Engagiert in Ausbildung im Pandemiejahr


[Offenbach am Main, 29. Oktober 2020] Trotz Corona, Lock-down und schwieriger wirtschaftlicher Situation bilden viele Unternehmen in der Region aus. 1.209 neue Ausbildungsverträge verzeichnet die Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach am Main im aktuellen Ausbildungsjahr bisher. Das ist ein Minus von 10,6 Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr. Auch bei der Agentur für Arbeit Offenbach sind die gemeldeten freien Berufsausbildungsstellen mit einem Minus von 13,8 Prozent rückläufig.

Erste Bilanz zur Ausbildung im Pandemiejahr zogen in der gemeinsamen Arbeitsmarktkonferenz bei der Kegelmann Technik GmbH in Rodgau die Agentur für Arbeit Offenbach, die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main und die Industrie- und Handelskammer Offenbach am Main. Anton Honcharov, ausgelernter Zerspanungsmechaniker (l.) und Kai Kegelmann (r.) am CNC-Arbeitsplatz

IHK-Vizepräsident Hans-Joachim Giegerich erklärt: „Corona geht auch am Ausbildungsmarkt nicht spurlos vorbei. Dennoch zeigen die Zahlen, dass die duale Ausbildung weiterhin absolut gefragt ist. Fachkräfte sind und bleiben die Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen. Wir sind mit den Unternehmen gerade in dieser für viele schwierigen Situation intensiv im Gespräch. Die Mehrzahl der Betriebe in Stadt und Kreis Offenbach bildet genauso aus wie in den Jahren zuvor. Besonders von der Corona-Pandemie betroffene Branchen wie Hotel und Gastronomie, Tourismus und der Veranstaltungsbereich sind jedoch dieses Jahr zurückhaltend mit der Ausbildung.“

Engagement in Ausbildung ist für die Kegelmann Technik GmbH aus Rodgau ein Muss. Kai Kegelmann, Mitglied der Geschäftsführung, bestätigt: „Die Ausbildung ist ein ganz wichtiger Bestandteil und die Basis für das Unternehmen in der Zukunft. 40 Prozent unserer Mitarbeiter unter 40 Jahren, das sind ein Drittel der Belegschaft, wurden in unserem Haus ausgebildet.“
Kegelmann stellt Prototypen und Serienbauteile mit diversen High-Tech Fertigungsverfahren mittels 3D Druck und Spritzguss für die Branchen Automotive, Maschinen- und Anlagenbau, Lifestyle, Luftfahrt und Medizintechnik her. Aktuell werden acht Jugendliche in sechs verschiedenen Ausbildungsberufen ausgebildet. Auch im Corona-Jahr 2020 sind zwei Auszubildende gestartet.
„Ausbildung muss digitaler werden. Das zeigt sich gerade jetzt. Hier sind alle Beteiligten gefordert“, betont Kegelmann. „Unsere Auszubildenden arbeiten ebenso am Computer, wo Arbeitsinhalte von Produktdesign über Fräserei bis zum Werkzeugbau digital abgebildet werden. Auch mit der Berufsschule sind erste Schritte wie mit dem Online Berichtsheft gemacht.“

Thomas Iser, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Offenbach, beschreibt die aktuelle Situation so: „Corona bedingt haben in diesem Jahr mehrere hundert Jugendliche weniger als im Vorjahr eine Ausbildungsstelle gefunden und besuchen weiterführende Schulen oder berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen. Diese Jugendlichen werden 2021 erneut auf Ausbildungsplatzsuche gehen. Nach Corona werden die Unternehmen weiterhin einen hohen Fachkräftebedarf haben. Ziel für 2021 muss es sein, die Ausbildungsplätze, die dieses Jahr nicht zur Verfügung standen, im nächsten Jahr zusätzlich bereitzustellen. Nur so wird es gelingen, möglichst allen Jugendlichen, die einen Ausbildungsplatz suchen, die Chance auf eine Ausbildung geben zu können.“ Iser weist darauf hin: „Derzeit sind noch 103 registrierte Bewerber unversorgt (gegenüber 67 im Vorjahr). Auch aktuell ist der Einstieg in eine Ausbildung möglich. Im medizinischen Bereich oder als Mechatroniker werden immer noch Auszubildende gesucht. Jugendliche sollten die Berufsberatung kontaktieren. Unser Arbeitgeber-Service ist für Ausbildungsbetriebe rund um die Ausbildungssuche da.“

Zur Situation im Handwerk fasst Florian Schöll, Leiter Berufsbildungspolitik und Prüfungswesen der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, zusammen: "Die Entwicklung der Ausbildungszahlen im Jahr 2020 bleibt aufgrund der Corona-Pandemie hinter unseren Erwartungen. Im September lagen wir bei rund 18 Prozent weniger neu eingetragenen Verträgen gegenüber dem Vorjahr im gesamten Kammerbezirk. Grundsätzlich lässt sich für die 130 Berufe im Handwerk sagen: Wir haben derzeit 250 freie Lehrstellen in unserem Lehrstellenradar, Tendenz steigend. Handwerksbetriebe freuen sich weiterhin auf alle Bewerberinnen und Bewerber. Die Ausbildungsberater der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main unterstützen Unternehmer und künftige Azubis, zusammen zu finden." Alle freien Lehrstellen im Handwerk finden sich unter www.lehrstellen-radar.de.

IHK-Vizepräsident Hans-Joachim Giegerich unterstreicht: „Die IHK berät zu allen aktuellen Themen wie auch der Ausbildungsprämie. Die Digitalisierung unserer Berufsorientierungsangebote treiben wir voran. Derzeit läuft das digitale Azubi-Speeddating. Das wird von Betrieben und Azubis gut angenommen. Mit dem Übergangsmanagement der Stadt Offenbach haben wir ein Azubi-Matchingtool etabliert. Für Unternehmen und Jugendlichen organisieren wir auch zukünftig Möglichkeiten, miteinander in Kontakt zu treten.“
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