Offenbacher Dialog vor der US-Wahl


[Offenbach am Main, 30. Oktober 2020] Der erste digitale Offenbacher Dialog der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach am Main stand gestern Abend im Zeichen der US-Wahl. Vier weitere Jahre Donald Trump oder ein Neustart mit Joe Biden? Wie wirkt sich die US-Wahl auf die deutsche Wirtschaft aus? Mit welchen Änderungen müssen Unternehmen rechnen? Unter dem Titel „Trump, Trade, Turbulences – Amerika vor der Wahl“ diskutierten Experten aus Politik und Wirtschaft auf dem Podium und mit den online zugeschalteten Gästen.

Die Podiumsrunde in der IHK: v.l.n.r. Oliver Döring, Andreas Schwarzkopf, Candice Kerestan und Andreas Wunderlich

Digital zugeschaltet aus Berlin: Dr. George Weinberg

IHK-Präsidentin Kirsten Schoder-Steinmüller skizzierte: „Die Vereinigten Staaten sind der wichtigste Exportmarkt Deutschlands. Es gibt in den USA fast 5.500 deutsche Unternehmen. Diese Unternehmen investieren in den Vereinigten Staaten und schaffen rd. 650.000 Arbeitsplätze – mehr als amerikanische Unternehmen in Deutschland. Die deutsche Wirtschaft bewegt, wie sich die Wahl auf unseren Top-Exportmarkt und die Bedingungen für die transatlantischen Beziehungen auswirkt.“

Unter Moderation von Andreas Schwarzkopf vom Medienpartner der Veranstaltung, Frankfurter Rundschau, diskutierten für die regionale Wirtschaft Oliver Döring, Sales Director der Trützschler Nonwovens & Man-Made Fibers GmbH, Egelsbach und Andreas Wunderlich, Geschäftsführer des American Food Club, Heusenstamm zusammen mit den Vertretern der Politik Candice Kerestan, Chair der Democrats Abroad Germany und dem zugeschalteten Dr. George Weinberg, Geschäftsführer der Republicans Overseas Germany.

Die Teilnehmer der Podiumsrunde stimmten überein, auch nach der Wahl gelte: „Europa braucht Amerika und Amerika braucht Europa.“

Döring skizzierte aus der Praxis des auch in den USA produzierenden führenden Herstellers von Vliesstoff-Maschinen und Anlagen: „Wichtig ist, einen Planungshorizont und verlässliche Rahmenbedingungen auf dem amerikanischen Markt zu haben. Die Zollpolitik hat nicht nur die Stahlpreisentwicklung in die Höhe getrieben. Die daraus resultierende Zollabwicklung verzögert den Warenverkehr erheblich.“

Dr. Weinberg sprach sich in der Handelspolitik gegen einen unlauteren Wettbewerb aus. „Die Bedingungen müssen für alle Beteiligten fair sein. Die WTO (Word Trade Organisation) ist ein zahnloser Tiger, der diesen Rahmen nicht sicherstellen kann.“

Wunderlich appellierte als Importeur amerikanischer Waren auch an die deutsche und europäische Politik: „Dass die Europäer im Gegenzug Strafzölle auf Produkte aus den USA erheben, belastet die Konkurrenzfähigkeit in Deutschland ebenso. Hier ist auch die deutsche Politik gefordert, gemeinsam mit Europa mit einer Stimme zu sprechen und dabei die Belange gerade der mittelständischen Unternehmen im Fokus zu haben.“

Kerestan betonte: „Bei den Herausforderungen unserer Zeit - von der Pandemie bis zum Klima - wird Amerika den Weg nicht allein gehen können. Das wird nur in der Zusammenarbeit mit Deutschland und Europa gelingen. Starke Allianzen funktionieren nur mit zuverlässigen Partnern.“

In einer Online-Stimmungsumfrage beim Publikum schätzt nahezu die Hälfte den Wahlausgang noch ungewiss ein. Die Podiumsrunde war sich einig, dass ein eindeutiges Wahlergebnis wichtig sei für die zukünftigen Wirtschaftsbeziehungen und für den gesellschaftlichen Konsens in den USA.

Die IHK-Präsidentin betonte: „Ich wünsche dem zukünftigen Präsidenten, dass es ihm gelingt, sein Land wieder zu einen. Dies ist die Voraussetzung für Stabilität nach innen und außen. Nur so können eine solide Handelspartnerschaft und internationale Bündnisse wachsen.“

Im YouTube-Kanal der IHK Offenbach am Main können Sie die Diskussion in der Aufzeichnung nochmals verfolgen.
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