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DIHK-Umfrage „Going International 2026“


Rekord bei Handelshemmnissen – USA werden zum Bremsklotz, Chancen in Indien und Lateinamerika

Die internationale Geschäftstätigkeit deutscher Unternehmen steht zunehmend unter Druck. Laut der aktuellen DIHK‑Umfrage „Going International 2026“ berichten 69 Prozent der auslandsaktiven Unternehmen von einer Zunahme an Handelshemmnissen – so viele wie nie seit Beginn der Erhebung. Die Stimmung bleibt trotz leichter Erholung insgesamt verhalten. Die Umfrage basiert auf Rückmeldungen von 2.400 Unternehmen, die zwischen dem 2. und 13. Februar 2026 befragt wurden – und damit noch vor Ausbruch des Krieges im Nahen Osten.

Zölle und neue Regulierungen als Hauptprobleme

Knapp zwei Drittel der betroffenen Unternehmen sehen sich mit gestiegenen Zöllen konfrontiert, besonders im Handel mit den USA, wo die Belastungen besonders deutlich ausfallen. Dies schlägt sich in stark eingetrübten Geschäftserwartungen nieder. Zusätzlich sorgen nicht-tarifäre Handelshemmnisse wie lokale Zertifizierungspflichten, striktere Sicherheitsanforderungen sowie Exportkontrollen für erhebliche Belastungen – vor allem im US‑ und Chinageschäft.

EU-Regulierung als zusätzlicher Kostentreiber

Auch innerhalb Europas steigen die Anforderungen: 83 Prozent der Unternehmen empfinden EU‑Regulierungen – etwa Lieferkettenauflagen, Dokumentationspflichten, Verpackungsvorschriften oder den CO₂‑Grenzausgleich – als Belastung für ihr Auslandsgeschäft.

Neue Märkte rücken in den Fokus

Viele Unternehmen orientieren sich deshalb strategisch neu. Besonders Indien sowie Lateinamerika gewinnen als Absatzmärkte an Bedeutung. Hoffnung setzen die Unternehmen auf Fortschritte bei Handelsabkommen wie dem geplanten EU‑Indien‑Abkommen oder dem unterzeichneten EU‑Mercosur‑Abkommen, um den Marktzugang zu erleichtern.

Die wesentlichen Ergebnisse der Umfrage lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

  1. Die Geschäftsperspektiven der exportierenden deutschen Unternehmen sind weniger pessimistisch als in den vergangenen beiden Jahren. Doch die zunehmenden Handelshemmnisse sorgen international für massiven Gegenwind bei den Auslandsgeschäften. Das verhindert eine positivere Entwicklung des globalen Handels. Die Geschäftsperspektiven bleiben damit unter dem Strich weiterhin negativ. Lichtblicke sind die positiven Erwartungen an die Geschäfte in Indien und Lateinamerika. Diese werden allerdings durch eine starke Eintrübung im US-Markt und eine immer noch überbordende europäische Regulierung überschattet. 
  2. Die globalen Handelshemmnisse für deutsche Unternehmen bei ihren Auslandsgeschäften haben einen Höchststand erreicht (69 Prozent nach zuvor 58 Prozent). Geopolitische Spannungen und wachsender Protektionismus vieler Staaten sorgen für Verschiebungen im Welthandelssystem. Die zunehmende Abkehr vom freien Welthandel trifft besonders die exportorientierte deutsche Wirtschaft und dabei den Mittelstand hart. 
  3. Die Belastungen für die Auslandsgeschäfte deutscher Unternehmen unterscheiden sich je nach Weltregion deutlich. Unternehmen, die eine Zunahme an Handelshemmnissen bei ihren internationalen Geschäften wahrnehmen, nennen dabei folgende Hürden: Knapp zwei Drittel sehen sich mit höheren Zöllen konfrontiert – darunter sind die Zollerhöhungen beim US-Geschäft das Hauptthema. Bei ihren internationalen Geschäften nehmen die Unternehmen zudem Nicht-tarifäre Handelshemmnisse in Form von lokalen Zertifizierungsvorschriften oder verstärkten Sicherheitsanforderungen wahr (51 Prozent sowie 37 Prozent). Exportkontrollen stellen ebenfalls für mehr als ein Drittel (35 Prozent) der Unternehmen eine Herausforderung dar – vor allem bei ihren Geschäften mit den USA (41 Prozent) und mit China (29 Prozent).
  4. 83 Prozent der Unternehmen sehen hausgemachte Handelshemmnisse in Deutschland und Europa als Herausforderung für ihr internationales Geschäft. Die Regulierung im EU-Binnenmarkt beziehungsweise deutsche Vorgaben wirken für viele Unternehmen wie ein Bremsklotz. Beispiele sind die Sorgfalts- und Berichterstattungspflichten in Lieferketten, Auflagen der Verpackungsrichtlinie oder den EU-CO2-Grenzausgleich (CBAM). 42 Prozent der Unternehmen, die hausgemachte Herausforderungen beklagen, haben Probleme bei der Abwicklung ihres Auslandsgeschäfts, etwa durch lange Genehmigungszeiten des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) oder durch komplexe Verfahren bei der Zollabwicklung.
  5. Die Handelsbeziehungen zu den USA werden für deutsche Unternehmen zunehmend zum Risiko: Hier finden Sie die Sonderauswertung zu den USA

Die deutsche Wirtschaft bleibt international leistungsfähig, benötigt jedoch verlässlichere Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und mehr Tempo bei der Umsetzung von Handelsabkommen, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.