Wie die junge Generation die Wirtschaft verändert


[Offenbach am Main, 15. März 2019] Der Jahresempfang 2019 der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach am Main, am 14. März 2019 in der Messe Offenbach, stand unter dem Motto „Wirtschaftsfaktor Mensch“. Als Festredner sprach vor 550 Gästen Prof. Dr. Klaus Hurrelmann, Bildungsexperte und Jugendforscher an der Hertie School of Governance in Berlin, zum Thema „X, Y, Z – Wie die junge Generation die Wirtschaft verändert“.

Festredner des IHK-Jahresempfangs Prof. Dr. Klaus Hurrelmann (M.), Bildungsexperte und Jugendforscher an der Hertie School of Governance, mit IHK-Präsidentin Kirsten Schoder-Steinmüller (l.) und IHK-Hauptgeschäftsführer Markus Weinbrenner (r.) beim Eintrag in das IHK-Gästebuch.

Festredner des IHK-Jahresempfangs Prof. Dr. Klaus Hurrelmann (M.), Bildungsexperte und Jugendforscher an der Hertie School of Governance in Berlin, sprach in der Messe Offenbach vor rund 550 Gästen zum Thema „X, Y, Z – Wie die junge Generation die Wirtschaft verändert“.

Hurrelmann erklärte: „Jede Generation hat ihre Stärken und Schwächen. So ist es auch bei der heutigen jüngsten Generation, die in einer politisch und ökologisch unsicheren, voll digitalisierten Welt groß geworden ist. Sie ist in der Lage, viele Dinge auf einmal zu tun. Aber es fehlt ihr oft an der nötigen Ausdauer und Konzentration. Die Unternehmen tun gut daran, die jungen Leute ernst zu nehmen und ihnen einen festen Platz zur persönlichen Entfaltung anzubieten. Nur auf dieser Basis ist es möglich, sie für das Unternehmen zu interessieren und zur Mitarbeit zu gewinnen.“

IHK-Präsidentin Kirsten Schoder-Steinmüller erklärte in ihrer Begrüßung: „Aus- und Weiterbildung werden wichtiger denn je werden.“ Was passiere, wenn dies vernachlässigt werde, zeige ein EU-weites Beispiel. „Trotz hoher Arbeits- und vor allem hoher Jugendarbeitslosigkeit in etlichen EU-Ländern, nehmen Fachkräfteengpässe innerhalb der EU zu. Aus meiner Sicht liegt das ganz stark daran, dass die berufliche Aus- und Weiterbildung in vielen EU-Ländern entweder keinen großen Stellenwert besitzt oder nicht praxisnah genug ist. Sie müsste reformiert werden. Denn sie orientiert sich nicht genügend an den konkreten Bedarfen der Unternehmen. Mangelnde Durchlässigkeit zur und von der Hochschule macht den beruflichen Bildungsweg auch wenig attraktiv. So gibt es in der EU nur rund 3,2 Millionen Auszubildende. Dem stehen etwa 20 Millionen Hochschulstudierende gegenüber. Hier läuft etwas gewaltig am Bedarf vorbei.“

Ziel müsse sein, die berufliche Bildung auch europaweit für leistungsstarke Schulabgänger zu einem attraktiven Bildungsweg mit guten Karrierechancen auszugestalten. „Die berufliche Bildung muss eine attraktive  Alternative zum Hochschulstudium sein,“ fordert die IHK-Präsidentin und ergänzt: „Berufliche Bildung  ist für uns als IHK natürlich eine Kernkompetenz. Standardisierte Modelle in der beruflichen Bildung werden zukünftig den Bedürfnissen, sowohl der Unternehmen, als auch der potenziellen Fachkräfte nicht mehr gerecht. Die hohen Qualitätskriterien in der Aus- und Weiterbildung gilt es aufrecht zu erhalten. Aber die Wege dahin müssen vielfältiger werden. Aus Perspektive der Wirtschaft muss der Rahmen für individuelle und flexible Lösungen geschaffen werden.“
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