Ausbildungsduldung auch für Einstiegsqualifizierungen


[Offenbach am Main, 17. August 2018] Mehr Rechtssicherheit für Unternehmen bei der Beschäftigung von Flüchtlingen in Einstiegsqualifizierungen (EQ) fordert die Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach am Main.

„Zwar sind uns aus der Region Offenbach noch keine Fälle bekannt, in denen ein Flüchtling aus einer EQ abgeschoben wurde. Aber eine Sicherheit können wir unseren Unternehmen nicht geben“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Markus Weinbrenner.

Seit September 2017 gilt in Deutschland die sogenannte „3+2-Regelung“. „Junge Flüchtlinge, die noch keine Aufenthaltserlaubnis in Deutschland haben, bekommen eine Ausbildungsduldung. Somit ist dem Azubi und dem Unternehmen ein sicherer Aufenthalt während der dreijährigen Berufsausbildung und zwei Jahre nach der Ausbildung - vorausgesetzt eine  Beschäftigung findet statt - garantiert. Für die EQ gibt es diese Garantie aber noch nicht. Hier hängt die Duldung nach wie vor vom  Ermessen der jeweiligen Ausländerbehörde ab“, so Weinbrenner.

IHK-Präsidentin Kirsten Schoder Steinmüller kann hier direkt aus der Praxis berichten: „Wir haben mittlerweile zwei junge Geflüchtete in Ausbildung. Letztes Jahr haben wir bei einem jungen Mann bereits mit der EQ begonnen. Plötzlich lag für ihn keine Arbeitserlaubnis mehr vor. Wäre uns schon mit Beginn der EQ eine sichere Bleibeperspektive garantiert worden, hätten wir uns viel Zeit, Unsicherheit und Behördenarbeit ersparen können. Wir Unternehmer investieren in zusätzliche Deutschkurse und versuchen etwas zu bewegen. Werden uns dann aber seitens des Staates auch noch Steine in den Weg gelegt, verpuffen unsere Integrationsbemühungen einfach.“

Die EQ sei der beste und schnellste Weg, mit dem ein Flüchtling in die Ausbildung starten könne. Sie dauere ein Jahr und bereite auf die Berufsausbildung vor. Außerdem biete die EQ dem Flüchtling die Möglichkeit, sich an die Anforderungen der deutschen Arbeitswelt zu gewöhnen, die notwendigen persönlichen und sozialen Kompetenzen zu erwerben und seinen zukünftigen Beruf kennen zu lernen. Des Weiteren könne er seine Sprachkenntnisse vertiefen. Das Unternehmen wiederum lerne ihn und auch sein Durchhaltevermögen besser kennen. Schoder-Steinmüller fordert deshalb: „Eine Sicherheit vor Abschiebung muss auch für die EQ garantiert werden. Hierzu könnte die ,3+2-Regelung‘ in eine, 4+2‘- oder ,4+1 Regelung‘ umgewandelt werden, die auch die vorausgehende EQ mit einschließt.“

Zwar stellten Flüchtlinge nur einen kleinen Baustein im Rahmen der Fachkräftesicherung dar, doch helfe jede Fachkraft, die ausgebildet werden kann den Unternehmen in der Region Offenbach weiter.

Unternehmer, die Beratung zum Thema Beschäftigung und Ausbildung von Flüchtlingen wünschen, können sich an IHK-Projektreferentin Jana Maria Kühnl , E-Mail kuehnl@offenbach.ihk.de, Telefon (069) 8207-341, wenden.
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