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Offenbacher Dialog zum Thema „Beitrag der Wirtschaft zur Gesamtverteidigung“


[Offenbach am Main, 17. April 2026] Wie ist die aktuelle sicherheitspolitische Lage? Was bedeutet der Operationsplan Deutschland für die Wirtschaft und wie können Unternehmen ihre Resilienz stärken? Um diese Fragen ging es beim Offenbacher Dialog am 16. April 2026 in der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach am Main.

Zu Gast war Brigadegeneral Holger Radmann, Kommandeur des Landeskommandos Hessen. Er erläuterte die sicherheitspolitischen Herausforderungen und stellte den Operationsplan Deutschland vor, der die militärische Landes- und Bündnisverteidigung regelt.

Radmann berichtete, dass sich die Bedrohungslage in Deutschland und Europa vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine nicht nur vorübergehend, sondern dauerhaft verändert habe. Sabotageakte, Drohnenflüge über kritischer Infrastruktur, hybride Angriffe und Desinformationskampagnen zeigten, dass Deutschland Teil eines umfassenden Spannungsfeldes sei. Die Wirtschaft insgesamt und die Widerstandsfähigkeit von Unternehmen sei hier von besonderer Bedeutung.

Verteidigung nicht länger ein rein militärisches Thema

Radmann betonte: „Der Operationsplan Deutschland macht klar: Unternehmen sind die Säule nationaler Resilienz – von den Ressourcen bis zur kritischen Infrastruktur. Gerade für Unternehmen bedeutet das, Verteidigung nicht länger als rein militärisches Thema zu betrachten, sondern als Teil ihrer eigenen Risiko-, Standort- und Zukunftsstrategie zu verstehen.“ Wer heute seine Lieferketten, seine Infrastruktur und seine Mitarbeitenden im Licht möglicher Krisen denke, stärke nicht nur die Landes- und Bündnisverteidigung, sondern auch die eigene Wettbewerbsfähigkeit.

IHK-Präsidentin Kirsten Schoder-Steinmüller machte deutlich, dass der Themenkomplex Gesamtverteidigung nicht nur Strategien, Pläne oder sicherheitspolitische Konzepte umfasst, sondern auch konkrete, praktische Aspekte mitten aus dem unternehmerischen Alltag. Ebenso wies sie darauf hin, dass es bei der Beschäftigung mit Krisenvorsorge nicht um Panikmache gehe oder darum, Bedrohungen dramatisch auszumalen, sondern darum, sich mit der eigenen Situation verantwortungsvoll auseinanderzusetzen. „Resilienz beginnt nicht erst in der Krise. Sie beginnt vorher – mit dem ehrlichen Blick auf die eigene Situation, mit klar definierten Zuständigkeiten und belastbaren Abläufen, und mit der konsequenten Umsetzung präventiver Maßnahmen“, betonte Schoder-Steinmüller.

Im Gespräch erörterten Brigadegeneral Radmann und IHK-Hauptgeschäftsführer Markus Weinbrenner neben der Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und Europas ebenso die Frage, wie Unternehmen ihre Resilienz stärken können. Fragen an das Publikum mit Abstimmungsmöglichkeit luden die Gäste dazu ein, die Rolle ihrer Unternehmen im Rahmen der Gesamtverteidigung zu reflektieren und einzuschätzen, wie gut sie auf Krisenszenarien vorbereitet sind.