IHK-Präsidentin zu aktuellen Corona-Beschlüssen


Wirtschaft zeigt Verständnis und fordert ursachengerechte Anpassungen.

Wie die meisten Bürgerinnen und Bürger haben auch die Unternehmerinnen und Unternehmer großes Verständnis dafür, in der gegenwärtigen Situation mit einer exponentiell ansteigenden Infektionsrate alle nicht notwendigen Kontakte zwingend zu reduzieren. Wir begrüßen ein bundesweit einheitliches Vorgehen, weil dies die Akzeptanz und Transparenz der Maßnahmen erhöht. Richtig und für die Wirtschaft – insbesondere die Industrie – wichtig ist die politische Entscheidung Kindergärten und Schulen geöffnet zu halten. Nur so kann gewährleistet werden, dass die Menschen weiterhin arbeiten können. 

Wir hätten uns jedoch gewünscht, die Ursachen stärker in den Fokus zu nehmen. Nach den Zahlen des RKI sind die häufigsten Infektionsorte in den letzten Wochen nicht die Unternehmen gewesen, sondern der private Bereich. Weder Besuche in der Gastronomie, Einkaufen im stationären Handel noch touristische Übernachtungen haben die Infektionszahlen in die Höhe getrieben. Das zeigt uns: Alle Maßnahmen müssen einerseits verhältnismäßig und andererseits ursachengerecht sein. Somit trifft die Schließung der Gastronomie und der Dienstleistungsbetriebe im Bereich der Körperpflege genau die Falschen. Alle unsere gemeinsamen Anstrengungen, diese Gruppen heil durch die Krise zu bringen, werden konterkariert. Die Restaurants und Unternehmen haben in den vergangenen Monaten gezeigt, dass sie verantwortungsvoll mit der Situation umgehen und tragfähige Hygienekonzepte umsetzen können. Deswegen sollte möglichst rasch eine schrittweise Öffnung der Gastronomie und betroffenen Dienstleistungsbetriebe vorgenommen werden. 

Als erfreulich und fair finden wir die Regelung der „außerordentlichen Wirtschaftshilfe“ für die betroffenen Unternehmen bis 50 Mitarbeiter, die für finanzielle Ausfälle entschädigt werden. Hierbei hoffen wir auf eine zügige Bearbeitung und Auszahlung. Leider können mittelbar betroffene Unternehmen und Branchen diese Entschädigung nicht erhalten. Händler und Dienstleister, die Gastronomie und Hotels beliefern, leiden ebenso unter den Beschränkungen. Dies wird einschneidende Folgen für diese Betriebe, die Wirtschaft insgesamt und die gesamte Gesellschaft haben. 

Um aus diesem Lockdown und möglichen zukünftigen schnell herauszukommen, bedarf es einer konsequenten Nachverfolgung. Mir ist bewusst, dass die Ressourcen begrenzt sind. Hier gilt es mehr elektronische Instrumente einzusetzen. Beispielsweise könnten mit einer „elektronischen“ Einreisekarte in Form ein App Daten zügig an die zuständigen Gesundheitsämter weitergeleitet werden. Die Digitalisierung der Prozesse und Verknüpfung der Institutionen hätte auch einen nachhaltigen Modernisierungsschub zur Folge. 

Nur mit außerordentlicher Disziplin und Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln in allen Lebens- und Arbeitsbereichen werden wir gemeinsam durch die Krise kommen. Ich wünsche Ihnen dazu viel Kraft und eine große Portion Zuversicht!