus baccata unscheinbar Hecke, x Elfenblume Epimedium x perralhicum „Frohnleiten“ gelb Bodendecker, y Felsen-Storchschnabel Geranium macrorrhizum rosa Bodendecker, y Gewöhnlicher Liguster Ligustrum vulgare weiß Halbimmergrüner Strauch, x Goldbeere Rubus xanthocarpus gelb Bodendecker, y Japanische Skimmie Skimmia japonica rosa Kleinstrauch, y Japanische Strauchspiere Spirea japonica rosa Kleinstrauch, y Kirschlorbeer Prunus laurocerasus weiß Immergrüner Großstrauch, y Kriechspindel Euonymus fortunei unscheinbar Bodendecker, y Scheinquitte Chaenomeles japonica rot Kleinstrauch, y Tabelle 2: NACH der Umsetzung - Auszug Pflanzliste im Bistrobereich mit heimischen Arten Deutscher Name Botanischer Name Blütenfarbe Blütezeitraum Bemerkungen Niedrige Heckenkirsche Lonicera xylosteum compactum gelb Mai bis Juni Kleinstrauch; Sorte heimisch Klebriger Salbei Salvia glutinosa schwefel-gelb Juli bis September Hochstaude Roter Fingerhut Digitalis purpurea purpur Juni bis August Hochstaude Waldziest Stachys sylvatica rot Juli bis August Hochstaude Wilde Malve Malva silvestris purpur geädert Juni bis Oktober Hochstaude Buschwindröschen Anemone nemorosa weiss März bis April niedrig Duftveilchen Viola odorata violett März bis Mai niedrig Zweiblättriger Blaustern Scilla bifolia blau März niedrig Schneeglöckchen Galanthus nivalis weiss Februar bis März niedrig Hohler Lerchensporn Corydalis cava rot oder weiss März bis April niedrig Gelber Lerchensporn Pseudofumaria lutea gelb März bis Oktober niedrig Blühender Saum: Geplante standortangepasste Wiesenblumen mischungen werten die Flächen optisch und ökologisch auf. Staudenlein etabliert sich schnell und spiegelt die Logo-Farbe des Unternehmens wider. 47 Strauch-Efeu, ein immergrüner Kleinstrauch, bietet Tieren mit seinen Blüten und Früchten eine im Jahresverlauf sehr späte und damit wichtige Nahrungsquelle. Pflege Abgestorbene Pflanzenteile werden im Herbst oder Frühjahr entfernt. Artenreiche Grünflächen auf Mitarbeiterpark- platz, Bauminseln und an Gebäuderändern Die vorhandenen Sträucher um die Verwaltungsgebäude sind überwiegend großwüchsige Ziergehölze, welche häufig zu dicht am Gebäude stehen. Exotische, durch falschen Schnitt, Standort und Streusalz geschädigte Pflanzen werden durch heimische Stauden, Blumenzwiebeln und Kleinsträucher mit einem langen Blühzeit- raum ersetzt. Sie erhöhen so die Attraktivität für Mensch und Tier. Hierfür wird die bestehende Vegetation entfernt, der Boden mit Sand abgemagert und mit einer Initialpflanzung und dem Standort angepassten Ansaat versehen. Die Grünflächen und angrenzende Bereiche des Mitarbeiterparkplat- zes sind mit überwiegend nicht-heimischen Bodendecker-Gehölzen wie z. B. Heckenmyrte, Japanischer Spierstrauch und Cotoneaster (Zwergmispel) bepflanzt, die entfernt werden sollen. Förderliche und attraktive Wildpflanzen, die im Laufe der Jahre durch Vögel angesamt wurden, sollen zum Teil geschont, beschnitten und/oder verpflanzt werden. Beispielsweise bietet die vorhandene Hundsrose mit ihren Blüten etwa zehn Wildbienenarten und 103 zum Teil sel- tenen Insekten Pollen und Nektar. Zusätzlich stellt sie zehn Säugern und 27 Vogelarten Früchte bereit (Reinhard Witt 1995). Die freien Flächen werden nach spezieller Bodenvorbereitung mit den Saatgutmischungen „Wärmeliebender Saum“, „Schmet- terlingssaum“ und „Feldblumenmischung“ sowie Einzelarten und Initialstauden naturnah begrünt. Diese weisen einen besonderen Reichtum an Wildblumen auf, die als Futterpflanzen für Insekten, insbesondere Wildbienen, Schmetterlinge und ihre Raupen dienen. Einige Pflanzen brauchen zum Teil mehrere Jahre bis sie zur Blüte kommen, andere zeigen sich nur in einjähriger Pracht. Durch eine gezielte Auswahl verschiedener Mischungen wird ein fließender Übergang von kurzlebigen zu konkurrenzstärkeren, ausdauernden Arten geschaffen. Durch den raschen Blüheffekt einiger Arten wird Akzeptanz für die neue Gestaltung geschaffen. Die spärliche Unterbepflanzung der Verkehrsinseln mit exotischen Kleinsträuchern soll durch eine artenreiche Pflanzung und Einsaat heimischer Wildblumen („Verkehrsinselmischung“ Rieger-Hoffmann GmbH) ersetzt werden. Pflege Nach der Bestandsentwicklung sollten die Ansaatflächen im Herbst oder besser noch im Frühjahr mit einem Balkenmäher und/oder Freischneider, wenn möglich zeitlich versetzt, abgeräumt werden, damit sich die Pflanzen erneut aussamen können. Ein Schnitt der niedrig wachsenden Gehölze ist nicht vorgesehen, um die Entwick- lung einer Krautschicht zu ermöglichen. Ökologischer Gehölzschnitt und artenreicher Schattensaum Entlang der östlichen und westlichen Grundstücksgrenze verläuft ein etwa vier Meter hoher gemischter Laubgehölzstreifen mit überwiegend heimischen, teils durch Vögel eingebrachten Arten wie z. B. Hainbuche, Hasel, Hartriegel, Weißdorn, Kornelkirsche und Strauchrosen. Der Gehölzstreifen muss aufgrund der Verkehrssicher- heit und aus Platzgründen in regelmäßigen Abständen kontrolliert und ggf. rückgeschnitten werden. Einige Pflanzen sind auch im Winter attraktive Wintersteher – ihre Stängel dienen verschiedenen Insektenarten als Winterquartier und ihre Samenstände als Nahrungsquelle für Vögel. 48 Quelle: Rieger-Hofmann GmbH Der Baum- und Heckensaum um das Gelände wurde bereits selektiv zugunsten der heimischen Gehölze ausgelichtet. Zudem können durch die Auslichtung potentielle Konflikte mit dem Werksverkehr und der Nachbarschaft vermieden werden. Durch Einsaat und Initialpflanzung werden blühende Pflanzen der Artengesellschaften Wald und Waldrand (z. B. Hohler Lerchensporn) angesiedelt. Sie liefern zahlreichen Insekten wie z. B. Wildbienen wertvolle Nahrung. Anfallendes Schnittgut wird auf dem Gelände gezielt an geschützten Stellen aufgeschichtet und bietet als Totholzstruktur Versteck, Nist- und Lebensraum für eine Vielzahl von Pilzen, Insekten, Vögeln und Kleinsäugern. Pflege Im Gehölzsaum geschaffene offene Bereiche sollten durch Mahd niedrig gehalten werden, um eine erfolgreiche Entwicklung der ausgesäten Wildkräuter zu gewährleiten. Regenwasserversickerung und Mitarbeiteraufenthaltsbereich Um Regenwasser auf dem Firmengelände versickern zu lassen und gleichzeitig für die Mitarbeitenden vor Ort eine „Ruhe-Oase“ zu schaffen, ist die Anlage einer wechselfeuchten Fläche mit angren- zendem Sitzplatzbereich vorgesehen. Durch die lokale Versickerung wird ein Beitrag zur Grundwasserbildung geleistet, ein wertvolles Biotop geschaffen und es werden möglicherweise Abwassergebüh- ren eingespart. Eine Geländemulde nördlich der Werkstatt (rund 1.200 Quadrat meter) bietet sich für die Regenwasserversickerung an. Der Bereich wurde bisher von den Mitarbeitenden als Aufenthaltsort in Pausen wenig genutzt und soll durch die Umgestaltung ästhetisch aufge- wertet und damit attraktiver werden. Das Gelände wird so model- liert, dass sich das von der angrenzenden Dachfläche eingeleitete Wasser ansammeln und durch ein Rohr in den benachbarten Bereich der Mulde fließen kann. Die Randbereiche der Mulde wer- den begradigt, um den Zugang zu ermöglichen und die Pflege zu erleichtern. Vorhandene Abwasserschächte verhindern ein Überlau- fen der Mulde auf angrenzende Flächen. Die „Uferzone“ wird mit Steinen angelegt und kann Tieren Unterschlupf bieten. Die Fläche wird hergerichtet und mit einer Kombination der Saatgutmischun- gen „Ufermischung“, „Feuchtwiesenmischung“ bzw. in den trocke- nen Bereichen „Blumenrasen“ der Rieger-Hofmann GmbH eingesät, die soweit verfügbar, aus Mitteldeutschland stammen. Durch die Anlage der Versickerungsmulde wird der Tierwelt Wasser bereitgestellt. Die Mitarbeitenden erleben die Bedeutung der Fläche als Trink- und Waschgelegenheit der Tiere und ihre Relevanz für den Nestbau z. B. von Hornissen und Schwalben. Pflege Nach der Bestandsentwicklung ist die Fläche in mehrjährigem Ab- stand nach Bedarf zu pflegen. Abgestorbene Pflanzenteile werden händisch bzw. mit Hilfe eines Rechens entfernt. Mitarbeiterparkplatz der Firmenzentrale in Göttingen 49 Nisthilfen für Insekten, Vögel und Kleinsäuger Eine Vielzahl an Nisthilfen wird an verschiedenen Stellen auf dem Gelände angebracht und ermöglicht eine gezielte Ansiedelung von Hornissen, Wildbienen, Fledermäusen und verschiedenen Vogelar- ten. Zusätzlich soll eine publikumswirksame Wildbienen-Nisthilfe in der Nähe eines Wildblumensaums platziert werden. Mitarbeitende, Gäste, Kundinnen und Kunden haben hier die Gelegenheit ganz nah das Werk der – für den Menschen völlig ungefährlichen – Wildbienen zu bestaunen. Das Firmengelände wird so zu einem „Trittsteinbio- top“ für verschiedene lokale Arten. Die Nisthilfen sollen durch die Mitarbeit von Auszubildenden entstehen. Lessons learnt und Ausblick Für jedes Firmenareal eine individuelle Lösung Auch auf einem Gelände mit schwierigen Ausgangsbedingungen gibt es naturnahe Gestaltungsmöglichkeiten. Herausforderung für die ZUFALL logistics group sind ein – typisch für Logistikun- ternehmen – hoher Anteil an Verkehrsbereichen sowie zahlreiche pflegeintensive und beanspruchte Rest- und Randflächen. Bei der naturnahen Umgestaltung werden daher gezielt Refugien für eine Vielzahl heimischer Pflanzen- und Tierarten geschaffen, die an die örtlichen Standortbedingungen angepasst und besonders wider- standsfähig sind. Magerflächen und standortangepasste Planung reduzieren den Pflegeaufwand, sparen dadurch Kosten und erhöhen zugleich die lokale biologische Vielfalt. Kontakt im Unternehmen: Gunnar Heunisch Zentralleiter Qualitäts- und Umweltmanagement E-Mail: Gunnar.Heunisch@zufall.de Paletten mit Nisthilfen und seitlichem Wohnraum für Fledermäuse Der Baum- und Heckensaum um das Gelände wurde bereits selektiv zugunsten der heimischen Gehölze ausgelichtet. Aus ausgedienten Paletten können vielfältige Nisthilfen entstehen. Diese können im Rahmen einer Mitarbeiteraktion gebaut werden. Das Unternehmen im Interview Redaktion: Was muss Ihrer Erfahrung nach bei Planung und Umsetzung eines naturnahen Firmengeländes besonders be- rücksichtigt werden? Peter Müller-Kronberg: Eine fachgerechte Pflegeanweisung und Begleitung der Umsetzung spielt eine wichtige Rolle, damit die naturnahe Gestaltung auf dem Firmenareal einen langen Bestand hat. Hier ist die Anlage einer wechselfeuchten Fläche mit angrenzendem Sitzplatzbereich vorgesehen. 50 Häufige Fragen und Erfahrungen Wann ist der beste Zeitpunkt, um mit der naturnahen Gestaltung zu beginnen? Grundsätzlich ist eine naturnahe Gestaltung zu jedem Zeitpunkt möglich und sinnvoll – auch bei bestehenden Firmengeländen. Eine naturnahe Planung des Außengeländes bereits von Beginn an, bie- tet bei der Planung eines neuen Standorts oder Gebäudes aber die größten Vorteile bei zugleich niedrigstem Aufwand: So können sich die – überschaubaren – Mehrkosten einer naturnahen Gestaltung im Vergleich zu einer „normalen“ Gestaltung aufgrund der tenden- ziell niedrigeren Unterhaltskosten naturnaher Flächen mittelfristig amortisieren. Bestimmte Vorteile der naturnahen Gestaltung lassen sich auch nur erreichen, wenn man gleich zu Beginn naturnah plant: Durch die frühe Entscheidung für eine naturnahe Gestaltung konnte beispielsweise bei der INAST Abfallbeseitigungs GmbH der Ausgleichsbedarf für Flächenversiegelungen erheblich reduziert werden. Auch liegt im Zuge von Baumaßnahmen oftmals ohnehin der Rohboden offen, was der beste Ausgangszustand für naturnahe Einsaaten bzw. Pflanzungen ist. Auch eine naturnahe Gestaltung „im Bestand“ ist aber durchaus realistisch und sinnvoll. Allerdings muss man dann die Umgestaltungsstrategien anpassen und entweder mehr Geduld mitbringen (Aufwertung durch Pflege) oder höhere Investitionen z. B. für die Bodenvorbereitung in Kauf nehmen, wenn man schneller einen Effekt wünscht. Wieviel Naturnähe ist sinnvoll und mindestens nötig? Hierzu gibt es in der Naturgartenszene sehr unterschiedliche Ansich- ten. Wir sind grundsätzlich der Auffassung, dass auch kleine Beiträge eine Wirkung haben und orientieren uns am niederschwelligen Ansatz der Schweizer Stiftung Natur und Wirtschaft, d. h. 30 Prozent naturnahe Flächen. Das mag sich nach viel anhören, ist aber für die meisten Unternehmen machbar, da es um 30 Prozent der unbe- bauten Fläche geht und Fassaden- und Dachbegrünungen sowie versickerungsfähige Verkehrsflächen als naturnahe Flächen gelten. Die Erfahrungen aus der Schweiz zeigen, dass langfristig sehr hoch- wertige Flächen entstehen und viele Unternehmen im Laufe der Jahre immer mehr Lust auf weitere naturnahe Flächen bekommen. Die Kriterien der Stiftung Natur und Wirtschaft können eingesehen werden unter: http://www.naturundwirtschaft.ch/mitmachen.html Wie finden interessierte Unternehmen einen naturnah arbeitenden Planer oder Gärtner? Auf den Internetseiten des Naturgarten e.V. finden sich Listen naturnah arbeitender Gärtner und Planer: www.naturgarten.org. Der Naturgarten e. V. kooperiert außerdem mit dem Bioland e. V.. Die beiden Vereine vergeben gemeinsam das Label „Empfohlen von Bioland“, mit dem sowohl Fachbetriebe als auch konkrete Flächengestaltungen ausgezeichnet werden können. Selbstver- ständlich können auch viele Fachbetriebe des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. (BGL) eine naturnahe Gestaltung umsetzen. Hier sollte man aber dezidiert nachfragen, ob der Betrieb eine naturnahe Gestaltung im Angebotsportfolio hat und die Verwendung heimischer, regionaltypischer Pflanzen, Gehölze und Saatguts einfordern. Für viele Regionen können Heinz Sielmann Stiftung, Bodensee-Stiftung und Global Nature Fund aber auch Naturgartenprofis empfehlen, mit denen wir im Projekt „Naturnahe Gestaltung von Firmengeländen“ kooperiert haben. Weitere Infor mationen auf www.naturnahefirmengelaende.de. Können auch naturnah arbeitende Gestaltungsprofis große und komplexe Projekte stemmen, die den Betriebsablauf berücksichtigen? Ja. Allerdings ist die „Szene“ der Naturgartenprofis sehr vielfältig: Neben Landschaftsarchitekten und Landschaftsarchitektinnen, Landschaftsplanern und Landschafsplanerinnen, -gärtnern und -gärtnerinnen etc. gibt es zahlreiche Quereinsteiger und Ein-Mann- oder Ein-Frau-Betriebe, die ihre Erfahrungen bei der Gestaltung von Kindergärten oder anderen Flächen der öffentlichen Hand gesam- melt haben. Die Gestaltung von Gewerbeflächen hingegen ist für viele noch neu. Dies stellte allerdings im Projekt kein Hindernis dar: Naturgartenprofis sind sehr gut untereinander vernetzt und bilden bei Bedarf Konsortien, in denen die notwendigen Kompetenzen vertreten sind. Man sollte sich aber recht früh darüber verständigen, ob beispielsweise ein Angebot nach HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) erwartet wird oder welche Planzeich- nungen genau benötigt werden. Beispielsweise haben nicht alle Naturgartenexperten eine CAD-Software, sondern erstellen ihre Plä- ne von Hand. Das bedeutet nicht, dass sie unpräzise oder weniger sorgfältig arbeiten, erschwert aber unter Umständen den Austausch von Plänen unter den beteiligten Fachplanern. 51 Was sollten Naturgartenprofis in der Zusammenarbeit mit Unternehmen – oder wenn sie mehr Unternehmen als Kunden gewinnen wollen – beachten? Auch wenn viele Unternehmen, die sich für eine naturnahe Gestal- tung interessieren, einen gewissen Idealismus mitbringen, ist eine naturnahe Gestaltung nur eine Option neben der „normalen“ Gestal- tung. Man wird in seiner Arbeitsweise an konventionellen Gestaltern bzw. Gestalterinnen und Umsetzern bzw. Umsetzerinnen gemessen. Dies kann für kleinere Naturgartenfachbetriebe unter Umständen schwierig sein, da man – gerade bei größeren Projekten – mit Pla- nern bzw. Planerinnen und Gärtnern bzw. Gärtnerinnen konkurriert, die jeden Aspekt ihrer Arbeit optimiert haben: Dies reicht von der Darstellung von Referenzprojekten bis zur standardisierten Erstellung von Leistungsverzeichnissen und Angeboten. Dies führt unserer Erfahrung manchmal dazu, dass Angebote eines Naturgartenprofis – obwohl inhaltlich exzellent – allein aufgrund kleiner Form- und Schönheitsfehler nicht zum Zuge kommen. Unternehmen erwarten eine pragmatische Herangehensweise, die auf Einschränkungen, die sich aus dem Betriebsablauf ergeben, eingeht. Sie erwarten vom Dienstleister verbindliche und transparente Kosten-Leistungsange- bote, klare Zeitangaben zum Zeitraum der Planung und Umsetzung, gut aufbereitete Entscheidungsgrundlagen und eine professionelle Anleitung des Planungsprozesses sowie der eingebunden Unter- nehmensvertreter bzw. Unternehmensvertreterinnen. Dabei muss auch die Bereitschaft bestehen, auf dynamische und langwierige Entscheidungsprozesse flexibel einzugehen. Wir empfehlen Naturgartenprofis, auch Maßnahmen wie die Auf- wertung durch Pflege und vorübergehend nützliche Maßnahmen wie mehrjährige Blühflächen in ihr Repertoire aufzunehmen und sich nicht an dem, was „im besten Fall machbar wäre“ festzubeißen. Dazu kann auch gehören, ein Nebeneinander von konventionellen und naturnahen Bereichen zu akzeptieren. Wie kann ich als Planer bzw. Planerin oder Gärtner bzw. Gärtnerin, die bisher „nur“ konventionelle Projekte gemacht hat, in das Thema einsteigen? Der Naturgarten e. V. bietet einen „Profilehrgang“ an, der über zwei Jahre hinweg das notwendige Wissen berufsbegleitend – auch anhand praktischer Beispiele – vermittelt. Grundsätzlich sollte ein Planer bzw. eine Planerin oder Gärtner bzw. Gärtnerin aber auch sehr gut in der Lage sein, sich das notwendige (theoretische) Wissen über die einschlägige Literatur zu erarbeiten. Wir denken aber, dass dem Erfahrungsaustausch eine besondere Bedeutung zukommt: „Naturnahe Gestaltung“ geht nicht „von der Stange“ und mit vollständig vorgefertigten Lösungen. Da hilft der Austausch mit Kollegen und Kolleginnen, die beim einen oder anderen Aspekt Erfahrungen sammeln konnten. Welche Förderungen für naturnahe Firmengelände gibt es? Es gibt stellenweise lokale oder regionale Förderprogramme für einzelne Maßnahmen, wie beispielsweise Gründächer. Außerdem gibt es indirekt „Förderungen“ – beispielsweise durch die gesplittete Abwassergebühr, wenn man Niederschlagswasser vor Ort naturnah versickert. Daneben kann man – wenn man sich über die zukünftige Verwendung der Flächen im Klaren ist – auch Ökopunkte auf dem Firmengelände generieren. Allerdings ist dann kein Zugriff auf die fragliche Fläche mehr gegeben. Gibt es Probleme mit dem Artenschutz? Der gesetzliche Artenschutz gilt unabhängig von der Flächenge- staltung: Kommt eine streng geschützte Art vor, ist die Art geschützt und ihr Lebensraum kann nicht einfach entfernt werden. Dies sollte man bei der naturnahen Gestaltung berücksichtigen und beispielsweise auf Baulandreserven nur Maßnahmen umsetzen, die vorübergehend oder nur durch regelmäßige Eingriffe des Menschen Bestand haben (z. B. mehrjährige Blühflächen, deren Saatgut sich nach drei bis fünf Jahren erschöpft. Hochwertige Biotope für Eidech- sen oder Amphibien, wie etwa Trockenmauern oder Feuchtbiotope, haben auf solchen Flächen nichts verloren. Ein Unternehmen sollte deshalb den Na- turgartenprofi darauf aufmerksam machen, wenn eine Fläche nur vorübergehend zur Verfügung steht und Naturgartenplaner bzw. -planerinnen und -gärtner bzw. -gärtnerinnen sollten die Flächenverfüg- barkeit abfragen und die Maßnahmen entsprechend anpassen. 52 Informationsquellen / Literaturtipps Allgemeine Informationen Netzwerk Naturnahe Firmengelände www.naturnahefirmengelaende.de Unternehmen Biologische Vielfalt 2020 www.biologischevielfalt.de/ubi_2020.html Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt https://www.bfn.de/0304_biodivstrategie-nationale.html Kurzfilm „NATURWERT – Artenschutz und Möglichkeiten der naturnahen Gestaltung von Firmengeländen“ https://youtu.be/awRKtuLnErw Praxishilfen: Leitfäden, Selbstcheck und Maßnahmensteckbriefe Selbstcheck für Unternehmen: Bodensee-Stiftung, Heinz Sielmann Stiftung, Global Nature Fund (2015): Selbstcheck – Potentiale für die naturnahe Gestaltung am Unternehmensstandort http://naturnahefirmengelaende.de/ SelbstcheckUnternehmensstandort.html Bundesamt für Naturschutz (BfN) (2015): Broschüre „Wege zum naturnahen Firmengelände – 21 Ideen für mehr Artenvielfalt auf Unternehmensflächen: von einfach bis aufwendig“: http://naturnahefirmengelaende.de/ WegeZumNaturnahenFirmengelaende.html Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden- Württemberg (LUBW) (2013): Moderne Unternehmen im Einklang mit der Natur. Leitfaden für ein naturnahes Betriebsgelände: www.naturnahefirmengelaende.de/ LeitfadenNaturnahesBetriebsgelaende.html Amt der Oö. Landesregierung-Naturschutzabteilung (2006): Wege zur Natur im Betrieb. Informationsmappe: http://www.land-oberoesterreich.gv.at/files/publikationen/ N_natur_infomappe.pdf Biodiversity in Good Company Initiative e.V. (Hrsg.) (2015): Modul 2 „Vor der eigenen Haustür aktiv werden – Ökologische Aufwertung von Firmenflächen“, in: Reihe „Einstiegswissen Unternehmen und biologische Vielfalt – Handlungsfelder & praktische Tipps“: http://www.business-and-biodiversity.de/fileadmin/user_upload/ documents/Aktivit%C3%A4ten/Infomodule_Einstiegswissen/ Infomodul_2_barrierefrei.pdf Maßnahmensteckbriefe Naturnahes Firmengelände www.naturnahefirmengelaende.de/Massnahmensteckbriefe.html Koordinierungsstelle „partnerschaft umwelt unternehmen“/BUND Lan- desverband Bremen e.V. (2015): diverse Handlungsempfehlungen: www.umwelt-unternehmen.bremen.de/Materialien_Downloads.html Wissenschaftsladen Bonn e.V. – Projekt Natur in Graue Zonen: - Pflanzmodule: http://www.natur-in-graue-zonen.de/index. php?id=50 - Tiere pflanzen – Beispiele und Anregungen für naturnahe Gestaltung: http://www.natur-in-graue-zonen.de/fileadmin/ Dateien_Natur_in_graue_Zonne/Texte_und_Print/Tiere_pflanzen_ geringer.pdf Gute Unternehmensbeispiele Heinz Sielmann Stiftung (2016): Broschüre „Naturnahe Firmenge- lände – Vorbildunternehmen aus Deutschland“ http://www.naturnahefirmengelaende.de/ NaturnaheFirmengelaendeVorbildunternehmenAusDeutschland.html Bodensee-Stiftung, Stiftung Natur und Wirtschaft und Amt der Vorarlberger Landesregierung; Abteilung Umweltschutz (2014): Broschüre „Naturnahe Firmengelände – Vorbildunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz“: http://naturnahefirmengelaende.de/ NaturnaheFirmengelaendeVorbildunternehmen.html Wissenschaftsladen Bonn e.V. (2016): Unternehmensflächen im Fokus – Mehrwert für Mensch, Natur und Unternehmen: http://www.natur-in-graue-zonen.de/fileadmin/Dateien_Natur_in_ graue_Zonne/Texte_und_Print/Unternehmensflaechen_im_Fokus.pdf IHK zu Dortmund (2016): Praxisbeispiele „WirtschaftsGrün – Naturnahe Gestaltung von Firmengeländen: http://naturnahefirmengelaende.de/ WirtschaftsGruenBroschuere.html http://naturnahefirmengelaende.de/SelbstcheckUnternehmensstandort.html http://naturnahefirmengelaende.de/SelbstcheckUnternehmensstandort.html http://naturnahefirmengelaende.de/SelbstcheckUnternehmensstandort.html http://naturnahefirmengelaende.de/SelbstcheckUnternehmensstandort.html www.naturnahefirmengelaende.de/LeitfadenNaturnahesBetriebsgelaende.html www.naturnahefirmengelaende.de/LeitfadenNaturnahesBetriebsgelaende.html http://www.land-oberoesterreich.gv.at/files/publikationen/N_natur_infomappe.pdf http://www.land-oberoesterreich.gv.at/files/publikationen/N_natur_infomappe.pdf http://www.business-and-biodiversity.de/fileadmin/user_upload/documents/Aktivit%C3%A4ten/Infomodule_Einstiegswissen/Infomodul_2_barrierefrei.pdf http://www.business-and-biodiversity.de/fileadmin/user_upload/documents/Aktivit%C3%A4ten/Infomodule_Einstiegswissen/Infomodul_2_barrierefrei.pdf http://www.business-and-biodiversity.de/fileadmin/user_upload/documents/Aktivit%C3%A4ten/Infomodule_Einstiegswissen/Infomodul_2_barrierefrei.pdf http://www.natur-in-graue-zonen.de/fileadmin/Dateien_Natur_in_graue_Zonne/Texte_und_Print/Tiere_pflanzen_geringer.pdf http://www.natur-in-graue-zonen.de/fileadmin/Dateien_Natur_in_graue_Zonne/Texte_und_Print/Tiere_pflanzen_geringer.pdf http://www.natur-in-graue-zonen.de/fileadmin/Dateien_Natur_in_graue_Zonne/Texte_und_Print/Tiere_pflanzen_geringer.pdf http://www.naturnahefirmengelaende.de/NaturnaheFirmengelaendeVorbildunternehmenAusDeutschland.html http://www.naturnahefirmengelaende.de/NaturnaheFirmengelaendeVorbildunternehmenAusDeutschland.html http://naturnahefirmengelaende.de/NaturnaheFirmengelaendeVorbildunternehmen.html http://naturnahefirmengelaende.de/NaturnaheFirmengelaendeVorbildunternehmen.html http://www.natur-in-graue-zonen.de/fileadmin/Dateien_Natur_in_graue_Zonne/Texte_und_Print/Unternehmensflaechen_im_Fokus.pdf http://www.natur-in-graue-zonen.de/fileadmin/Dateien_Natur_in_graue_Zonne/Texte_und_Print/Unternehmensflaechen_im_Fokus.pdf http://naturnahefirmengelaende.de/WirtschaftsGruenBroschuere.html http://naturnahefirmengelaende.de/WirtschaftsGruenBroschuere.html 53 Weiterführende Informationen: Bodensee-Stiftung (2012): Potenzialanalyse zur naturnahen Gestaltung von Firmenarealen in der Bodenseeregion: http://www.naturnahefirmengelaende.de/global/download/%7BWKCMTMUWGF-8192014142329-CKJVRZAYJU%7D.pdf Verbände und Initiativen: Naturgarten e.V.: www.naturgarten.org Fachvereinigung Gebäudebegrünung e.V.: www.fbb.de Deutscher Dachgärtner Verband (DDV): www.dachgaertnerverband.de Stiftung Natur und Wirtschaft (Schweiz): www.naturundwirtschaft.ch Informations- und Bezugsquellen Nisthilfen: NABU (Naturschutzbund Deutschland)-Online Shop: SCHWEGLER Vogel- und Naturschutzprodukte GmbH: www.nabu-natur-shop.de www.schwegler-natur.de LBV (Landesbund für Vogelschutz in Bayern e. V.) NATUR Shop: Naturschutzcenter (Auswahl an Naturschutzprodukten): www.lbv-shop.de www.naturschutzcenter.de Bezugsadressen Wildpflanzen und heimisches Saatgut: Ahornblatt GmbH Bioland-Baumschule Kräuter- und Wildpflanzen- Staudengärtnerei Tangermann Gehölze, Kletterpflanzen, PFLANZLUST gärtnerei Strickler Stauden Wildrosen Gehölze (u.a. alte Obstsorten), Bioland Stauden & Gehölze, www.tangermann-stauden.de www.Ahornblatt-Garten.de Kletterpflanzen und Stauden Saatgut, Alte Rosensorten www.pflanzlust.de www.gaertnerei-strickler.de Syringa Duftpflanzen Appels Wilde Samen GmbH und Kräuter Wildpflanzensaatgut Bioland-Baumschule Rieger Hofmann GmbH Saatgut, Wildstauden www.appelswilde.de Frank Wetzel Regionalsaatgut www.syringa-pflanzen.de Obstbäume www.rieger-hofmann.de Bingenheimer Saatgut www.biolandbaumschule.de Ökologisches Saatgut Rosenschule Ruf www.bingenheimersaatgut.de Foerster Stauden GmbH Bioland Rosen Wildstauden, Kräuter www.rosenschule-ruf.de Bioland-Baumschule Aloys www.foerster-stauden.de Pöhler; Staudengärtnerei Saaten Zeller GmbH und Co KG Gehölze, Kletterpflanzen und F.-O. Lürssen Baumschulen Biosaatgut, Regionalsaatgut Stauden GmbH & Co. KG www.Saaten-Zeller.de www.bioland-baumschule.de Gebietsheimische Gehölze www.forstbaum.de Staudengärtnerei Gaissmeyer Bioland Gärtnerei Haas GmbH & Co. Kg Kräuter, Nutzpflanzen, Rosen Hof Berggarten Bioland Stauden www.bioland-gaertnerei-haas.de Bioland Saatgut und Stauden, www.staudengaissmayer.de Blumenzwiebeln www.hof-berggarten.de 54 Mitmachen Interesse an Biodiversität und naturnaher Gestaltung? Checkliste für „do-it-yourself-Einsteiger“ Wenn Sie sich schnell einen ersten Überblick verschaffen wollen, was an guten Ansätzen und Verbesserungspotentialen auf Ihrem Firmengelände vorhanden ist, ist unser vierseitiger „Selbstcheck“ genau das Richtige. Download: www.naturnahefirmengelaende.de im Bereich „Service/Downloads“. Literatur für den pragmatischen Einstieg Die Broschüre „Wege zum naturnahen Firmengelände“ stellt 21 Ideen für mehr Artenvielfalt auf Unternehmensflächen vor. Steckbriefhaft werden die Voraussetzungen, Vorteile, praktische Tipps und die ökologischen Effekte beschrieben. Die Broschüre wurde im Rahmen des Projektes NATURWERT vom Institut für ökologische Wirtschafts- forschung (IÖW) in Zusammenarbeit mit der Bodensee-Stiftung, dem Global Nature Fund und der „Biodiversity in Good Company“ Initiative erstellt. Download: http://naturnahefirmengelaende.de/ WegeZumNaturnahenFirmengelaende.html Profitieren von den Erfahrungen anderer Auf www.naturnahefirmengelaende.de finden Sie zahlreiche Fallstudien und Beispiele von Unternehmen, die ihr Firmengelände naturnah gestaltet haben. Heinz Sielmann Stiftung, Bodensee-Stif- tung und Global Nature Fund bauen außerdem mit Unterstützung des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. ein „Praktikernetzwerk zur naturnahen Gestaltung von Firmengelän- den“ auf, das Unternehmen, Gärtnern und Planern den Austausch von Erfahrungen und naturnahen Lösungsmöglichkeiten erlaubt. Individuelle Beratungen zu Aufwertungspotentialen auf Ihrem Firmengelände Unsere erfahrenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Heinz Siel- mann Stiftung, der Bodensee-Stiftung und des Global Nature Fund verschaffen Ihnen einen Eindruck von den Chancen, die Ihr Gelände für die Natur und Ihr Unternehmen bietet. Bereit für den nächsten Schritt? Die umfangreichen Biodiversity-Checks untersuchen alle Unterneh- mensbereiche und ihren Bezug zur biologischen Vielfalt. Unterneh- men erhalten konkrete Empfehlungen für Ziele und Maßnahmen, um negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt zu minimieren. Der Biodiversity Check kann als Umweltprüfung zum Handlungsfeld Biodiversität für EMAS und ISO 14001 genutzt werden. Noch Fragen? Unter www.naturnahefirmengelaende.de finden Sie Ihre Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner. Bodensee-Stiftung Marion Hammerl, Sven Schulz Telefon: +49(0)7732/999 540 E-Mail: marion.hammerl@bodensee-stiftung.org E-Mail: sven.schulz@bodensee-stiftung.org Global Nature Fund - Büro Bonn Stefan Hörmann Telefon: +49(0)228/184 869 411 E-Mail: hoermann@globalnature.org Heinz Sielmann Stiftung Michael Beier Telefon: +49(0)5527/914-444, mobil: +49(0)170-920 87 87 E-Mail: michael.beier@sielmann-stiftung.de http://naturnahefirmengelaende.de/WegeZumNaturnahenFirmengelaende.html http://naturnahefirmengelaende.de/WegeZumNaturnahenFirmengelaende.html mailto:michael.beier%40sielmann-stiftung.de?subject= Diese Broschüre ist eine Veröffentlichung des Projekts „Naturnahe Gestaltung von Firmengeländen“. Förderer: Partner: Vorwort Einführung Leuchtturmprojekte: INAST Abfallbeseitigungs GmbH Voelkel / Elbtalaue Naturkostprodukte Berliner Wasserbetriebe Kulturquartier Münster Biohotel Mohren ZUFALL logistics group Häufige Fragen und Erfahrungen Informationsquellen / Literaturtipps Mitmachen
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