IHK fordert internationale Perspektiven


[Offenbach am Main, 20. Mai 2020] „Die deutsche Politik muss die internationalen Auswirkungen der Corona-Pandemie für die Wirtschaft stärker in den Blick nehmen“, fordert Kirsten Schoder-Steinmüller, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach am Main.

IHK fordert internationale Perspektiven

„Gerade in der von weltweiten Verflechtungen abhängigen Wirtschaftsregion Rhein-Main ist auch für die Unternehmen in Stadt und Kreis Offenbach ein freier Waren- und Dienstleistungsverkehr ein Muss.“

Ein erster Schritt ist das von der Europäischen Kommission in der vergangenen Woche verabschiedete Maßnahmenpaket zur Öffnung der Binnengrenzen im Schengen-Raum. „Das ist zu begrüßen. Nur wenn der Binnenmarkt reibungslos funktioniert, ist an eine Erholung der europäischen Wirtschaft zu denken. Und es ist dennoch zu kurz gedacht für unsere auf internationalen Märkten agierenden Unternehmen“, hält Schoder-Steinmüller fest.

Die aktuelle Blitzumfrage der IHK-Organisation Anfang Mai zeigt, dass vor allem die Industrie mit Liefer- und Produktionsausfällen sowie Nachfragerückgängen in allen Weltregionen zu kämpfen hat. Grenzschließungen und Transportprobleme bedeuten für rund jedes vierte Unternehmen fehlende Waren und Dienstleistungen in der Wertschöpfungskette sowie logistische Engpässe.

Die macopharma GmbH aus Langen vertreibt medizinische Geräte auch nach Österreich. Frank Schönfeld, Geschäftsführer bei macopharma, berichtet: „Wichtiger Bestandteil des Vertrages ist die regelmäßige Wartung der Maschinen in den Krankenhäusern vor Ort durch unsere deutschen Servicetechniker. Die Geräte werden für schwerkranke, chronische Patienten benötigt und müssen funktionieren. Wartung verschieben bis nach Corona ist da nicht möglich.“

An den europäischen Grenzen wird nach wie vor kontrolliert. Einreisen darf nur, wer die jeweils nötigen Nachweispapiere vorbereitet und vorher länderspezifische Regelungen, mögliche Routen und Schutzregeln geprüft hat. Frank Schönfeld skizziert: „Das verlangt enormen Vorbereitungsaufwand von uns. Wir hatten zeitaufwendig recherchiert und alle nötigen Papiere für den Mitarbeitereinsatz in Österreich zusammengestellt. Am Tag, als der Mitarbeiter losfahren sollte, wurde ganz Österreich zum Risikogebiet erklärt und die Recherche begann von vorne. Wir benötigen Planungssicherheit und klare Kriterien. Daran mangelt es auch nach den bisherigen Lockerungen.“

Lücken in den Lieferketten bei geschlossenen oder kontrollierten Grenzen und eingestellten Flugverbindungen stellen auch das Unternehmen MKU-Chemie GmbH in Rödermark vor große Herausforderungen. Thorsten Schrod, Kaufmännischer Leiter der MKU-Chemie GmbH und Vorsitzender des IHK-Expertenrats Zoll beschreibt die Situation: „Der weltweite Nachfragerückgang ist drastisch spürbar. Um dem entgegenzuwirken sind funktionierende Lieferketten auch für die deutsche Wirtschaft unabdingbar – kommen doch zahlreiche Vorprodukte von Lieferanten innerhalb der EU. Kommt es zur verzögerten Belieferung oder gar zum Stillstand in der Supply Chain, hat dies dramatische Auswirkungen auf die Wertschöpfung unserer exportorientierten, deutschen Unternehmen. Wir werden unsere Lieferketten in Zukunft stärker auf Risiken ausrichten und diese entsprechend breiter gestalten müssen.“

Den Zahlen der bundeweiten Umfrage zufolge legt fast jedes zweite Industrieunternehmen geplante Investitionen auf Eis oder streicht Investitionsbudgets zusammen.
„Mit dem Rotstift bei den Investitionsplänen insbesondere der Industrieunternehmen sehe ich die Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft in Gefahr. Freie Fahrt für Warenverkehr und Dienstleistungen sind die Voraussetzung, dass es endlich klare Perspektiven gibt“, resümiert Schoder-Steinmüller.

Die IHK Offenbach am Main berät und unterstützt in allen Fragen rund um länderspezifische Regelungen im internationalen Geschäft zusammen mit der Expertise der Deutschen Auslandshandelskammern (AHK) weltweit. Informationen finden Sie auf der IHK-Website unter www.offenbach.ihk.de/P5468/
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