Wenn der Chef zum Feiern einlädt


Mit dem „Gesetz zur Anpassung der Abgabenordnung an den Zollkodex der Union und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften“ haben sich zum 1. Januar 2015 auch die Vorschriften für Betriebsveranstaltungen geändert.

Betriebsveranstaltungen sind Veranstaltun­gen auf betrieblicher Ebene mit gesellschaftlichem Charakter, bei denen die Teilnahme allen Angehörigen eines Betriebes, eines Teilbetriebs oder einer Abteilung offensteht (§ 19 Absatz 1 Nr. 1a Einkommenssteuerge­setz, EStG). Bis zu einer Freigrenze von 110 Euro pro Arbeitnehmer sind solche Betriebs­veranstaltungen steuerfrei.

Bisher konnte bei Überschreiten der Frei­grenze die ganze Veranstaltung pauschal mit 25 Prozent versteuert werden. Die Neu­regelungen machen nun aus der Freigrenze von 110 Euro einen Freibetrag in selber Höhe. Dies ist auf den ersten Blick zu be­grüßen, da in der Folge bei Überschreitung der 110 Euro Grenze deutlich weniger ­Steuer anfällt. Kostete eine Betriebsveranstaltung zum Beispiel 120 Euro pro Teilnehmer, so konnte der gesamte Betrag mit 25 Prozent (also mit 30 Euro) besteuert werden. Nach der Änderung müssen bei 120 Euro Gesamt­kosten pro Teilnehmer lediglich die zehn ­Euro über den 110 Euro pauschal versteuert werden, also 2,50 Euro.

Auf den zweiten Blick bringt die Gesetzesän­derung leider auch Nachteile mit sich. Künf­tig sollen alle Zusatzkosten rund um die Betriebsveranstaltung einbezogen werden. Dies betrifft zum Beispiel die Raummiete oder das Veranstaltungsprogramm ein­schließlich der Umsatzsteuer. Darüber hinaus müssen sich Mitarbeiter auch die Kosten zurechnen lassen, die für ihre Begleit­ personen entstehen. Die Folge ist ein schnel­leres Überschreiten des Freibetrages.

Dies widerspricht aber der Ansicht des Bundes­finanzhofes (BFH). Dieser hatte in seinen Entscheidungen aus dem Jahr 2013 klar fest­gestellt, dass die Kosten für die Begleitperson nicht dem Arbeitnehmer zuzurechnen sind und nur solche Aufwendungen in die 110 Euro-Grenze fallen, die der Arbeitnehmer unmittelbar konsumieren kann. Also insbe­sondere Speisen und Getränke, Musik und künstlerische Darbietungen.

Fazit: Durch die Neuregelungen im § 19 Ab­satz 1 Nr. 1a EStG sind die Vorschriften für Betriebsveranstaltungen deutlich verschärft worden. Unternehmer sollten sich im Vorfeld solcher Betriebsfeiern unbedingt mit den Neuregelungen auseinandersetzen und sehr genau die Kosten kalkulieren. Da der Freibe­trag künftig nur noch zweimal pro Jahr gel­ten soll, muss ein unnötiger Steueranfall unbedingt vermieden werden.

Autorinnen:

Lucia Branchi
Referendarin

Marianna Kartziou
Referentin